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Lokales Zeitarbeitsbranche in Dresden sucht Personal
Dresden Lokales Zeitarbeitsbranche in Dresden sucht Personal
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17:42 09.09.2015
Kritik an weiterer Regulierung: Randstad-Chef Dr. Ralph Hahnel. Quelle: Dietrich Flechtner

Läuft es zu gut, verlieren sie ihr Personal an ihre Kunden, läuft es schlecht, müssen selbst sie Leute entlassen. Arbeitnehmerüberlassung heißt das Geschäft im Amtsdeutsch, Kritiker nennen es Leiharbeit, Firmenchefs Zeitarbeit.

Die ist in Deutschland seit 20 Jahren ein Dauerbrenner am Arbeitsmarkt und inzwischen mit Tarifverträgen und Branchenzuschlägen vom Wildwestgebaren der Anfangszeit geheilt. Doch nun droht Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) mit einer neuen Attacke. Sie heißt "Höchsteinsatzdauer" und zielt darauf, dass Zeitarbeits-Einsätze nach maximal 18 Monaten enden.

Neue Regulierungsattackeaus Berlin

"Ich persönlich denke, es ist fraglich, ob das wirklich so realisiert wird. Dies würde dazu führen, dass Mitarbeiter, die sich gut in einem Einsatzunternehmen eingearbeitet haben, dieses verlassen müssten und dass das Unternehmen auf der gleichen Position einen neuen Mitarbeiter einarbeiten müsste. Wem hilft man mit solchen Regulierungen?", fragt Ralph Hahnel. Der Dresdner District Manager von Deutschlands größtem Personaldienstleister Randstad glaubt an den gesunden Menschenverstand. "Die Zeitarbeit hat in den letzten Jahren ihre Hausaufgaben gemacht, es ist an der Zeit, dass man unsere Branche nicht weiter reguliert, sondern erkennt, dass wir unseren Mitarbeitern einen festen sichern Arbeitsplatz mit großen Entwicklungsmöglichkeiten bieten."

Dass ausgeliehene Mitarbeiter nach den 18 Monaten übernommen werden, wie es sich die Koalition ausmalt, glaubt Hahnel nicht. "Entscheidungen über Festanstellungen treffen Firmen spätestens nach zwölf Monaten, meistens früher", sagt der Manager aus seiner langjährigen Erfahrung heraus. Zwei- bis dreijährige Projekte seien inzwischen eher die Regel als die Ausnahme, und die würden nun mal flexibel besetzt. Leute da früher rauszulösen, bringe für alle Nachteile - für den Mitarbeiter, den Personaldienstleister und das ausleihende Unternehmen.

Randstad hat in ganz Sachsen 5800, in Dresden reichlich 1000 Mitarbeiter für seine Kunden Verfügung. "Wir könnten hier locker 120 bis 150 mehr brauchen", sagt er, die Nachfrage der Firmen sei trotz der drehenden Konjunktur immens. Randstad-Stammkunden in und um Dresden kämen aus dem Maschinenbau, der Halbleiterbranche, der Logistik, der öffentlichen Verwaltung. Und die Bewerber, so Hahnel, seien keineswegs nur Arbeitslose oder Studenten: "Leute kommen auch aus Beschäftigung zu uns. Manchmal, weil sie hier besser verdienen als zum Beispiel als Friseur, Wachmann oder Taxifahrer. Manchmal, weil sie den Einstieg in eine bestimmten Firma suchen, bei der sie in der direkten Bewerbung chancenlos waren."

"Sprungbrett inreguläre Jobs"

Hahnel sieht seine Branche als Sprungbrett in reguläre Jobs und antwortet auf die Frage nach dem sogenannten Klebe-Effekt: "30 Prozent in ganz Sachsen". Damit lande man im Freistaat verglichen mit dem Bundesdurchschnitt relativ weit oben. "Das liegt an der hiesigen Klientel", erklärt Hahnel: "Je besser die Leute qualifiziert sind, desto größer die Übernahmechance". 30 Prozent sind bei branchenüblichen Vermittlungsprovisionen von zwei bis drei Monatsgehältern durchaus stattlich und belegen die hohe Nachfrage. In Sachsen ist die Branche breit aufgestellt. Platzhirsch Randstad (mit bundesweit gut 60000 Zeitarbeitnehmern) kooperiert hier mit Adecco, Arwa und Persona, um nur einige zu nennen. Auch mit der Agentur für Arbeit spinnt Hahnel einen guten Faden. Man hilft sich bei Weiterbildungen, bei der Suche nach geeignetem Personal, bei speziellen Kunden.

TariflicherMindestlohn Ost: 7,86 Euro

Der Randstad-Betriebsrat hat ermittelt, dass Mitarbeiter im District Sachsen im Durchschnitt 26 Monate bei dem Personaldienstleister bleiben. "Extrem lange also, zumal gar nicht so wenige hier nur Ferien- oder Freizeiten überbrücken", erklärt Hahnel und führt als bundesweite Vergleichszahl vier Monate an. Die Gründe liegen für ihn klar auf der Hand: Der Freistaat biete spannende und gut bezahlte Jobs, Zeitarbeitsfirmen zahlen Tariflöhne (derzeit mindestens 7,86 Euro je Stunde im Osten, in der Regel deutlich drüber), es gebe Urlaub und Krankengeld, und wenn kurz kein Job da sei, fließe das Geld trotzdem.

Kein Wunder also, dass immer dann, wenn die Arbeitsagentur ihre Zahlen präsentiert, vor allem Zeitarbeit die Statistik aufhübscht. Dresdens Agenturchef Thomas Wünsche kann der Branche daher einiges abgewinnen: "Zeitarbeit ist eine kleine, aber durchaus feste Größe am Dresdner Arbeitsmarkt. Knapp vier Prozent aller Beschäftigten hier sind in Zeitarbeitsunternehmen tätig" sagte er den DNN.

Noch im Sommer rechnete die Branche für 2014 bundesweit mit einem Umsatzwachstum von 8,2 Prozent - ob das mit Blick auf die jüngsten Wirtschaftprognosen und die Höchsteinsatzdauer-Pläne der Koalition auch fürs nächste Jahr zu halten ist, bleibt abzuwarten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.10.2014

bast

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