Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Polizeiticker Reste der Fliegerbombe in Dresden-Löbtau geborgen – Entwarnung
Dresden Polizeiticker Reste der Fliegerbombe in Dresden-Löbtau geborgen – Entwarnung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:31 25.05.2018
Von der Fliegerbombe geht keine Gefahr mehr aus. Quelle: Uwe Hofmann
Dresden

Die in Dresden-Löbtau gefundene Weltkriegsbombe ist entschärft. Die Polizei gab gegen 16 Uhr Entwarnung, nachdem die Reste des am Dienstag bei Bauarbeiten an der Ecke Löbtauer Straße und Wernerstraße gefundenen Blindgängers von Fachleuten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes aus einer noch rauchenden Feuergrube geborgen worden waren. Die Sperrungen wurden aufgehoben, alle Anwohner können zurück in ihre Wohnungen.

Quelle: Uwe Hofmann

„Es war ein Blindgänger wie jeder andere auch“, sagte anschließend Holger Klemig, Leiter der Kampfmittelzerlegung. Der 56-Jährige war seit Dienstag, 18 Uhr, für den Einsatz verantwortlich. Was die 250 Kilogramm schwere Weltkriegsbombe britischer Produktion von den vorangegangenen 218 unterschied, die Klemig bisher entschärft hatte, war der Zünder. Die Zündnadel war – vermutlich durch die Bauarbeiten – ins Zündhütchen gedrückt, so dass bei jeder Drehung des Zünders mit einer Detonation gerechnet werden musste. „Da stellen sich einem die Nackenhaare auf“, sagt Klemig über seine Gefühlslage am Mittwochnachmittag, als er diese Lage entdeckte.

Nach 48 Stunden war der Spuk endlich vorbei. Die Polizei gab am Donnerstagnachmittag Entwarnung. Von dem bei Bauarbeiten in Löbtau gefundenen Blindgänger geht keine Gefahr mehr aus.

Diese entwickelte sich zu einem der längsten derartigen Einsätze. 8000 Menschen mussten ihre Wohnungen in Friedrichstadt und Löbtau verlassen und konnten zwei Nächte lang nicht zurück. Zurückgelassene Haustiere blieben unversorgt, so mancher hatte mit einer kurzzeitigen Evakuierung gerechnet. Auch die Feuerwehr. „Derartige Einsätze sind uns nicht fremd“, sagt der Dresdner Feuerwehrchef Andreas Rümpel. Auf eine derart lange Dauer sei man nicht eingerichtet gewesen. Dennoch habe man angesichts der Aufgabe – zwei Pflegeheime und eine geriatrische Klinik mussten geräumt werden – gute Arbeit geleistet. „In der Notunterkunft in der Dresdner Messe war die Lage angespannt“, sagt Rümpel.

Ähnlich wie am Fundort. Dort versuchten es die Experten nach eingehender Beratung mit einer Raketenklemme – ein Aufsatz auf den Zünder, der diesen durch zwei aus der Ferne gezündete Sprengladungen herausdrehen kann. „Das hat den Vorteil, dass dabei keiner in der Nähe der Bombe sein muss und verletzt werden kann“, erläuterte anschließend Klemig. Weil der Methode nur eine 50-prozentige Chance eingeräumt wurde, musste zuvor ein Schutzwall zu einer benachbarten Tankstelle aufgebaut werden. Dazu kamen tonnenschwere Pakete aus gepresstem Papier und Pappe, die einer etwaigen Detonation die Wucht nehmen sollten.

Sie wurden gebraucht, weil die Bombe teilweise detonierte. Der Rest des 70 Jahre alten Sprengstoffs, laut Klemig wohl die Hälfte, verbrannte aus unbekannter Ursache und setzte dabei die Papierdämmung in Brand. Wegen der großen Hitze und der instabilen Lage habe man sich diesem Feuer lange nicht nähern können, sagte anschließend Polizeipräsident Horst Kretzschmar. Donnerstagmittag gab es dann erste Löschversuche mit einem aus Leipzig angeorderten Löschroboter. Nach einigen Kontrollen durch die Sprengmeister konnte ein Teil der schwelenden Papierballen durch einen Bagger beiseite geschoben werden. Nachdem daraufhin tiefer liegende Brandherde noch einmal aufbrachen und gelöscht wurden, konnten die Fachleute Entwarnung geben.

