Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Zuzüge von Asylberechtigen setzen Dresden unter Druck
Dresden Lokales Zuzüge von Asylberechtigen setzen Dresden unter Druck
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:46 26.10.2017
247 neue Asylbewerber muss die Stadt im dritten Quartal aufnehmen.  Quelle: dpa
Anzeige
Dresden

Die Landeshauptstadt Dresden musste im dritten Quartal dieses Jahres 247 neue Asylbewerber aufnehmen. Die Migranten stammen überwiegend aus Libyen und Syrien mit jeweils 35 Personen und dem Irak mit 20 Personen. Damit hat Dresden seit Jahresbeginn 639 neue Asylbewerber unterbringen müssen. Die Stadtverwaltung geht in ihrer eigenen Prognose von 900 Personen aus, die in diesem Jahr aufgenommen werden müssen. 2015 musste Dresden 4177 Personen unterbringen, 2016 waren es 1842 Menschen.

Ende September wohnten 3560 Asylbewerber in Wohnungen und Wohnheimen der Stadt. Dabei handelt es sich um Personen, deren Asylantrag noch nicht bearbeitet ist. 2244 von ihnen sind dezentral in Wohnungen untergebracht, 1316 leben zentral in Wohnheimen. Die meisten Asylbewerber leben im Ortsamtsbereich Prohlis mit 777 Personen, Cotta mit 684 Personen und Plauen mit 592 Personen.

Die Landeshauptstadt bietet Asylbewerbern 255 Plätze in Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen und zudem 138 Plätze für Arbeitsgelegenheiten an. So arbeiten Asylbewerber als Möbeldiensthelfer beim Sozialen Möbeldienst, beim Erhalt und der Pflege von Außenanlagen, auf Friedhöfen und im öffentlichen Bereich.

Die Landeshauptstadt schreibt gegenwärtig den Fachplan Asyl fort. Darin wird unter anderem vorgeschlagen, das Asylbewerberheim an der Heidenauer Straße in Niedersedlitz in eine Art „städtische Erstaufnahme“ umzufunktionieren. Dort sollen neu angekommene Asylbewerber die ersten Wochen betreut werden. Dabei könnten der erforderliche Unterstützungsbedarf und die passende Unterbringungsform für jeden einzelnen Asylbewerber ermittelt werden.

Umzüge innerhalb Sachsens setzen Dresden unter Druck

Neben den Asylbewerbern, die die Landesdirektion Sachsen der Stadt zur Unterbringung zuweist, ist auch ein verstärkter Zuzug von anerkannten Flüchtlingen und Asylberechtigten aus anderen Regionen Sachsens zu registrieren. Im ersten Halbjahr 2017 registrierte das Jobcenter Dresden laut Sozialbürgermeisterin Kris Kaufmann (Die Linke) 467 Personen, die aus anderen Städten und Landkreisen nach Dresden gezogen sind. „In den ersten beiden Quartalen des Jahres 2017 erreichten 392 Menschen aus den Erstaufnahmeeinrichtungen des Freistaats Dresden. Diese Dimension muss man im Blick haben“, forderte Kaufmann.

Die Zahl der neu ankommenden Asylbewerber lasse sich recht genau planen, hatte Kaufmann im Sommer erklärt. Der starke Zuzug von Asylberechtigten setze aber die städtische Infrastruktur – unter anderem Flüchtlingssozialarbeit, Kindertagesstätten, Schulen und Wohnungsmarkt – zusätzlich unter Druck.

Besserung durch Wohnsitzauflage erhofft

Die Landesregierung plant die Einführung einer landesweiten Wohnsitzauflage (DNN berichteten). Asylsuchende sollen verpflichtet werden, mindestens für ein Jahr in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt zu wohnen. „Das dürfte dazu führen, dass die Zuzüge in unsere Stadt zunächst leicht sinken“, so Kaufmann. Sie sei sehr gespannt auf den Entwurf von Innenminister Markus Ulbig (CDU).

Die Wohnsitzauflage dürfe nicht dazu führen, dass Geflüchtete durch die vorgesehene Befristung aufs Abstellgleis geraten. „Es wäre fatal, wenn es nur darum ginge, zwölf Monate oder sogar länger abzusitzen, um danach in die Großstadt umzuziehen“, erklärte Kaufmann. Auch in den Landkreisen gebe es Sprachkurse und berufliche Qualifizierung. „Ich hoffe sehr, dass alle Kommunen die Potenziale der Zuwanderer erkennen und fördern. Der Freistaat kann dabei Akzente setzen“, so die Sozialbürgermeisterin.

Die Kontaktgruppe Asyl e.V. hat die geplante Wohnsitzauflage kritisiert und vorgeschlagen, stattdessen die sächsischen Großstädte finanziell zu entlasten. Es sollten Gelder in die Regionen fließen, die Asylbewerber als Lebensmittelpunkt wählen. Der Ausbau von Bildungs- und Kinderbetreuungsabgeboten und vor allem bezahlbar Wohnraum seien dringend zu bearbeitende Aufgaben der Großstädte. Anstrengungen in diesem Bereich kämen aber allen Menschen in den Ballungsräumen zugute.

Von Thomas Baumann-Hartwig

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Am Wochenende wird zum Beginn der „zeitlosen Stunde“, wenn die Zeiger der Uhren aufgrund des Wechsels von der Sommer- zur Winterzeit ab 3 Uhr eine Stunde lang angehalten werden, das Glockenspiel im Dresdner Zwinger mit einer neuen, eigens dafür komponierten Melodie erklingen.

27.10.2017

Der Chemiker Thomas Morgenstern übernimmt am 1. Januar 2018 den Chefposten im Dresdner Halbleiterwerk von Globalfoundries. Das geht aus einer Ankündigung des US-amerikanischen Mikroelektronik-Konzerns hervor. Morgenstern tritt die Nachfolge von Rutger Wijburg an, der das Unternehmen zum Jahresende verlässt.

26.10.2017

Im Zusammenhang mit der Diesel-Affäre verhandelt das Landgericht Dresden ab Donnerstag in einem Musterverfahren über Ansprüche eines Autofahrers gegen Händler und den Volkswagenkonzern. Kläger ist ein Skoda-Diesel-Fahrer. Der verlangt zur Nachbesserung für sein 2011 gekauftes Fahrzeug ein Modell aus der aktuellen Baureihe.

26.10.2017
Anzeige