Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Zuhause bei...Messe-Geschäftsführer Ulrich Finger
Dresden Lokales Zuhause bei...Messe-Geschäftsführer Ulrich Finger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:27 11.01.2019
Ulrich und Marion Finger mögen Grün – im Garten und in der Küche. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Fauchende Lkw, graue Lieferwagen und jede Menge Autos schieben sich die Dohnaer Straße entlang. Dicke Winterreifen spritzen dreckiges Wasser aus Pfützen auf, von der Tankstelle und den Industriegebäuden tropft der kalte Regen.

Ein Abzweig, leicht zu übersehen, führt aus dem Lärm. Hinter Wiesen finden sich Ein- und Zweifamilienhäuser. Mal ducken sie sich unter kräftigen Bäumen, mal behaupten sie sich in hellen Farben gegen das tiefe Grau am Himmel – Ein Dorf in Dresden. Und mittendrin: Das Haus der Familie Finger. Es ist eines von den Hellen. Im Sommer grasen die Schafe und gackern die Laufenten hinter dem Haus auf dem Grundstück des Nachbarn. Dann sitzen Ulrich und Marion Finger auf der großen Terrasse. Jetzt ist der Garten grau-braun. Auch im Winter grün ist hingegen die Küche des Geschäftsführers der Dresdner Messe und seiner Frau.

Zwar erklärt der Kalender an der Wand diesen Tag für einen Dienstag, doch in der Küche der Fingers ist Sonntag – zumindest wenn man das Frühstück betrachtet. Seit Marion pensioniert ist, gibt es das Sonntagsfrühstück auch schon mal in der Woche.

Eine Dresdner Geschichte

Die Geschichte der 63-Jährigen ist eine Dresdner Geschichte. Eine Strehlener Schülerin und ein in der Neustadt geborener und in Leubnitz aufgewachsener Schüler treffen sich das erste Mal in der damaligen EOS Dresden-Süd. Beim Abiball funkt es. „Wir sind beide mehr oder weniger in Dresden geblieben“, sagt Marion. Zunächst in einer Bleibe in der Neustadt. „Es regnete durch das Dach und eine Toilette gab es nur auf dem Flur“, erinnert sich Ulrich. 1976 heiratet das Paar. Nach mehreren Umzügen in der Stadt wünschen sie sich für die Familie mit mittlerweile einer Tochter ein Haus. Gar nicht so einfach in den 90er Jahren.

Ein Bekannter berichtet ihnen von einem Grundstück. Darauf eine Ruine, die noch nicht einmal an die Kläranlage angeschlossen ist. „Aber wir standen am Zaum und dachten, das nehmen wir“, erinnert sich Ulrich. Interessenten gab es mehrere, doch der Vorbesitzer hatte eine Bedingung: Sie sollen selber dort wohnen und es nicht nur als Kapitalanlage sehen. 1996 ziehen sie ein. „Bis zu seinem Tod hat er uns regelmäßig besucht“, berichtet Ulrich.

Am Tisch der Großmutter finden drei Generationen Platz.r Quelle: Dietrich Flechtner

„Wohntrend Stilmix aus Alt und Neu“ – was die Einrichtungsindustrie in Magazinen auslobt, ist im Wohnzimmer der Fingers schon angekommen. Am über 100 Jahre alten Esstisch kommen drei Enkel, ihre 37-jährige Tochter und das Ehepaar zum Essen zusammen. „Der Tisch ist noch von meiner Großmutter“, berichtet Marion. Ein Einzelstück? „Der Tisch war damals Massenware, viele Bekannte haben den gleichen“, sagt Ulrich schmunzelnd. „Aber ich liebe den Kontrast von Modern und Alt.“ Unter dem modernen Couchtisch aus Glas schlummert im Wohnzimmer Katze Maggie. Sie stammt von den Vermietern eines Ferienhauses im Erzgebirge, die sich um Tiere in Not kümmern. Weil sich der kleine Enkelsohn direkt in die Katze verliebte – der Schwiegersohn allerdings mit heftigen Niesen reagierte – sprangen die Fingers ein.

Viele selbstgemalte Bilder

Das große, dunkle Bücherregal ist besonders eines von Marions Lieblingsecken in der Wohnung. Das Regal ist gut gefüllt. „Man schmeißt ja keine Bücher weg“, sagt Ulrich. Doch noch mehr als er liebt seine Frau das Lesen. Es ist ihre Art zu entspannen. Wenn Ulrich entspannen will, schält er Kartoffeln. „Das macht mir Spaß“, sagt er lachend. Was für den einen Arbeit ist, ist für den anderen Freude.

Das gilt bei den Fingers nicht nur für die Küche, wo Ulrich gerne experimentiert und seine Frau bekocht, sondern auch für den großen Garten. Allerdings andersherum. Während Marion vom Graben und Pflanzen schwärmt, sieht ihr Mann im Unkrautjäten mehr Arbeit als Entspannung. Dann holt er lieber seine Staffelei und Farben, breitet im Wohnzimmer eine große Unterlage aus und beginnt zu malen.

Wer aufmerksam durch das Haus streift, kann bestätigen, was Ulrich sagt: „Es gab eine lange Jackson Pollock-Phase“. Viele selbstgemalte Bilder im abstrakten, expressionistischen Stil hängen an den Wänden. „Mit ihm messen kann ich mich aber nicht“, sagt Ulrich schmunzelnd.

