Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Polizeiticker Dresdner Justizbeamter hat Haftbefehl veröffentlicht
Dresden Polizeiticker Dresdner Justizbeamter hat Haftbefehl veröffentlicht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:29 30.08.2018
Nach der Messerattacke in Chemnitz hat sich jetzt ein Vollzugsbeamter zu Wort gemeldet. Quelle: Archiv
Dresden

Der Dresdner Justizvollzugsbeamte Daniel Zabel hat den Haftbefehl im Fall der tödlichen Messerattacke in Chemnitz in den sozialen Medien veröffentlicht. Das ließ der 39-Jährige am Donnerstagabend über seinen Rechtsanwalt Frank Hannig mitteilen.

Demnach habe er im Rahmen seiner Tätigkeit Kenntnis von dem Haftbefehl gegen einen der Tatverdächtigen erhalten. „Ich habe mich entschlossen, dieses Dokument, den vollständigen Haftbefehl, zu fotografieren und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen“, so Zabel. Ihm sei dabei klar gewesen, dass er damit Dienstpflichten verletze und habe auch gewusst, dass er dadurch mit hoher Wahrscheinlichkeit seinen Job verlieren werde. „Mir war allerdings nicht klar, dass ich mich mit dem Veröffentlichen dieses Dokuments möglicherweise auch strafbar gemacht habe“, heißt es in der Mitteilung des Rechtsanwalts.

Als Gründe für seinen Schritt gab er an: „Ich möchte, dass die Öffentlichkeit weiß, was geschehen ist. Ich möchte, dass die Spekulationen über einen möglichen Tatablauf ein Ende haben und ich möchte, dass die Medien nicht mehr die Hoheit haben, den tatsächlichen Tatablauf in Frage zu stellen, zu manipulieren oder auf einen ihnen jeweils genehme Art und Weise zu verdrehen.“

Im Hinblick auf den Totschlag oder Mord von Chemnitz wolle er nicht mehr Teil einer schweigenden Masse sein, sondern dafür sorgen, dass die Wahrheit ans Tageslicht kommt. Die Konsequenzen seien ihm bewusst. „Ich vertraue aber darauf, dass ich ein faires und rechtsstaatliches Verfahren kriege.“ Der 39-Jährige stehe zu dem, was er getan habe.

Das Justizministerium reagierte umgehend und suspendierte den Justizvollzugsbeamten. „Die Weitergabe von vertraulichen Dokumenten eines Strafverfahrens ist verantwortungslos und stellt einen schwerwiegenden Vorwurf dar. Die Staatsanwaltschaft Dresden hat seit Mittwoch umfangreiche Ermittlungsmaßnahmen durchgeführt, sodass ich davon ausgehe, dass der Fahndungsdruck auf den betroffenen Bediensteten derart hoch war, dass er sich jetzt stellte“, sagte Justizminister Sebastian Gemkow.

Die Staatsanwaltschaft Dresden und das Landeskriminalamt Sachsen hatten acht Durchsuchungen durchgeführt. Sie betrafen auch den Beschuldigten, der Anfangsverdacht habe sich gegen den Beamten der JVA Dresden schließlich erhärtet, teilte Oberstaatsanwalt Lorenz Haase mit.

Nach der rechtswidrigen Veröffentlichung des Haftbefehls gegen zwei Verdächtige im Chemnitzer Todesfall auf mehreren rechten Internetseiten hatten die sächsischen Behörden mit Hochdruck nach den Verantwortlichen für die undichte Stelle. Zunächst war Jan Timke, Bremer Bürgerschaftsabgeordneter der rechtskonservativen Wählervereinigung “Bürger in Wut“ in das Visier der Ermittler geraten.

Von Christin Grödel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Beamte stellen zwei 14-Jährige auf frischer Tat. Bei ihnen daheim finden die Ermittler die Beute, die bereits in der Nacht zuvor aus dem Gebäude verschwunden war.

30.08.2018

Einbrecher drücken eine Tür auf und durchwühlen das Büro. Dort stecken sie sich Geld und Schlüssel ein.

30.08.2018

Eine Frau wird bei einer Attacke mit einem Messer schwer verletzt. Die Polizei ermittelt jetzt gegen ihren elf Jahre älteren Lebenspartner – wegen versuchten Totschlags.

30.08.2018