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Polizeiticker Ramadan als Ursache für Angriff auf Polizisten in Asyl-Erstaufnahme
Dresden Polizeiticker Ramadan als Ursache für Angriff auf Polizisten in Asyl-Erstaufnahme
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17:57 28.05.2018
Bereits elf Mal mussten Polizisten im Mai wegen gewaltsamer Auseinandersetzungen in den Erstaufnahmeeinrichtungen an der Hamburger Straße (Bild) und Bremer Straße für Ruhe sorgen. Quelle: dpa
Dresden

Der islamische Fastenmonat Ramadan scheint eine Ursache für die wiederholten Randale in der Erstaufnahmeeinrichtungen Hamburger Straße und Bremer Straße in Dresden zu sein. Zwar könnten zu den genauen Hintergründen noch keine abschließenden Aussagen getroffen werden, sagt der Dresdner Polizeipräsident Horst Kretzschmar. „Allerdings scheint insbesondere die Situation um den Ramadan maßgeblich für die Häufung zu sein.“

Polizeipräsident Horst Kretzschmar sieht im Ramadan eine möglich Ursache für das derzeit häufige Ausbrechen von Gewalt in Dresdner Ersaufnahmeeinrichtungen. Quelle: Dietrich Flechtner/Archiv

Demnach waren elf der insgesamt 31 Einsätze wegen Gewaltdelikten im Mai nötig. Der Fastenmonat Ramadan begann am 16. Mai und endet am 14. Juni. In dieser Zeit dürfen Muslime erst nach Sonnenuntergang Nahrung zu sich nehmen – womöglich erhöht das in Verbindung mit der Hitze den Stress der dort lebenden Menschen.

Deren Lebensbedingungen hat der Sächsische Flüchtlingsrat nach dem Gewaltausbruch am Freitag kritisiert. Dabei hatten 50 Asylbewerber etwa 60 Polizisten attackiert. Die Menschen seien gedrängt untergebracht und hätten keine Privatsphäre, sagte Pressesprecher Mark Gärtner. Familien müssten in einem Zimmer wohnen, Räume und Duschen seien nicht abschließbar und manche Toiletten nur über den Hof zu erreichen. Zu Hintergründen des Vorfalles hatte der Flüchtlingsrat allerdings bei Beantwortung keine Kenntnis.

In der für die Erstaufnahmen zuständigen Landesdirektion Sachsen sieht man dagegen keinen großen Handlungsbedarf. Zwar häuften sich derartige Gewaltakte nirgendwo so sehr wie an der Hamburger Straße. Eine Umverteilung von Asylbewerbern zwischen einzelnen Einrichtungen, die verhärtete Strukturen unter den Bewohnern aufbrechen könnte, werde jedoch nur „in Ausnahmefällen“ vorgenommen, wie es auf Anfrage heißt. Man wolle die Vorgänge mit Betreiber, Sicherheitsdienst und Polizei auswerten.

Nach einer Reihe von Gewaltausbrüche hat die brutale Attacke vom Freitag, bei der zwei Polizisten und ein Sicherheitsmann verletzt wurden, die Aufmerksamkeit auf die Erstaufnahme Hamburger Straße gelenkt. Ausgangspunkt des Krawalls war eine Streitigkeit ums Essen, wie die Ermittler bisher herausgefunden hatten. Demnach betraten gegen 21.15 Uhr zwei Georgier das Versorgungszelt und verlangten von einem 14-jährigen Syrer, ihnen Essen zu bringen. Das wird zu dieser späten Stunde nur an Muslime ausgeteilt, die am Abend das Fastenbrechen im Ramadan begehen.

Als der Junge sich weigerte, spuckten ihm die Männer ins Essen und wurden handgreiflich. Das entging dem Wachdienst nicht, der eine Gruppe von zehn Polizisten informierte, die zufällig in der Erstaufnahme waren. Eigentlich waren sie dort wegen einer richterlichen Durchsuchung nach einem Diebstahl beschäftigt, nun wollten sie eine drohende Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Gruppen in der Erstaufnahme abwenden. Nach den Erfahrungen der letzten Wochen wurden dafür vorsorglich weitere 52 Beamte in Bewegung gesetzt.

Die Polizisten sprachen die beiden Georgier im Versorgungszelt an und führten sie in den Hof. Dort sammelte sich kurz darauf eine Gruppe von bis zu 50 Bewohnern, die mit dem Duo sympathisierten und die Polizisten beleidigten. Die Lage wurde immer hitziger und eskalierte schließlich. Einige der Krawallmacher warfen Zigarettenkippen in Richtung der Polizisten, zerrten an deren Ausrüstung und versuchten, gegen eine von den Beamten gebildete Polizeikette anzurennen. Dabei wurden die Polizisten getreten und mit einer Eisenstange attackiert. Der Umsicht der Beamten ist es zu verdanken, dass es nur bei leichten Verletzungen blieb.

Die Polizisten konnten die Situation letztlich beruhigen und nahmen vier 17, 20, 27 und 42 Jahre alte Georgier vorläufig fest. Der 42-jährige Tatverdächtige kam ins Gefängnis, weil gegen ihn ein Abschiebehaftbefehl vorliegt. Die übrigen drei, gegen die ebenfalls wegen Landfriedensbruch ermittelt wird, sind inzwischen wieder auf freiem Fuß. Es gebe keinen Grund, sie in Untersuchungshaft zu stecken, weil ihre Identität bekannt sei und sie einen festen Wohnsitz hätten, heißt es dazu auf Anfrage von der Polizei.

Sie leben in der Asyl-Erstaufnahme Hamburger Straße

Überfüllte Unterkünfte, chaotische Zustände bei Verteilung und Versorgung – diese Probleme des Jahres 2015 gehören auch bei der Erstaufnahme an der Hamburger Straße längst der Vergangenheit an. Die auf 1000 Bewohner ausgerichtete Einrichtung ist derzeit nicht einmal zur Hälfte ausgelastet. 446 Menschen leben dort, wie die Landesdirektion Sachsen (LDS) mitteilt. Überfüllung kommt also als Erklärung für die wiederholten Gewaltausbrüche in der Einrichtung nicht in Frage.

Liegt diese also an der ethnischen Zusammensetzung? Die LDS weist darauf hin, dass „um Konflikte zu vermeiden“ Menschen „aus bestimmten Herkunftsländern getrennt untergebracht“ werden. Unter den Herkunftsländern sind vor allem Libyen (112 Menschen) und Georgien (96) vertreten. Die übrigen Asylbewerber stammen häufig aus muslimischen Ländern, etwa Tunesien (47), der Türkei (22), Irak (19) und Syrien (15), aber auch Vietnam (16), der multikonfessionelle Libanon (37) und einige Balkanländer wie Albanien (12) und Mazedonien (13) sind in nennenswerter Größe vertreten. In acht Fällen ist die Nationalität nicht bekannt.

Ebenso werde laut LDS bei der Unterbringung strikt darauf geachtet, dass Familien und alleinstehende Männer getrennte Räume erhalten. Die Anwesenheit von Familien mit Kindern gilt allgemein als beruhigende Größe in einer Gemeinschaftsunterkunft. Deshalb überrascht es angesichts der Vorkommnisse, dass derzeit mehr als die Hälfte der an der Hamburger Straße untergebrachten Menschen als Familie registriert sind. Zu diesen 230 Personen gehören 110 Kinder. Insgesamt leben zudem 135 Frauen in der Erstaufnahme.

Von uh/dpa

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