Hochgefährliche Bombe“

„Dieser Einsatz hat nicht nur die Dresdner, sondern auch Feuerwehr, Rettungskräfte und die Polizei in Atem gehalten. Die Bombe, mit der wir es hier zu tun hatten, war hochgefährlich. Insbesondere die Explosion während der Entschärfung belegt das Gefahrenpotential derartiger Weltkriegsmunition“, sagte Polizeipräsident Kretzschmar nach der Entwarnung. Vor diesem Hintergrund sei der betriebene Aufwand entsprechend hoch und zwingend notwendig gewesen.

Die Evakuierungsmaßnahmen und Straßensperrungen werden seit Donnerstagnachmittag schrittweise aufgehoben. Gleichzeitig stehen an der Notunterkunft im Messegelände Busse bereit, um die Menschen wieder in ihre Wohnungen zu bringen. Lediglich im Bereich des Fundortes kommt es im Rahmen der Abbaumaßnahmen weiterhin zu Behinderungen. „Für uns beginnt die Arbeit erst noch“, sagt Feuerwehrchef Rümpel mit Blick auf die immobilen Bewohner der Pflegeheime und der betroffenen Klinik, die zwischenzeitlich in Kliniken untergekommen waren und am Freitag wieder in ihre gewohnten Räume gebracht werden sollen. Ob man das angesichts der hohen Zahl im dreistelligen Bereich an einem Tag schaffe, sei offen.

Im Einsatz waren mehr als 590 Feuerwehr- und Rettungskräfte sowie Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Hinzu kamen mehr als 1200 Polizisten, darunter Beamte von der Bundespolizei, der Thüringer Polizei sowie der Sächsischen Bereitschaftspolizei.

Bombenreste kommen nach Zeithain

Die Kampfmittelbeseitiger verluden die Reste der Bombe in einen Transporter und brachten sie in ihr Lager nach Zeithain. Dort werde entschieden, ob sie wegen der besonderen Entwicklung als Lehrstücke erhalten bleiben sollen oder verschrottet werden. Sprengmeister Klemig sprach trotz der langen Dauer und dem unerwarteten Feuer von einem gelungenen Einsatz. „Es ist kein Mensch verletzt worden und nur geringer Schaden an einem Gebäude entstanden“, sagte er. Bei einer unkontrollierten Detonation wäre ein mehrere Meter tiefer und breiter Krater entstanden und Splitter bis zu 800 Meter weit geflogen, weil der Blindgänger nur etwa 40 Zentimeter unter der Oberfläche lag. Genauer ansehen müsse man sich die Ursache für den Brand. „Wir haben mit dem Dämmmaterial gute Erfahrungen gesammelt, normalerweise ist das nach einer Detonation Konfetti und fängt nicht Feuer, sagte Klemig.

Erster Versuch abgebrochen

Die Spezialisten zur Beseitigung von Kampfmitteln hatten einen ersten Einsatz am Mittwochmittag zunächst abgebrochen, weil die Situation zu heikel gewesen sei. „Der mechanische Zünder ist freigelegt. Nach Einschätzung unserer Experten ist die Detonationsgefahr höher als erwartet“, so die Polizei. Der Sperrbezirk blieb bis auf Weiteres bestehen. Mehr als 700 Polizisten unterstützten die Aktion. Auch Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) machte sich ein Bild von der Situation. Wöller dankte den Einsatzkräften. Das Ganze laufe reibungslos und hochprofessionell ab.

Die Schwierigkeit des Einsatzes: Die Bombe befand sich in einem Zustand, in der sie nach herkömmlichen Mitteln nicht entschärfbar war, so Polizeipräsident Horst Kretzschmar. Bei einer Bewegung des Zünders oder der Bombe war eine Detonation wahrscheinlich.

Schutzwall aus Dämmmaterial

Deshalb wurden entsprechende Vorkehrungen getroffen. Um die Bombe herum wurde ein Schutzwall aus Dämmmaterial errichtet. Auch verschiedene Gebäude und Einrichtungen mussten auf ähnliche Weise geschützt werden. Antransportiert wurden Betonblöcke, Papierballen und mit Sand gefüllte Bigpacks.

