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28 000 Einsätze für die Dresdner Feuerwehr 2016

Brand auf Dampfschiff und Waschbär im Motorraum 28 000 Einsätze für die Dresdner Feuerwehr 2016

„Planen lässt sich so etwas ja nicht“, sagt Andreas Rümpel, der Leiter des Dresdner Brand- und Katastrophenschutzamtes. Dennoch ähneln viele Zahlen der Einsatzstatistik der Dresdner Feuerwehr für das Jahr 2016 denen des Vorjahres. „Fast eine Punktlandung“ gab es nach den Worten Rümpels etwa bei der Anzahl der Brände.

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Zwei Mal brannte es 2016 auf Schiffen der Sächsischen Dampfschiffahrt, zuletzt wie im Bild gezeigt auf der Diesbar. Ein Novum für die Dresdner Feuerwehr.
 

Quelle: Roland Halkasch/Archiv

Dresden.  „Planen lässt sich so etwas ja nicht“, sagt Andreas Rümpel, der Leiter des Dresdner Brand- und Katastrophenschutzamtes. Dennoch ähneln viele Zahlen der Einsatzstatistik der Dresdner Feuerwehr für das Jahr 2016 denen des Vorjahres. „Fast eine Punktlandung“ gab es nach den Worten Rümpels etwa bei der Anzahl der Brände. 820 waren es im vergangenen Jahr, vier mehr als 2015. Eine wichtiger Eintrag in der Statistik unterscheidet sich: Nachdem 2015 zwei Dresdner durch Brände ihr Leben ließen, musste 2016 kein Brandtoter beklagt werden.

Wie oft musste die Feuerwehr 2016 ausrücken?

Insgesamt 27 603 Mal rückten Berufsfeuerwehr und Freiwillige Feuerwehr aus, 1159 Mal weniger als noch 2015. Für Rümpel ist das eine normale Schwankung, die sich zum Beispiel aus den stark gesunkenen Einsätzen wegen Sturmschäden (2016: 79; 2015:385) ergibt. Einen deutlichen Anstieg gibt es bei der Anzahl von Fällen, bei denen Wohnungstüren geöffnet werden, weil dahinter hilflose Personen vermutet werden (5016:910; 2015:772). „Es gibt sehr viele alleinstehende Senioren“, sagt Rümpel dazu. Ein gesellschaftliches Problem.

Und die Brandbekämpfung?

1801 Mal wurde wegen eines Brandes alarmiert, mit 54 Groß- und Mittelbränden erreicht man in etwa das Vorjahresniveau (2015: 52). 981 Mal war es Fehlalarm. Eine hohe Quote, die Rümpel allerdings für nicht problematisch hält. Wenn man bedenke, dass es derzeit 833 Brandmeldeanlagen, 200 Hausalarmanlagen ohne direkte Verbindung zur Leitstelle in der Feuerwache Übigau und 108 Brandmeldeanlagen, die zu Sicherheitsdiensten geschaltet sind, in Dresden gibt, sei die Anzahl vertretbar. Es gibt allerdings einige Kliniken und Einkaufscenter, bei denen die Feuerwehr einige Dutzend Male im Jahr grundlos anrückt. „Es wäre wünschenswert, wenn solche Fälle weniger werden“, sagt Rümpel.

Oft genug können die Feuerwehrkameraden auch nur über das Verhalten Einzelner den Kopf schütteln. So rauchte Anfang Juli ein Gast eines Hotels am Dr.-Külz-Ring „eine teure Zigarette“, wie Rümpel sagt. Da Nikotingenuss in dem Haus verboten ist, versuchte er, den Tabakgeruch mit heftigem Deoeinsatz zu kaschieren. Die Brandmeldeanlage löste aus. Weil ein Löschzug ausrückte, wurde eine Rechnung über 450 Euro ausgestellt. In einem anderen Fall hat sich die Bewohnerin einer Seniorenresidenz unter derart exzessiven Haarspray-Einsatz gestylt, dass auch dort die Brandmeldeanlage auslöste. „Dafür hat die Frisur gesessen“, kommentiert Rümpel trocken.

Wie sieht es mit der Einhaltung von Hilfsfristen aus?

