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einkaufen statt shoppen: Eva-Maria Oelschlegel arbeitet gegen "Denglisch"

einkaufen statt shoppen: Eva-Maria Oelschlegel arbeitet gegen "Denglisch"

Eigentlich ist sie Mathematikerin und Informatikerin, doch im Rentenalter beschäftigt sich Eva-Maria Oelschlegel vermehrt mit der deutschen Sprache. Die 73-Jährige ist Regionalleiterin der Sektion Dresden-Riesa des Vereins deutscher Sprache (VDS).

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Eva-Maria Oelschlegel, Regionalleiterin

Quelle: privat

Sind das nicht die, die statt Castingshow Auswahlschau sagen, bei denen der Trainer ein Übungsleiter ist und die Junkfood lieber als Schundfraß bezeichnen? Ja, genau das sind die.

Zufälligerweise wurde der Verein 1997 ebenfalls von einem Mathematiker gegründet: Walter Krämer ist Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Uni Dortmund. Inzwischen zählt der VDS rund 36 000 Mitglieder aus 120 Staaten. "Viele Deutschlehrer aus anderen Ländern sind Mitglied", erklärt Oelschlegel. In seiner 17-jährigen Geschichte hat der Verein den Tag der deutschen Sprache ins Leben gerufen, zeichnet jährlich den Sprachpanscher und die Schlagzeile des Jahres aus. Zusammen mit der Eberhard-Schöck-Stiftung vergibt der VDS den Kulturpreis Deutsche Sprache. Zudem wird mit dem Anglizismenindex ein Wörterbuch veröffentlicht, in dem für englische und denglische (Mischwort aus Deutsch und Englisch) Begriffe deutsche Vokabeln verzeichnet sind.

Allerdings ist die Konsequenz, mit der die Mitglieder bestimmte Vokabeln ablehnen, durchaus unterschiedlich. "Manche sagen nicht mal Laptop, sondern Klapprechner", erzählt Oelschlegel. Sie selbst schätzt sich eher moderat ein, vielleicht auch, weil sie Informatikerin ist und viele Programme in englischer Sprache laufen. Für manche Sachen gibt es auch einfach keinen adäquaten deutschen Begriff, zum Beispiel für Oldtimer oder Folklore. Bei anderen muten die Vorschläge, vor allem für jüngere Leute, etwas seltsam an: Da wird die Drag Queen zur Fummeltrine, das Candle-Light-Dinner zum Mahl bei Kerzenschein und die E-Mail- zur Netzpostadresse. "Ob man immer mit den Vorschlägen einverstanden ist, ist eine andere Sache", sagt die Dresdnerin.

Einig sind sich die Vereinsmitglieder (und auch viele Verbraucher) zum Beispiel bei "Sale". Schlussverkauf, Ausverkauf, Preisrutsch - es gibt so tolle deutsche Worte, meint die Seniorin. Sie mochte schon immer Sprachen, deutsche Grammatik findet sie einfach, in der Schule lernte sie noch Latein und Griechisch. "Germanistik zu studieren war mir aber zu langweilig", berichtet die Mathematikerin. Jetzt im gesetzten Alter rückt die Sprache wieder in den Mittelpunkt. "Was mir sehr am Herzen liegt ist, dass mehr deutsche Lieder im Radio gespielt werden", erklärt sie. Die Rentnerin hört am liebsten MDR Figaro und auch bei diesem, eine Auswahl an Jazz, Chanson, Klassik und Folk spielenden Sender ist ihr die Überpräsenz englischsprachiger Künstler aufgefallen. Oelschlegel schrieb etliche Briefe, rief mehrmals im Sender an, sprach mit Zuständigen und erreichte zumindest, dass man sich des Themas bewusst wurde.

Für mehr Sprachbewusstsein laden die etwa 150 Regionalgruppen-Mitglieder jährlich fünfmal zu öffentlichen Mitgliederversammlungen ins Ortsamt Loschwitz. Die VDSler betreuen regelmäßig Infostände auf dem Elbhangfest und dem Stadtfest Pirna, waren schon auf der Messe "Schriftgut" und standen mit einem Info-Tisch in der Prager Straße, um gegen den ungeliebten Begriff "Sale" zu protestieren. "Wir wollen auch darauf aufmerksam machen, dass es uns gibt und wir versuchen, etwas zu tun", sagt Oelschlegel. Sie selbst engagierte sich auch, als bei der Online-Kontoführung der Sparkasse statt Überweisung auf einmal Banking zu lesen war. "Banking ist nicht die korrekte Übersetzung für Überweisung. So ein Unfug", ärgert sich die passabel englisch sprechende Dresdnerin. Ihre Briefe und Beschwerden brachten keinen Erfolg, auch weiterhin ist Banking das Wort, auf das geklickt werden muss, um zur Online-Überweisung zu kommen.

Doch es geht auch darum, lieber darüber nachzudenken als nachzuplappern. "Die Leuten nutzen die Wörter, die sie immer wieder hören", erklärt Oelschlegel. Bestes Beispiel: public viewing. Zum einen heißt das im Englischen auch Aufbahrung eines Toten, zum anderen passt das Wort nicht gut zur deutschen Sprache. Viewing ist durchaus schwer auszusprechen. Anderes Beispiel: Bei highlight mangelt es oft an der Rechtschreibung. "Dabei gibt es für diese Worte sinnvolle Entsprechungen, die viel einfacher zu nutzen sind", erklärt die 73-Jährige. Wie Großbildübertragung oder Höhepunkt.

Offener Mitgliedertreff heute, 18 Uhr, im Ortsamt Loschwitz mit Kurt Reinschke zum Thema: "Hat Deutsch als Wissenschaftssprache noch eine Zukunft?"

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.01.2015

Franziska Schmieder

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