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Dresden Lokales Wovon Dresdner Krebspatienten profitieren
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11:04 30.11.2018
Krebspatienten profitieren in Dresden von einer hochgenauen Planung der Protonentherapie. Wissenschaftler nutzen hierfür die Vorteile einer innovativen Bildgebungsmethode. Quelle: NCT Dresden/ Philip Benjamin, OncoRay
Dresden

Der fast 100 Millionen Euro teure Protonentherapie-Komplex für den Kampf gegen Krebs zahlt sich für Mediziner, Forscher und vor allem für die Patienten zunehmend aus. Das hat Professor Wolfgang Enghardt eingeschätzt, der im „Nationalen Zentrum für Strahlenforschung in der Onkologie – OncoRay“ in Dresden die Sektion Physik leitet.

„In diesem Jahr werden wir etwa 240 Patienten mit dem Beschleuniger behandeln“, prognostiziert der Sektionsleiter. „Mit diesen Kapazitäten bewegen wir uns inzwischen an der Weltspitze, auf Augenhöhe mit den Einrichtungen wie die in Boston, Houston oder Heidelberg.“ Zum Vergleich: 2015 bestrahlte die Dresdner Anlage 106 Patienten, im Folgejahr waren es 155 und 2017 dann 215 Krebspatienten.

Seit Dezember 2014 können die Wissenschaftler und Ärzte auf dem Dresdner Uniklinik-Campus besonders heimtückische Tumore, zum Beispiel im Gehirn, im Kopf, Hals, im Lymphsystem oder Bauch der Patienten und speziell auch krebskranke Kinder mit einem Protonenbeschleuniger bestrahlen. Die aufwendige Anlage treibt Protonen bis auf etwa 70 Prozent der Lichtgeschwindigkeit. Diese schnellen Wasserstoff-Kerne entfalten ihre zerstörerische Energie vergleichsweise zielgenau im Tumor statt im gesunden Gewebe ringsum. Dadurch gilt die teure Protonentherapie auch als präziser und wirksamer als die klassische Röntgenbestrahlung, die gesunde Zellen stärker angreift.

Inzwischen sei es zwei Doktoranden aus Dresden und Heidelberg auch gelungen, die Treffergenauigkeit der Protonen von 97 Prozent auf über 99 Prozent zu steigern, berichtet Prof. Enghardt. Sprich: Trafen die Hochgeschwindigkeits-Teilchen früher tiefliegende Tumore nur bis auf etwa sieben Millimeter genau, weichen sie inzwischen nur noch um zwei bis drei Millimeter vom Ziel ab. Auch dieser Erfolg an der noch jungen Dresdner Anlage habe für einiges Aufsehen in der Fachwelt gesorgt.

Einen Anteil daran, dass der Beschleuniger recht rasch Erfolge zeitigte, mögen auch der kooperative Geist und die enge Verzahnung zwischen Grundlagenforschung und Anwendern in Dresden haben. Betreiber der Anlage ist das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, unterstützt durch die TU Dresden und das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR). Dabei fokussiert sich die Uniklinik auf die Behandlung, die TU auf medizinische, physikalische und biologische Forschung und Lehre – und das HZDR auf völlig neue Forschungsimpulse. Die drei Institutionen sind gemeinsam die Träger des OncoRay.

Unter Rossendorfer Federführung arbeiten sie beispielsweise an ganz neuartigen Anlagen-Konzepten. Statt Atomkerne mit sehr teuren und sehr großen Magnet-Ringbeschleunigern auf Trab zu bringen, wollen sie die Protonen mit Superlasern der Petawatt-Klasse fast lichtschnell antreiben. Dies könnte die Protonentherapie-Maschinerie auf die Größe einer Garage schrumpfen und sie für Krankenhäuser überhaupt erst erschwinglich machen. Zum Vergleich: Heutige Protonen-Ringbeschleuniger haben – mit allem Zubehör und aller Abschirmung – eher die Dimension einer Fabrik und kosten zwei- bis dreistellige Millionenbeträge.

Bis das neue Laser-Konzept praxisreif ist, wird noch einige Zeit vergehen. „Aber schon als wir die Anlage 2009 entwickelt haben, wurde darin Platz für eine Laserstrahlführung vorgesehen“, berichtet Prof. Enghardt. „Wir sorgen also vor.“

Ganz generell brauchen die Mediziner, Physiker und Strahlenbiologen einen langen Atem im strahlengestützten Kampf gegen den Krebs. „Strahlentherapie ist mühsam“, betont der Sektionsleiter. Das gelte für die physikalischen und technologischen Herausforderungen genauso wie für die medizinischen. So behandeln die Dresdner Spezialisten mit der Protonenanlage ausschließlich Patienten, die zuvor ein Tumorboard für klinische Studien dafür vorgeschlagen hat. Aber erst zehn Jahre, nachdem das erste Proton den Beschleuniger im Eiltempo verlassen hat, können die Forscher auf die ersten belastbaren Ergebnisse aus diesen Studien hoffen. Frühestens 2024/25 wird sich also herausstellen, bei welchen Tumorarten sich die Protonentherapie bewährt, für welche Patienten die klassische Strahlentherapie besser funktioniert, und wie der Beschleuniger die Heilungs- und Überlebenschancen der krebskranken Menschen tatsächlich verbessert hat.

Wer mehr über diese Art der Krebsbehandlung erfahren will, sollte sich den 16. Januar 2019 vormerken: Auf einem öffentlichen Lingnerpodium unter dem Titel „Protonentherapie in Dresden – klinische Forschung und Technologieentwicklung“ wollen die Professoren Wolfgang Enghardt (Oncoray/TUD/HZDR), Esther Troost (TUD/HZDR) und Ulrich Schramm (HZDR) sowie der Vorstandsvorsitzende der Krankenkasse „AOK PlusRainer Striebel ab 19 Uhr im Kino des Lingnerschlosses Dresden, Bautzner Straße 132, diese Therapieform vorstellen und Fragen beantworten. Der Eintritt kostet zehn Euro, ermäßigt acht Euro.

Mehr Infos im Netz: lingnerschloss.de

Von Heiko Weckbrodt

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