Zwölf Minuten Zeit dürfen zwischen dem Eingang des Notrufs und dem Eintreffen vor Ort vergehen, so ist es für Rettungsdienste vorgeschrieben. Für Feuerwehren gibt es eine solche Auflagen nicht, man hat sie sich aber selbst zum Ziel gemacht, sagt Rümpel. In knapp 92 Prozent der Fälle schaffen die Dresdner Rettungsdienste, die 2016 insgesamt 149 040 Mal ausrückten, das Limit. Die gesetzliche Quote liegt bei 95 Prozent. Insofern ist Spielraum für Verbesserungen gegeben, auch wenn Rümpel das nicht so kritisch sieht. In 95 Prozent der Fälle sei man unter einer Viertelstunde geblieben, sagt er. Dennoch setzt er sich für einen Ausbau des Rettungswachen-Netzes aus. Neue Wachen sollen bis 2020/21 nach seinen Vorstellungen in der Dresdner Innenstadt, in der Johannstadt, im Gebiet von Reick und Prohlis sowie in Bühlau entstehen. Da es dort allerdings auch noch um Grundstückskäufe geht, sei der Zeitplan sehr ehrgeizig. Außerdem ist die Reaktivierung der ehemaligen Feuerwache an der Louisenstraße in der Äußeren Neustadt geplant.

Wo sind sonst noch Investitionen vorgesehen?

Die Rettungswache Albertstadt soll bis 2018 eine Halle für Übungen und Schulungen erhalten, bis 2019 ist dort der Bau eines Brandübungshauses geplant. Beides wird insgesamt rund 3,8 Millionen Euro kosten und derzeit noch von den Stadträten beraten, sagt Bürgermeister Detlef Sittel (CDU).

Sind Angriffe gegen Rettungsdienste ein Problem in Dresden?

Nicht wirklich, meint Rümpel. Zumindest nicht gemessen an den reichlich 149 000 Rettungseinsätzen. Seit 2016 wird dazu eine genaue Statistik geführt. Die 39 erfassten Fälle, in denen es zu körperlicher Gewaltanwendung kam, dürften in etwa so viele sein wie in den Vorjahren, vielleicht etwas mehr, schätzt er ein. Probleme gebe es zumeist mit drei Personengruppen: stark Alkoholisierten, Drogenberauschten und psychisch Kranken. Erfährt das Personal in der Leitstelle von deren Anwesenheit, gibt es entsprechende Hinweise an die ausrückenden Einsatzkräfte. Außerdem gebe es Einsätze, bei denen sofort die Polizei hinzugezogen werden müsse, sagt Rümpel.

Wieviele Feuerwehrleute gibt es in Dresden?

577, darunter zehn Frauen, sind derzeit in den fünf Wachen der Berufsfeuerwehr beschäftigt. Hinzu kommen 572 Kameraden, darunter 49 Frauen, die bei der Freiwilligen Feuerwehr in 21 Stadtteilfeuerwehren ehrenamtlich dienen. Sie decken vor allem die Außenbereiche Dresdens ab und sind 2016 insgesamt 6471 Mal ausgerückt. Die Personallage sei derzeit gut, meint Rümpel, gerade bei den Freiwilligen Feuerwehren fehle es jedoch an der nächsten Generation von Ehrenamtlern. Derzeit verteilen sich 321 Kinder und Jugendliche auf 22 Jugendfeuerwehren im Stadtgebiet.

Wie hoch ist der Überstundenstand?

133 Überstunden hatte jeder Feuerwehrmann 2015 im Durchschnitt angehäuft. Zu viel. „Es wird immer wieder mal passieren, dass sich so viel ansammelt“, sagt Rümpel zwar, dennoch hat man ordentlich abgebaut. Derzeit seien durchschnittlich 30 Überstunden aufgelaufen.

Was war 2016 der kurioseste Einsatz?

Kandidaten gibt es neben den bereits genannten Fehlalarmen mehrere. Darunter der Waschbär, der Anfang Oktober aus dem Motorraum eines VW Polos geflext werden musste. Das Tier war bei einem Unfall dorthin geraten und konnte erst befreit werden, nachdem Feuerwehrleute den Kühlergrill aufgeschnitten hatten. Wohlauf konnten sie es anschließend in die Dresdner Heide entlassen. Im Elbepark hatte sich Anfang Mai ein Pulverlöscher selbstständig gemacht, nachdem neben ihm ein Paket umgefallen war, auch das war ein Fall für die Feuerwehr. Anfang November schließlich mussten die Kameraden anrücken, weil mehrere Personen auf einem Balkon in Gorbitz froren, während es sich drinnen ein Zweijähriger gemütlich machte. Ebenfalls erwähnenswert: 2016 hat es zwei Mal auf Schiffen der Sächsischen Dampfschiffahrt gebrannt. „Das hatten wir auch noch nicht“, sagt Rümpel.

Von Uwe Hofmann

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