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Zur Trump-Vereidigung: DNN-Gespräch mit zwei US-Amerikanern, die in Dresden leben

„Nichts wird so bleiben, wie es war“ Zur Trump-Vereidigung: DNN-Gespräch mit zwei US-Amerikanern, die in Dresden leben

Am 20. Januar beginnt eine neue Ära. Donald Trump wird als 45. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. DNN sprachen mit Michael Luick-Thrams und Kevin Manygoats, zwei US-Amerikanern, die in Dresden leben.

Die beiden US-Amerikaner leben schon lange in Dresden. Michael Luick-Thrams (r.) ist wegen der Arbeit hierher gekommen, Kevin Manygoats wegen der Liebe.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Heute beginnt eine neue Ära. Donald Trump wird als 45. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. DNN sprachen mit Michael Luick-Thrams und Kevin Manygoats, zwei US-Amerikanern, die seit langem in Dresden leben.

Wo in den USA sind Sie aufgewachsen?

Kevin Manygoats: Geboren bin ich in New Mexico als einer von sieben Jungen. Ich bin Indianer, habe im Navajo Reservat gelebt, bis ich 14 wurde. In Arizona war ich an der High School, habe an der Universität Chemie studiert und auch gearbeitet.

Michael Luick-Thrams: Ich bin als ein Kind der offenen Prärie auf einem Bauernhof in Iowa aufgewachsen. Seit 1630 lebt meine Familie in Nordamerika. Meine Vorfahren stammen von den britischen Inseln, aus den Niederlanden, aus deutschen Regionen und Dänemark. Mit 17 bin ich Quäker geworden.

Warum sind Sie nach Deutschland und ausgerechnet nach Dresden gekommen?

Kevin Manygoats: Wegen der Liebe. Ich habe inzwischen zwei Söhne – elf und sieben Jahre alt.

Michael Luick-Thrams: Wegen des Jobs. Ich habe eine Arbeit als Lehrkraft an einer Dresdner Privatschule.

Hatten Sie das Recht, sich an der Wahl zu beteiligen?

Kevin Manygoats: Ja, natürlich. Ich habe mich aber diesmal nicht beteiligt. Die Auswahl war schlecht.

Wer wäre denn Ihr Wunschkandidat für das Amt des Präsidenten gewesen?

Kevin Manygoats: Bernie Sanders von den Demokraten, der ja aber leider Hillary Clinton unterlag.

Michael Luick-Thrams: Ich war tatsächlich in den Staaten und habe Jill Stein gewählt, die als Kandidatin der Green Party nominiert worden war. Ich wusste, dass Jill Stein nie gewinnen würde, aber das war mir eigentlich Wurscht. Ich wollte eine andere Partei unterstützen.

Sie haben selbst für den Senat in Iowa kandidiert?

Ja, als unabhängiger Kandidat. Ich habe nur wenige Stimmen bekommen. Amtsinhaber dort ist immer noch ein Republikaner. Er wurde das erste Mal gewählt, als ich noch auf dem Gymnasium war. Jetzt ist er 83. Das ist so verkrustet dort.

Wie stehen Sie zur Wahl von Trump? Er sei ein 13-Jähriger im Körper eines 70-Jährigen, sagt Trump-Biograf und Pulitzerpreisgewinner David Cay Johnston. Und er denkt als Geschäftsmann, hat bislang kein politisches Amt innegehabt.

Kevin Manygoats: Er wird sich nur um sich selbst und die Reichen kümmern.

Michael Luick-Thrams: Das sehe ich auch so. Trump hat bekanntlich fast nur Milliardäre als Minister ausgewählt. Ein Beispiel ist die künftige Bildungsministerin Betsy DeVos. Sie ist Milliardärin, und ihre Kinder hat sie natürlich auf Privatschulen geschickt. Diese Frau soll verantwortlich sein für das Schulwesen? Das ist unsäglich. Dazu kommt, dass Trump ein Soziopath mit wenig Empathie ist. Er ist labil, nicht stabil und hat so eine narzisstische Wahrnehmung. Es dreht sich alles nur um ihn selbst und nicht um das Volk. Er ist gefährlich. Und eigentlich müsste er entfernt werden.

