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Lokales Zinsen im Keller: Waisenhaustiftung ist auf Spenden angewiesen
Dresden Lokales Zinsen im Keller: Waisenhaustiftung ist auf Spenden angewiesen
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10:57 25.09.2018
Der Bauwagen auf dem Gelände des Kinderhauses Rabe soll zum Rückzugsort für Kinder und Jugendliche ausgebaut werden. Stiftungsvorsitzende Astrid Ihle (links) und Leiterin Silke Dietrich sind bei ihren Plänen auf Spenden angewiesen. Die Niedrigzinsphase macht der Stiftung zu schaffen. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Den Häuslebauer freut es: Die Zinsen sind im Keller, geborgtes Geld kostet fast nichts mehr. Für Stiftungen ist die Niedrigzinspolitik eine Katastrophe: Das Stiftungsvermögen bringt keine Erträge mehr, die Stitftung kann ihren Zweck nicht mehr erfüllen. Stiftungen werden streng überwacht: Verringert sich das Vermögen, verlieren sie ihren Status und damit die Steuervorteile.

Die Landeshauptstadt Dresden verwaltetet mit der Sozialstiftung, der Stadtstiftung Dresdner Kreuzchor, der Sammelstiftung der Stadt Dresden, der Dr.-Hedrich-Stiftung und der Stadtwaisenhaus-Stiftung mit Eugeniestiftung fünf Stiftungen. Die Sammelstiftung, die die Förderung der Jugend-, Familien- und Altenhilfe zum Stiftungszweck hat, verfügt laut Haushaltsplan 2017/2018 über ein Vermögen von 1,94 Millionen Euro. Die jährlichen Einnahmen sind verschwindend gering: 13.500 Euro kommen über Vermietung und Verpachtung in die Kasse, 50 Euro betragen die Einnahmen aus Hypotheken, 1000 Euro aus Wertpapieren, die Zinseinnahmen betragen 10.000 Euro. Dem stehen Ausgaben von 3050 Euro gegenüber, so dass ein Jahresergebnis von 21.500 Euro bleibt. Zu wenig, um in Not geratene Familien großzügig unterstützen zu können.

Gründung 1685 als Stadtfindelhaus

Da geht es der Sozialstiftung und der Stiftung Kreuzchor besser: Die Stadtverwaltung hatte 2011 das Stiftungsvermögen beider Stiftungen in Höhe von jeweils 13,5 Millionen Euro in das Budget für den Umbau des Kulturpalastes eingelegt. Der Stadt war das Bargeld ausgegangen, nachdem der Freistaat seine Fördermittelzusage zurückgenommen hatte, also musste das Stiftungsvermögen herhalten. Im Nachhinein ein Glücksfall für die Stiftungen, denn die Stadt zahlt wesentlich großzügigere Zinsen als die Banken: Jeweils 285.000 Euro pro Jahr kommen laut Haushaltsplan in die Kasse der beiden Stiftungen.

Die CDU-Stadträtin Astrid Ihle ist Vorsitzende der Stadtwaisenhaus-Stiftung, die nicht so komfortabel aufgestellt ist die Sozialstiftung und Stiftung Kreuzchor. „Zum Glück verfügen wir über eine Immobilie und erzielen Mieteinkünfte“, erklärt Ihle, „wir sind aber für unsere Arbeit auf Spenden angewiesen.“ Die Waisenhausstiftung wurde schon 1685 als Stadtfindelhaus gegründet, in dem Dresdner Straßenkinder ein Zuhause fanden.

Die Waisenhausstiftung wurde schon 1685 als Stadtfindelhaus gegründet. Quelle: Dietrich Flechtner

Heute ist in dem Gebäude an der Radeberger Straße das Kinderhaus Rabe untergebracht, das vom Diakonischen Werk – Stadtmission Dresden – betrieben wird. „Wir haben das Objekt von der Stadtwaisenhausstiftung gemietet“, erklärt Leiterin Silke Dietrich. 21 Kinder und Jugendliche zwischen null und 18 Jahren werden in drei Wohngruppen rund um die Uhr von Pädagogen betreut.

