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Betonsperren, keine Musik und Trauerflor: Dresdner Weihnachtsmärkte reagieren auf Anschlag

Nach Berlin Betonsperren, keine Musik und Trauerflor: Dresdner Weihnachtsmärkte reagieren auf Anschlag

Nach dem mutmaßlichen Terroranschlag von Berlin hat der Dresdner Striezelmarkt am Dienstag regulär geöffnet. Die Polizei hat ihre Präsenz deutlich vergrößert und Betonsperren aufgestellt. Auch auf den anderen Märkten der Stadt wurde reagiert.

Die Polizei hat ihre Präsenz deutlich vergrößert. Zudem begannen die Beamten damit, entlang der Wilsdruffer Straße Betonsperren aufzustellen.

Quelle: sl

Dresden. Nach dem mutmaßlichen Terroranschlag von Berlin hat der Dresdner Striezelmarkt am Dienstag regulär geöffnet. Die Polizei hat ihre Präsenz deutlich vergrößert. Zudem begannen die Beamten damit, entlang der Wilsdruffer Straße Betonsperren aufzustellen. Alle Zugänge an der Wilsdruffer Straße, der Seestraße und an der Kreuzkirche sind einbezogen. Zudem bleibt die südliche Spur der Wilsdruffer Straße - Fahrtrichtung Postplatz zum Pirnaischen Platz -ab sofort bis Heiligabend täglich zwischen 10 Uhr und 21 Uhr gesperrt.

„Wir haben bislang auf das Aufstellen von Durchfahrtssperren verzichtet. Allerdings hatten wir Vorkehrungen getroffen, um schnell auf eine veränderte Sicherheitslage reagieren zu können. Diese Situation ist nun eingetreten. So haben wir heute Morgen begonnen, die bereits bei den Feierlichkeiten zum 3. Oktober eingesetzten Betonklötze um den Striezelmarkt aufzubauen“, teilte Polizeichef Horst Kretzschmar mit. Es wurden am Morgen allerdings nicht die quadratischen "Nizza-Sperren" vom Oktober aufgestellt, sondern andere Beton-Elemente.

Nach dem Anschlag von Berlin werden auch in Dresden die Sicherheitsmaßnahmen erhöht. Am Strizelmarkt wurden am Dienstag Betonsperren aufgestellt, um einen ähnlichen Vorfall auszuschließen. Die Polizei hat ihre Sicherheitsvorkehrungen erhöht.

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„Für Dresden gilt weiterhin eine abstrakte Gefährdungslage. Konkrete Hinweise auf Anschläge gibt es nicht. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es eine absolute Sicherheit nicht gibt. Wir versuchen mit unseren zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen Risiken für derartige Szenarien zumindest zu minimieren“, so der Polizeichef. Nach dem Anschlag hatte die Polizei am Montagabend zusätzliche Kräfte in die Innenstadt beordert.

Auch die anderen Weihnachtsmärkte reagieren

Am Nachmittag prüfte die Stadt zudem, ob auch die anderen Dresdner Weihnachtsmärkte gesichert werden müssen. „Die Umsetzung ist für Mittwoch geplant. Wenn benötigt, stehen ausreichend Betonelemente zur Verfügung“, so die Stadtverwaltung.

„Wir haben alle keine Panik“, sagte Sven-Erik Hitzer, Geschäftsführer der Agentur Neuland Zeitreisen, die den Weihnachtsmarkt „Advent auf dem Neumarkt“ vor der Frauenkirche veranstaltet, in Bezug auf die Ereignisse in Berlin. Der Markt sei in das Sicherheitskonzept der Stadt eingebunden. „Es gibt keine Veränderungen. Es ist alles richtig so wie es ist“, so Hitzer am Dienstagvormittag gegenüber DNN. Am Abend teilte die Polizei mit, dass sofort mit dem Aufbau von Betonelementen an verschiedenen Zufahrtsstellen zum Neumarkt begonnen werde, um die Weihnachtliche Vesper vor der Frauenkirche abzusichern. „Dabei werden die Kleine Kirchgasse sowie die Salzgasse zwischen Coselpalais und Steakhaus mittels Betonsteinen für den Fahrverkehr komplett gesperrt. Alle weiteren Zufahrten zum Neumarkt werden durch Steinelemente in Verbindung mit Einsatzfahrzeugen der Polizei sowie Beamten ab Mittwoch zu den Marktzeiten des Adventsmarktes gesichert. Die Maßnahmen erstrecken sich am Freitag bis in die späten Abendstunden.“

Ob auch beim Augustusmarkt auf der Hauptstraße Betonelemente aufgestellt werden oder nicht, „ist nicht unsere Entscheidung, sondern die der Polizei“, stellte Holger Zastrow am Mittag klar. Er ist Geschäftsführer der Plan de Saxe GmbH, die den Augustusmarkt in der Inneren Neustadt in Dresden und den Canalettomarkt in Pirna organisiert. Man könne auch nicht alle Wege zubauen, denn schließlich müssten Feuerwehr und Rettungsdienst jederzeit das Areal erreichen können. Nach 13 Uhr war dann klar: Es werden doch Betonsperren aufgestellt, und zwar an der „einzigen problematischen Stelle, an der Zufahrt vom Kreisverkehr am Albertplatz auf den Gomondaiplatz. Das haben wir zusammen mit dem Marktamt entschieden“, so Zastrow.