Im Interview mit der „Bild“ hat Trump die Nato als überflüssig bezeichnet, den Zerfall der EU vorausgesagt und deutschen Unternehmen mit Strafzöllen gedroht. Wie sollte Deutschland reagieren?

Kevin Manygoats: Deutschland sollte sich nicht wie das Kaninchen vor der Schlange verhalten. Ich glaube, Trump wird es nicht auf die Spitze treiben, denn dann wären die USA isoliert.

Michael Luick-Thrams: Ich denke, die EU und vor allem auch die UNO sind wichtiger denn je. Solche Organisationen brauchen wir unbedingt. Denn sie können sagen: Moment mal – wir sollten reden, nicht schießen. Angela Merkel hat gesagt: Wir Europäer haben unser Schicksal selber in der Hand. Allerdings geht Großbritannien raus aus der EU, und wenn Marine Le Pen an die Macht kommen sollte in Frankreich, dann wird Frankreich nicht mehr der Partner sein wie jetzt unter François Hollande. In anderen Ländern sieht es ähnlich düster aus. Deutschland könnten also wichtige Partner abhanden kommen.

Sie sind US- Amerikaner. Was können Ihre Landsleute selbst tun?

Michael Luick-Thrams: Ich kann mich noch erinnern, dass ich vor acht Jahren zur Vereidigung von Obama nach Washington gefahren bin. Es ist damals so kalt gewesen, dass unser Cranberrysaft im Auto eingefroren war. Ich hatte große Hoffnungen in Obama gesetzt, auch meine Mutter, die sonst immer republikanisch gewählt hatte. Das Problem war, dass die Amerikaner denken, wenn ich ihm meine Wahlstimme gebe, dann soll er etwas ändern. Das Volk hat vergessen, dass es mitmachen muss. Es war nicht genug, ihn einfach nur gewählt zu haben.

Können Sie dem neuen Präsidenten irgend etwas Positives abgewinnen?

Michael Luick-Thrams: Wenn Hillary Clinton gewählt worden wäre wie einst Obama, hätten die Amerikaner vor demselben Problem gestanden. Sie hätten gedacht, Hillary ist jetzt die Präsidentin, sie macht das schon. Meine Cousine Barbara, die jetzt in Colorado lebt, hat mir geschrieben: Wir müssen in den nächsten vier Jahren Demokratie üben, und alle werden eine Chance bekommen, politisch aktiv zu werden. Die Liberalen, die eher apolitisch sind, werden aktiv werden müssen. Dafür bin ich Trump dankbar. Er zwingt uns, zu überlegen, wie wir in einer Demokratie zusammenleben werden können. Ich sehe zwei Szenarien: Entweder die Demokratie in den USA wird scheitern und wir werden eine Diktatur, oder die Demokratie scheitert nicht und Trump wird abgewiesen. Auf jeden Fall wird nichts so bleiben, wie es war.

Trump hat die Macht, den Einsatz von Atomwaffen zu befehlen, es gibt keine offizielle Instanz, die das aufhalten kann. Halten Sie es für möglich, dass er bei militärischen Konflikten zu dieser Waffe greift?

Michael Luick-Thrams: Der Mann ist unberechenbar. Senat und Repräsentantenhaus sollten schnellstens ein Gesetz verabschieden und Trump diese Macht entziehen.

Mr Michael Luick-Thrams, Sie haben 2011 den Verein „Spuren“ in Dresden gegründet. Worum geht es Ihnen?

Krieg, Flucht, Hass, Rassismus, Umwelverschmutzung ermüden unseren Planeten. Trotzdem habe ich die Hoffnung, dass wir die Welt zum Guten hin ändern können, wenn wir an uns selbst zuerst arbeiten. Seit 2014 bieten wir Vorträge und Workshops in Schulen, Jugendzentren, Kirchen, Museen an. Wir sprechen beispielsweise über die überwiegend deutsche Besiedlung des „Herzlandes Amerikas“, des mittleren Westens also, und über den Ku-Klux-Klan der 1920er Jahre im Oberen Mittleren Westen, in dem mein Urgroßvater Mitglied war. Es geht darum, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen über ihre Geschichte und Herkunft und über die Geschichte ihrer Nationen.

Von Katrin Richter

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