Die Kinder und Jugendlichen kommen aus Familien mit verschiedensten Problemlagen. „Früher waren die Eltern vor allem alkoholabhängig. Heute haben wir es häufig mit multiplen Suchtproblematiken zu tun“, sagt die Leiterin. „Früher hat die Stiftung Waisen betreut. Heute sorgen wir für Sozialwaisen“, sagt die Stiftungsvorsitzende. 2007 und 2014 wurde das Gebäude mit Stiftungsgeldern umfangreich saniert. Es erhielt unter anderem eine Brandschutztreppe. Rund 330 000 Euro haben die Arbeiten gekostet. „Mangels eigener Mittel mussten wir einen Kredit über 200 000 Euro aufnehmen, der noch bis Anfang 2022 läuft“, so Astrid Ihle.

Bauwagen als Rückzugsort

Die Diakonie unterbreitet den Kindern und Jugendlichen Angebote wie Musikunterricht oder Museumsbesuche, die sie in ihrer Familie nicht bekommen hätten, so Silke Dietrich. „Die meisten sind mit Mangel groß geworden.“ Auch Themen wie Tanzschule oder der Führerschein spielen eine Rolle. „Wir leisten unseren Beitrag für die Fahrschule, weil ein junger Mensch ohne Führerschein schlechtere Chancen für den beruflichen Einstieg hat“, so Ihle.

Für Richter ist es ein wichtiges Anliegen, die Räume des Kinderhauses so wohnlich wie möglich zu gestalten. Viele Kinder würden von ihren Eltern besucht. „Je schöner das Wohnumfeld der Kinder ist, umso weniger stoßen wir auf Ablehnung bei den Eltern, denen ja die Kinder entzogen wurden“, weiß die Leiterin. Die Stiftungsvorsitzende würde das Anliegen gerne unterstützen, aber die Einnahmen sind gering. „Wir sind auf Spenden angewiesen.“

Aktuelles Projekt ist ein Bauwagen auf dem Gelände des Kinderhauses, der zum Rückzugsort für Kinder und Jugendliche ausgebaut werden soll und frische Farbe benötigt. Auch der Eingangsbereich des Gebäudes könnte noch einladender gestaltet werden, findet die Leiterin. Ihle geht selbst mit gutem Beispiel voran und sammelt nicht nur im Familienkreis fleißig Spenden. „Es ist mir einfach ein Anliegen, die Arbeit im Kinderhaus zu unterstützen“, erklärt sie.

2016 hat das Dresdner Büro der Eura Grundbesitz und Bauträger GmbH zum 20-jährigen Jubiläum auf Geschenke verzichtet und Spenden gesammelt. „Da sind 2000 Euro zusammengekommen“, so Ihle. „Das war ein Festtag für die Stiftung.“

Von der Stadt verwaltete Stiftungen

Sozialstiftung:

Finanzierung von Leistungen des Dresden-Passes und Finanzierung von Aufwendungen für Fahrten von körperlich, geistig und seelisch behinderten Personen.

Spenden an:

Kreditinstitut: Ostsächsische Sparkasse Dresden

IBAN: DE56 8505 0300 0225 7050 01

BIC: OSDDDE81XXX

Stadtstiftung Dresdner Kreuzchor:

Förderung von Kunst und Kultur, verbunden mit der Förderung von Erziehung und Ausbildung.

Spenden an:

Kreditinstitut: Ostsächsische Sparkasse Dresden

IBAN: DE31 8505 0300 3100 3234 40

BIC: OSDDDE81XXX

Sammelstiftung der Stadt Dresden

Förderung der Jugend-, Familien- und Altenhilfe,

Spenden an:

Kreditinstitut: Ostsächsische Sparkasse Dresden

IBAN: DE55 8505 0300 3120 0636 72

BIC: OSDDDE81XXX

Dr.-Hedrich-Stiftung

Förderung eines juristischen Studiums bedürftiger und begabter junger Männer und Frauen,

Spenden an:

Kreditinstitut: Ostsächsische Sparkasse Dresden

IBAN: DE52 8505 0300 3120 0522 80

BIC: OSDDDE81XXX

Stadtwaisenhaus-Stiftung mit Eugenienstiftung

Förderung der Betreuung, Erziehung und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen,

Spenden an:

Kreditinstitut: Ostsächsische Sparkasse Dresden

IBAN: DE05 8505 0300 3120 1278 16

BIC: OSDDDE81XXX

weitere Informationen: http://www.dresden.de/de/leben/stadtportrait/stiftungen/08_spenden_zustiftungen.php

Von Thomas Baumann-Hartwig

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