Nach den Ereignissen auf dem Berliner Weihnachtsmarkt

Werden sie weiterhin Weihnachtsmärkte und andere Veranstaltungen besuchen?

Die Mittelalter-Weihnacht im Stallhof ist aufgrund der Lage mit Fahrzeugen nicht so ohne Weiteres anzufahren. Trotzdem spielt das Thema Sicherheit auch hier eine große Rolle. „Wir haben in diesem Jahr schon von Anfang an hier Sicherheitspersonal als sonst“, so Marktveranstalter Henri Bibow. „Zusammen mit dem Marktpersonal sind es immer sechs bis acht Leute, die die Lage im Blick behalten. Wenn jemand mit einem großen Rucksack kommt, kann es schon auch sein, dass er vom Sicherheitspersonal angesprochen wird. Zudem regulieren wir den Zustrom zum Markt. Deshalb kostet es ja am Wochenende Eintritt, damit die Obergrenze von 1200 Personen nicht überschritten wird.“ 

Auch für den Weihnachtsmarkt „Dresdner Winterlichter“ auf der Prager Straße gebe es natürlich ein Sicherheitskonzept, so Frank Schröder vom Veranstalter, der Event-Agentur Schröder GmbH. „Aufgrund der baulichen Gegebenheiten kann auf unseren Markt nicht so ohne weiteres ein großes Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit auffahren. Aber wir prüfen das alles noch mal.“ 

Das Sicherheitspersonal nahezu verdoppelt hat jetzt Nico Thierbach, Veranstalter der Partymeile „Hüttenzauber“ auf dem Postplatz. „Wir sind hier auf der Hut. Keiner hier nimmt das auf die leichte Schulter. Aber man kann sich nicht gegen alles wappnen.“ Aus Thierbachs Sicht sei der Markt durch die fest im Boden verankerten Steinwürfel, die im Sommer als Sitzgelegenheiten genutzt werden, gut geschützt. Freie Bahn hätte ein Fahrzeug jedoch bei einer Fahrt von der Wilsdruffer Straße aus in den Markt, ergab eine Besichtigung der DNN vor Ort. Doch da hatten Stadt und Polizei ihren Rundgang zur Prüfung zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen noch nicht abgeschlossen.

Gedenkandacht am Mittwoch

Für den Mittwoch ist um 19 Uhr eine Gedenkandacht in der Kreuzkirche geplant. Das Markttreiben auf dem Striezelmarkt wird mit Beginn der Andacht kurz unterbrochen: Die Beleuchtung der Fichte, des Schwibbogens und der Herrenhuter Sterne wird ausgeschalten, die restliche Beleuchtung wird gedimmt, die Musik ist aus und das Bühnenprogramm unterbrochen. "Wir sind tief erschüttert über die Ereignisse in Berlin und unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer sowie allen Berlinerinnen und Berlinern", so Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP).

Ministerpräsident: Wir trauern um die Getöteten

Sachsen will nach dem mutmaßlichen Terroranschlag von Berlin seine Sicherheitskonzepte überprüfen. Das kündigte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) am Dienstagmorgen an. „Ich bin erschüttert über die Ereignisse in Berlin. Wir trauern um die Getöteten. Meine Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer und den Verletzten“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Er forderte die Menschen auf, sich von dem mutmaßlichen Terroranschlag in Berlin nicht einschüchtern zu lassen. Es gehe darum, im Sinne einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung seine eigenen Werte auch zu leben, sagte er am Dienstag in der Staatskanzlei. Die Behörden in Sachsen würden alles dafür tun, die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten. Er habe den Innenminister beauftragt, die Sicherheitsvorkehrungen auf den Weihnachtsmärkten deutlich zu verschärfen. Zugleich verurteilte Tillich das Geschehen: „Wir Sachsen sind schockiert über den feigen und schrecklichen Anschlag, der sich gestern auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin ereignet hat. Wir trauern mit den Angehörigen der Opfer.“ Die Gedanken seien nun bei den Verletzten. Vor der sächsischen Staatskanzlei wurden unterdessen die Fahnen auf halbmast gesetzt.

Innenminister Markus Ulbig (CDU) stellte klar, es gebe keine Hinweise auf geplante Terroranschläge im Freistaat. Er sprach aber von einer unverändert hohen abstrakten Gefährdung in ganz Deutschland. Die sächsische Polizei befinde sich in erhöhter Einsatzbereitschaft. An Zugängen zu Weihnachtsmärkten würden „robuste Streifen“ mit Maschinenpistole und Schutzweste postiert. Auf den Märkten selbst sollen Polizisten in Zivil unterwegs sein. Ein Rucksackverbot gibt es genauso wenig wie eine Urlaubssperre für die Beamten. Bei Großveranstaltungen wie der Weihnachtsvesper vor der Frauenkirchen passe man die Sicherheitskonzepte an, hieß es.

Catrin Steinbach / sl / dpa

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