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Polizeiticker Dresdner Einbruchsbekämpfern gelingt Wirkungsschlag
Dresden Polizeiticker Dresdner Einbruchsbekämpfern gelingt Wirkungsschlag
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15:19 27.03.2018
Jürgen Leistner ist als Leiter des Kommissariats 21 bei der Polizeidirektion Dresden der oberste Einbruchsbekämpfer der Stadt. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Es gibt weniger Einbrüche in Dresden. Das sagt Jürgen Leistner, der als Erster Kriminalhauptkommissar und Leiter des Kommissariats 21 bei der Polizeidirektion Dresden, der oberste Einbruchsermittler der Stadt ist. Die zehn Mitarbeiter seiner Abteilung haben in Zusammenarbeit mit den Kriminaldiensten der Reviere im letzten Jahr so viele Einbrecher hinter Gittern gebracht, dass seit Frühjahr 2017 die Einbruchszahlen rückläufig sind.

Frage: Wann tritt Ihre Abteilung in Erscheinung?

Jürgen Leistner: Wir als Kommissariat 21 beschäftigen uns ganz speziell mit der schweren Einbruchskriminalität, was zum großen Teil Wohnungseinbruchsdiebstahl, Bandendiebstahl, schweren Bandendiebstahl, Einbrüche, bei denen Tresore und ähnliches angegriffen werden sowie Einbrüche in besonders geschützten Einrichtungen wie Banken und Kirchen umfasst. Weiterhin ziehen wir Einbruchsserien an uns heran, die wir in den Verantwortungsbereichen der verschiedenen Kriminaldienste der Polizeidirektion Dresden erkennen. Wir sind die Endbearbeitung, wir nehmen nicht die Sachverhalte auf.

Was sind Schwierigkeiten bei Ihrer Arbeit?

Große Probleme haben wir, wenn der Mieter oder Hauseigentümer etwas verändert, nachdem er den Einbruch festgestellt hat. Immer wieder erleben wir es, dass die Bewohner als erstes das aufgebrochene Fenster oder die Terrassentür schließen. Anschließend wird der Schmutz vom Fußboden gefegt. Diese Spurenvernichtung erschwert unserer Arbeit enorm. Es gibt zwei Komponenten, mit denen wir vor allem Anfangs arbeiten: Das ist die objektive Spurenlage und das sind subjektive Dinge wie Zeugenaussagen. Je weniger wir davon haben, desto geringer sind die Chancen, etwas aufzuklären.

Da geht es also ganz klassisch um Fingerabdrücke und Schuhspuren?

Zum Beispiel. Wir hatten kürzlich erst einen Fall, da haben wir den Täter über Fingerabdrücke überführt. Und der Laie glaubt gar nicht, wobei alles DNA-Spuren entstehen. Da muss man nicht unbedingt Blut am Tatort hinterlassen, es genügt schon, zu schwitzen. Das weitere Spektrum, das in unserem Auftrag im Kriminaltechnischen Institut des Landeskriminalamtes Sachsen untersucht wird, reicht von Faserspuren über Werkzeugspuren bis zu biologischen Spuren. Manchmal lässt der Täter auch Sachen zurück, die er mitgebracht hat. Etwa einen Rucksack, in dem sich sein Personalausweis befindet.

Vom zurückgelassenen Ausweis mal abgesehen, hört es sich so an, als ob Sie einen langen Atem brauchen.

Es ist viel Ermittlungsarbeit, die sich teilweise über Monate zieht. Für Außenstehende ist oft gar nicht zu erkennen, wie viele Faktoren da mitspielen. Wenn wir eine Einbruchsserie haben, kann das auch mal ein Jahr dauern.

Passiert es oft, dass Zeugen Einbrecher sehen?

Es kommt vor. Besonders dramatisch ist es, wenn der Geschädigte den Einbrecher überrascht. Das macht die Verletzung der Intimsphäre, die jeder Einbruch ist, noch schwerer. Ich kenne Fälle, da sind Geschädigte noch lange nach dem Einbruch in psychologischer Behandlung.

Gibt es ein bestimmtes Fehlverhalten, das Einbrecher immer wieder ausnutzen?

Offen Fenster und Terrassentüren im Erdgeschoss beziehungsweise Wohnungstüren, die beim Verlassen nur ins Schloss gezogen werden. Und viele verstecken ihre Wertsachen im Schlafzimmer. Das wissen die Einbrecher. Manchmal verdächtigen Geschädigte Menschen aus ihrem Bekanntenkreis, weil sie ihr Versteck für derart ausgefeilt halten. Wenn wir den Täter ermittelt haben, dann bestätigt sich das oft nicht.

Gibt es Trends, die Sie beobachten.

Seit September gibt es Fälle, bei denen Doppelzylinder von Wohnungstüren herausgezogen werden. Man muss sich das Vorgehen ähnlich wie beim Schlüsseldienst vorstellen. Wir kennen diese Begehungsweise aus anderen Städten, jetzt gibt es sie auch in Dresden. Aktuell sind es sieben derartige Einbruchshandlungen. Wir haben in diesem Zusammenhang bereits zwei Täterbeschreibungen.

Gilt Dresden in Sachen Einbruch als gefährliches Pflaster?

Nein, im Gegenteil. Sachsenweit und bundesweit steigen die Fälle an, bei uns sind sie in den letzten Jahren leicht gesunken. In diesem Jahr gibt es spätestens seit dem Frühjahr einen rückläufigen Anfall.

Warum das?

Das hat mehrere Gründe. Es ist uns gelungen, Anfang des Jahres drei Banden zu ermitteln, die albanischer und georgischer Herkunft sind und vor allem Einfamilienhäuser und Wohnungen angegriffen haben. Gerade bei Einbrüchen und Firmen ist es uns – in Zusammenarbeit mit den Kriminaldiensten – gelungen, dass wir viele regionale Täter eingesperrt haben, die uns über lange Zeit das Leben schwer gemacht haben. Das ist etwa ein dutzend Täter, das lose Verbindungen untereinander hat und mal gemeinsam, mal allein Einbrüche begangen hat. Darunter fallen auch Täter, die für eine Einbruchsserie in Hotels vor allem im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge verantwortlich sind. Wenn man so eine Gruppierung hochnimmt, dann hat das eine deutliche Auswirkung auf die Einbruchszahlen. Das schreiben wir uns wirklich als Folge unserer konzentrierten Bearbeitung selbst zugute.

Gibt es Dinge, die Ihnen die Arbeit einfacher machen würden?

Bewohner und Eigentümer müssen es Einbrechern so schwer wie möglich machen. Auch beim Auto: Eine Lenkradkralle schreckt Autoeinbrecher ab. Genauso wie eine Signalanlage, die alarmiert, wenn die Terrassentür geöffnet wird. Es geht um viele kleine Dinge, nicht um eine mehrere Tausend Euro teure Alarmanlage.

Von Uwe Hofmann

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