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Zwei Ernten zur gleichen Zeit

Neues Forschungsprojekt an der HTW Dresden Zwei Ernten zur gleichen Zeit

Dass fruchtbare Äcker mit Photovoltaikanlagen zugestellt und damit für die Nahrungsmittelproduktion nicht mehr nutzbar sind, geht für den Landesbauernverband Sachsen gar nicht. Aber vielleicht funktioniert ja beides – Energie gewinnen und Nahrungsmittel erzeugen. Das erforscht die Hochschule für Technik und Wirtschaft jetzt in Dresden-Pillnitz.

Promotionsstudent Martin Scholz wird das Gemüse bei dem Feldversuch anbauen und genau beobachten, welchen Einfluss die Solarmodule auf Lichtverhältnisse und Wasser und damit auf das Pflanzenwachstum haben.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Mitten auf einem Acker auf den gartenbaulichen Versuchsfeldern in Dresden-Pillnitz stehen zwei jeweils 40 Quadratmeter große Sonnenkollektoren. Sie sind, und das ist ungewöhnlich, so hoch auf „Stelzen“ montiert, dass man mit Hut und Spaten über der Schulter locker untendrunter durchlaufen kann. Denn die Dresdner Hochschule für Technik und Wirtschaft startet ein neues interdisziplinäres Forschungsprojekt.

Mit diesem will man herausfinden, ob und unter welchen Bedingungen man Agrarflächen ganz oder teilweise mit Solarmodulen bestücken und gleichzeitig auf dem Acker Nahrungsmittel anbauen kann. Oder anders gefragt: Wie es möglich, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen?

Die Fragestellung kommt nicht von ungefähr, gibt es doch immer wieder große Begehrlichkeiten, auf Ackerland Photovoltaikanlagen aufzustellen. Ein Ansinnen, das Manfred Uhlemann, Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes Sachsen, prinzipiell ablehnt, weil wertvolles Ackerland der Lebensmittelerzeugung vorbehalten sein müsse. Gesetzlich ist dem unkontrollierten Wachstum von Solarparks derzeit ein Riegel vorgeschoben.

Jakob Ebermann erklärt die Funktion der Sonden im Boden

Jakob Ebermann erklärt die Funktion der Sonden im Boden.

Quelle: Anja Schneider

Im Mittelpunkt der Untersuchungen der Wissenschaftler der Fakultäten Bauingenieurwesen/Architektur und Landbau/Umwelt/Chemie unter Leitung von Prof. Ulrike Feistel, Prof. Jörg Feller und Prof. Knut Schmidtke steht vor allem der Wasserhaushalt des Bodens. Was passiert an der Stelle, wo das Regenwasser vom Solarmodul tropft? Ist die Auswaschung des Bodens ein Problem? Wie wirkt sich die Überdachung der Fläche auf die Grundwasserneubildung aus? Kann man über die Solarmodule in regenreichen Zeiten Wasser auffangen, um in regenarmer Zeit die Pflanzen damit zu versorgen?

Gegenstand der Untersuchungen seien aber auch die Lichtverhältnisse und die Frage, ob es Unterschiede im Wachstum und im Ertrag zwischen den Pflanzen gibt, die unter den Paneelen stehen und denen, die den Einflüssen der Paneele nicht ausgesetzt sind. Die Ergebnisse könnten schlussendlich Grundlage „für Modelle sein, wie man aus pflanzenbaulicher Sicht solche Anlagen konstruieren müsste“, so Prof. Schmidtke.

Um entsprechend den Wasserhaushalt des Bodens untersuchen zu können, hat Jakob Ebermann, Mitarbeiter der Professur Ingenieurhydrologie von Ulrike Feistel, einen Messstand mit Bodenfeuchtigkeitsprofilsonden und Tiefenprofilsonden installiert. Martin Scholz, der Gartenbau und Produktionsmanagement im Gartenbau studiert hat und jetzt Promotionsstudent an der HTW ist, kümmert sich um die Pflanzen. Er will mit Spinat als Vorkultur starten, dann Buschbohnen oder Erbsen anbauen und plant als Nachfrucht Mangold oder Radieschen.

Möglich werde das über die nächsten drei Jahre laufende Forschungsprojekt durch eine Förderung des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst und des Europäischen Sozialfonds sowie die Unterstützung der Firma Solarwatt, die die Solarmodule zur Verfügung stelle, so Prof. Schmidtke.

Er beschäftigt sich an der HTW nicht nur mit dem ökologischen Landbau, sondern ist auch Prorektor für Forschung und Entwicklung. Schmidtke ist überzeugt, dass das, was jetzt in Pillnitz untersucht werde, auch Bedeutung für Gebiete auf der Erde haben könne, wo die Stahlungsintensität der Sonne höher sei, die Böden aber eine geringere Wasserspeicherfähigkeit haben.

Wer auf dem Acker in Pillnitz die aufgeständerten Solarmodule sieht, fragt sich allerdings, wie um so viele Stützen herum effizient Ackerbau betrieben werden soll, wenn er denn überhaupt lohnt. Auch diese Fragestellung hat man an der HTW offenbar im Blick und hofft, sich dieser mit einem weiteren Forschungsprojekt widmen zu können. Es gebe zum Beispiel Kontakte nach Südtirol, wo Solarmodule an Seilen über einem Weinberg aufgehängt wurden.

Von Catrin Steinbach

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