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Polizeiticker Drogenhändler ziehen vom Wiener Platz ab
Dresden Polizeiticker Drogenhändler ziehen vom Wiener Platz ab
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07:30 06.07.2018
Der Wiener Platz ist seine Drogenhändler vorerst los. Die Polizei gibt dennoch nur vorsichtige Entwarnung. Quelle: Tino Plunert
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Dresden

Entspannung am Wiener Platz: „Es gibt dort kaum noch offenen Drogenhandel“, sagt Polizeioberrat André Marschke. Der 49-Jährige ist nicht nur als Leiter des Reviers Mitte für die Altstadt und den lange mit Problemen beladenen Bahnhofsvorplatz zuständig, sondern hat noch in seiner damaligen Funktion als Leiter des Streifendienstes im Revier die im Februar 2014 angelaufenen Einsätze gegen die Drogenkriminalität organisiert. Dabei werden Kräfte des Reviers durch die immergleichen Beamten der Bereitschaftspolizei verstärkt, umstellen den Platz und kontrollieren die Drogenhändler und ihre Kunden.

Der 49-jährige André Marschke ist seit Herbst 2017 Leiter des Reviers Mitte. Quelle: Dietrich Flechtner

Dieses aufwendige Vorgehen hat nun Erfolg, wie die Statistik zeigt. So wurden 2017 bei zwölf Einsätzen 169 sogenannte Feststellungen gemacht, bei denen es sich im Wesentlichen um Drogenbesitz von Marihuana und Crystal handelt. Macht 14 Drogendelikte pro Großkontrolle. „Seit Anfang des Jahres gehen diese Zahlen deutlich zurück“, sagt Marschke. Neun Einsätze hat es im laufenden Jahr bisher gegeben, 44 Delikte wurden dabei festgestellt. Das macht einen Schnitt von nicht einmal fünf, bei den letzten drei Einsätzen lagen die Ergebnisse laut Marschke noch niedriger. Die Drogenhändler scheinen den Wiener Platz derzeit zu meiden. „Das ist für uns ein Erfolg, der uns viel Kraft gekostet hat“, sagt der Revierchef. „Wir haben verhindert, dass sich am Hauptbahnhof eine Drogenszene etablieren konnte.“

Allerdings gehört es zur Charakteristik dieser Szene, dass sie mobil ist. Als die Probleme auf dem Wiener Platz akut wurden, gab es schließlich schon länger Drogenhandel im Umfeld der Prager Straße. Das fing an einer Spielothek am Ferdinandhof an, konzentrierte sich dann mal auf die südliche Reitbahnstraße oder den Platz am Rundkino ehe der Wiener Platz ins Zentrum rückte. Deswegen ist Marschke auch vorsichtig, komplette Entwarnung zu geben. „Wir haben derzeit das Gefühl, dass die Drogenhändler in die Neustadt gezogen sind, haben dafür aber keine konkreten Belege“, sagt er. Die Gegend zwischen Hauptbahnhof und Dr.-Külz-Ring werde man weiter im Blick behalten, auch wenn die Frequenz großer Drogenkontrollen in nächster Zeit wohl etwas geringer ausfallen werde. Das könne sich jedoch auch schnell wieder ändern, sagt der Revierchef.

Für die Vorsicht gibt es auch abseits des Drogenhandels gute Gründe. So haben Kräfte des Reviers Mitte zwar durch im März angelaufene massive Kontrollen auf der Trompeterstraße das Treiben der dort herumlungernden Jugendgangs einigermaßen in erträgliche Bahnen gelenkt, müssen aber weiter ein Auge darauf haben. Dasselbe gilt für die Trinkergruppe, die am Rewe auf der Prager Straße hin und wieder für Probleme sorgt. Vier Gefährliche Orte nach Polizeigesetz, in denen die Beamten verdachtsunabhängig kontrollieren können, gibt es in dem Bereich: am Wiener Platz mitsamt dem Umfeld der Haltestelle Hauptbahnhof-Nord, dem Ferdinandhof, der Reitbahnstraße und der Trompeterstraße. „Sie alle behalten ihre Berechtigung, das überprüfen wir regelmäßig“, sagt Marschke. Auch wenn das subjektive Sicherheitsgefühl der Gewerbetreibenden auf der Prager Straße deutlich gestiegen sei, gelte: „Wir müssen Präsenz zeigen.“

Doch wie weiter mit dem Drogenproblem? Im Moment wisse man nicht mit Sicherheit, wo sich die Dealer rumtreiben. Deswegen sind einerseits Kräfte der Bereitschaftspolizei in zivil unterwegs und halten die Augen offen, hinter dem Hauptbahnhof, am Rundkino, vielleicht noch ganz woanders. „Sie haben in den Jahren viel Know-how dazugewonnen, kennen ihre Pappenheimer und dieses Wissen wollen wir nicht verlieren“, sagt der Revierleiter. Gleichzeitig sollen sie nun die Kollegen vom Revier Nord in der Neustadt unterstützen. Dort gibt es vor allem auf dem Albertplatz, dem Scheunevorplatz und dem Alaunplatz Drogenhandel, wenngleich auch der dortige Revierleiter Matthias Imhof von einer leichten Entspannung, zumindest keiner weiteren Zunahme des Problems berichtet. Die Bereitschaftspolizisten sollen nun dort bei Einsätzen die Augen offenhalten, ob einer der aus der Altstadt bekannten Drogendealer in die Neustadt umgezogen ist. „Personelle Überschneidungen zwischen der Altstadt und der Neustadt hat es im Drogenhandel allerdings schon länger gegeben“, sagt Marschke.

Den Drogenhändlern nachgehen, ihnen das Geschäft so schwer wie möglich machen, erwischte Straftäter der Justiz zuführen – das ist im Prinzip alles, was die Polizei machen kann. Wer das Problem bei der Wurzel angehen wolle, müsse die Rauschgiftsucht der zumeist deutschen Kunden bekämpfen, meint Marschke. „Nur wenn es keine Käufer mehr gibt, gibt es auch keinen Drogenhandel mehr.“

Von Uwe Hofmann

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