Moderne Kunst begeistert beide. „Wenn wir in den Urlaub fahren, ist die erste Frage: Wo ist hier ein Museum für Moderne Kunst?“, sagt Ulrich.

Ein selbstgemaltes Bild im Stil von Pollock – aktuell nur eine „Notlösung“. Quelle: Dietrich Flechtner

Auch über dem Küchentisch hängt noch ein ganz frisches Werk. „Eine Notlösung“, wie er sagt. Denn Marion ist nicht der größte Fan des amerikanischen Malers. „Ich mag es figürlicher“, sagt sie. „Zum Beispiel etwas mit Blumen“. Das wiederum ist nicht Ulrichs Lieblingsmotiv. Doch einmal wöchentlich geht der Messechef in die Malschule. „Vielleicht lerne ich es ja dort“, sagt er und wirft seiner Frau ein Lächeln zu.

Seit vielen Jahren wohnen sie in dem Haus. Doch wie Hausbesitzer und eine große Baumarktkette wissen: Es gibt immer was zu tun. Aktuell ist das Paar auf der Suche nach einem Beistelltisch für die Couch. Doch wie das so ist, je länger man sucht, desto weniger gefällt einem das Angebot.

Zur Person

Ulrich Finger und seine Frau Marion sind beide 63 Jahre alt und stammen aus Dresden.

Beide haben typische Wendebiografien. Zunächst absolvierten sie technische Studiengänge. Ulrich im Bereich Elektro und Marion in der Verfahrenstechnik.

Das Paar arbeitete gemeinsam bei Robotron – allerdings in verschiedenen Abteilungen. Ulrich wechselte Ende der 80er Jahre in die EDV-Abteilung des Möbelkombinats. Nach der Wende machte er sich mit einer auf die Möbelindustrie spezialisierten Software-Firma selbstständig.

Nachdem er der Stadt Dresden eine Software-Lösung präsentierte, wechselte er 1994 in das Amt für Wirtschaftsförderung und begleitete unter anderem die Ansiedlungen von Siemens und AMD.

Als die Stadt in Erwägung zog, die Dresdner Messe zu privatisieren, wurde Finger unter dem damaligen Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert zunächst übergangsweise Geschäftsführer der Dresdner Messe. Nachdem die Stadt beschloss, die Messe doch nicht zu verkaufen, bliebt auch Finger im Amt. Seit elf Jahren ist er nun Geschäftsführer der Messe Dresden.

Das Hochwasser gerät nicht in Vergessenheit

Seit über 20 Jahren frühstücken sie gemeinsam in dieser Küche – nur zweimal war es unmöglich. 2002 und 2013 – zwei Zahlen, die sich wohl in das Gedächtnis eines jeden Dresdners eingebrannt haben. Auch in das von Marion und Ulrich.

2002 sitzen ihre Tochter und deren Freund zu Hause und lernen für das Studium. Marion ist bei der Arbeit. Als Mitarbeiterin im Marketing der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen führt sie eine japanische Delegation durch das Gebäude. Dann klingelt ihr Handy. „Komm nach Hause“, hört sie den Freund ihrer Tochter am anderen Ende sagen. Doch sie kann sich nicht vorstellen, dass das Hochwasser wirklich kommt. „Ich musste mich um die japanische Delegation kümmern.“ Doch das Wasser kommt. Als sie vor dem Haus aus dem Auto steigt, muss sie durch Wasser waten.

„Bis hier stand das Wasser“, sagt Ulrich und zieht mit seinem Finger eine Linie an der Küchenwand – etwa 30 Zentimeter über dem Boden. „Wir haben das vollkommen unterschätzt“, sagt Marion rückblickend. Es folgen aufwendige Renovierungsarbeiten.

2013 kommt das Wasser zurück. Dass es noch einmal so schlimm wird, wie 2002 glauben sie beide nicht. Sie bitten die Nachbarn, sie zu wecken, wenn das Wasser steigen sollte und legen sich schlafen. Und das Wasser steigt wieder. „Die Nachbarn kamen nachts und haben mitgeholfen, alles nach oben zu tragen“, erinnert sich Ulrich.

Aber siel haben Glück. Das Wasser überquert die Türschwelle nicht. Auch wenn sie diesmal verschont blieben, bleibt etwas, dass die beiden heute noch zu schätzen wissen – der nachbarschaftliche Zusammenhalt in ihrem „Dorf“ in der Stadt.

Von Tomke Giedigkeit

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Inventur zum Jahresauftakt: Wie immer im Januar stand jetzt im Dresdner Zoo das Messen und Wiegen an. Natürlich wurden die Tiere auch gezählt. Dem vorläufigen Ergebnis zufolge leben im Dresdner Zoo derzeit 1316 Tiere.

11.01.2019

1893 – und zwar am 8. September – erschien in Dresden zum ersten Mal die Tageszeitung „Neueste Nachrichten“. Nur wenig später wurde sie in „Dresdner Neueste Nachrichten“ umbenannt. Anlässlich des Jubiläums blicken wir auf die Geschichte Dresdens, Deutschlands und der Welt zurück. Heute: das Jahr 1996.

11.01.2019
Lokales Kritik an Buszufahrt und Parkplätzen - Promenadenring für Dresden scheitert

Die CDU wollte ein Detail am Promenadenring ändern. Die Bürgerfraktion hatte auch einen Änderungswunsch. Linke, Grüne und SPD winkten ab. Nun ist das gesamte Projekt gescheitert.

11.01.2019