Ziel war es, dass Umfeld für den Fall einer Detonation abzusichern. Es sei viel Neuland dabei gewesen und daher auch für die Polizei ein Experiment, sagte ein Sprecher.

Anwohner im Umkreis von 800 Metern mussten im Vorfeld ihre Wohnungen verlassen. Rund 8700 Menschen sind betroffen. Nach Einschätzung der Spezialisten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes handelt es sich um eine fünf Zentner Fliegerbombe englischer Bauart.

Zeitplan gerät aus den Fugen

Eigentlich hatten die Spezialisten eine Entschärfung noch in der Nacht zu Mittwoch geplant. Aufgrund der zahlreichen Betroffenen im Evakuierungsgebiet konnte dieser Zeitplan aber nicht eingehalten werden. Verzögerungen gab es insbesondere bei der Räumung der beiden Seniorenheime und der geriatrischen Klinik mit insgesamt mehr als 230 Bewohnern. Sie wurden in der Notunterkunft in der Messe, wo insgesamt knapp 1300 Bewohner aufgenommen wurden, sowie in den Krankenhäusern der Region untergebracht – im Städtischen Klinikum Dresden, im Diakonissenkrankenhaus Dresden, im Universitätsklinikum Dresden und im Krankenhaus Freital.

Bei Bauarbeiten ist am Dienstag eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Sie muss vor Ort entschärft werden.

Von der Absperrung betroffen waren auch verschiedene Geschäfte, eine Berufsschule, eine Kita, Betriebe und Einkaufsmärkte. Ein Zutritt in den Bereich war während der Entschärfung nicht möglich. Auch für den Fahrzeugverkehr war das Areal gesperrt.

Der Berufsverkehr war seit Mittwoch stark beeinträchtigt. Das von Räumungen betroffene Gebiet lag mitten in der Innenstadt unweit des Hauptbahnhofs. Von Staus und Behinderungen betroffen waren vor allem die Kesseldorfer Straße, die Löbtauer Straße, die Nossener Brücke, die Tharandter Straße und die Nebenstraßen. Auch bei den Dresdner Verkehrsbetrieben führte der Bombenfund für zahlreiche Verspätungen. Nun normalisiert sich die Lage langsam.

Fluggäste mussten erneut mit großen Einschränkungen rechnen. Die Flugsicherung habe am Donnerstag wieder eine Sperrung des Luftraumes über der Stadt ausgerufen, teilte ein Sprecher des Flughafens in Dresden am Morgen mit. Dadurch waren Starts und Landungen am Flughafen nicht möglich.

Bereits am Mittwoch gab es Einschränkungen. Wegen der Entschärfung hatten insgesamt 25 Starts und Landungen am und vom Flughafen Dresden abgesagt werden müssen. Der Flughafen war zeitweise komplett geschlossen.

Die Stadt hat ein Bürgertelefon eingerichtet. Es ist unter der Nummer (0351) 488 7666 zu erreichen.

Von cg/uh

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die beiden Jugendlichen, die zwischen Donnerstag und Sonntag mutmaßlich 35 Autos im Dresdner Stadtgebiet aufgebrochen haben, müssen in Untersuchungshaft. Dies teilt die Polizei mit. Der zuständige Staatsanwalt hat am Dienstag entschieden, dass das Duo solange in Haft bleibt, bis die Ermittlungen abgeschlossen sind.

22.05.2018

Eine Zigarettenbande ist ins Visier der Dresdner Polizei gerückt. Schon neunzehn Mal haben die Unbekannten in diesem Jahr Zigarettenautomaten gesprengt und komplett zerstört. Der entstandene Sachschaden an den Zigarettenautomaten liegt mittlerweile bei rund 60 000 Euro. Die Polizei sucht dringend nach Zeugen.

22.05.2018

Bundespolizisten haben am Sonntagnachmittag einen Serben am Hauptbahnhof festgenommen. Er hatte sich der geltenden Einreisesperre und seinem Aufenthaltsverbot für das Bundesgebiet widersetzt. Der 27-Jährige wurde nach Tschechien zurückgebracht.

22.05.2018