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Wohnungsgenossenschaft zahlt 300.000 Euro für zweiten Rettungsweg

Kostspieliges Kommunikationsproblem Wohnungsgenossenschaft zahlt 300.000 Euro für zweiten Rettungsweg

Die Wohnungsgenossenschaft Johannstadt hat das Dilemma um den zweiten Rettungsweg 300 000 Euro gekostet. Das erklärte Vorstand Thomas Dittrich. Für ein Neubauvorhaben an der Striesener Straße habe die Genossenschaft teuer umplanen müssen.

Besuch vom Bundesverband: Axel Gedeschko (Mitte) mit den Genossenschaftsvorständen Thomas Dittrich (links) und Alrik Mutze.
 

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Zweiter Rettungsweg? „Hat uns 300.000 Euro gekostet“, sagte Thomas Dittrich, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Johannstadt (WGJ). Für das Wohn- und Geschäftshaus in der Striesener Straße mit 24 Wohnungen und Gewerbeflächen hatte die Genossenschaft gerade die Unterlagen für den Bauantrag fertig, als es aus dem Rathaus hieß: Der zweite Rettungsweg kann im öffentlichen Verkehrsraum nicht mehr dauerhaft gesichert werden.

„Wir haben umgeplant und den Rettungsweg auf unser Grundstück verlegt“, erklärte Dittrich. Das habe enorme Kosten verursacht, die auf die Mieter nicht umgelegt werden könnten. Dass das Sächsische Innenministerium jetzt ein Machtwort gesprochen hat ( DNN berichteten), kommt für die WGJ zu spät. Der Vorstand hätte sich schon zu einem frühen Zeitpunkt Kommunikation mit der Verwaltung gewünscht. Die WGJ sei zwar am „Runden Tisch Wohnen“ vertreten. „Aber dort wurde uns nicht ein Hinweis gegeben, dass man denkt, die Genehmigungspraxis beim zweiten Rettungsweg zu ändern.“

Ein kostspieliges Kommunikationsproblem, fand auch Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, der in Dresden auf seiner Sommertour mehrere Vorhaben der WGJ besichtigte und sich besonders vom Neubau in der Franz-Liszt-Straße beeindruckt zeigte. „Sehr gelungen“, lobte er die Fassade mit hellen Ziegeln und die Brunnenplastik „Mädchen mit Blatt II“ von Małgorzata Chodakowska, die die WGJ am Eingang zu dem Neubau mit 42 Mietwohnungen aufgestellt hat.

Der Bau von neuen Wohnungen sei wichtig, das Wohnumfeld dürfe aber nicht außer Acht gelassen werden, meinte der Verbandspräsident.Viele Wohnanlagen in Dresden hätten ein attraktives Umfeld und nicht nur einen schmalen Rasenstreifen. Wenn Baugrundstücke zum Höchstpreis verkauft würden, müssten die Investoren dicht bauen, um die Kosten wieder hereinzubekommen, gab WGJ-Vorstand Alrik Mutze zu bedenken.

Die Gründung einer kommunalen Wohnungsgesellschaft in Dresden sieht Gedaschko nicht von vornherein kritisch. „Wir brauchen einen gesunden Mix aus Eigentum und Miete“, erklärte er, „und wir brauchen bei der Miete einen gesunden Mix aus kommunalen, genossenschaftlichen und privaten Angeboten.“ Er halte es für schwierig, wenn die Stadt jetzt nur noch auf die Karte kommunaler Wohnungsbau setze und Grundstücke komplett zurückhalte, so der Verbandspräsident.

Gedaschko warnte auch davor, Wohngebäude nur für bedürftige Menschen zu errichten. „Es muss einen sozialen Mix geben. Es sollte nicht so sein, dass nur Menschen, die von staatlichen Transferleistungen leben, die besten Wohnungen beziehen.“ Dittrich bestätigte, dass die von der Stadt diskutierten Standards für Sozialwohnungen für die WGJ unvorstellbar, weil zu hoch seien. Und das, obwohl die Miete in der Liszt-Straße bei 9 Euro pro Quadratmeter liege und sich bei weiteren Neubauvorhaben den 10 Euro nähere.

„Land, Kommune und Wohnungswirtschaft sollten sich noch einmal ins stille Kämmerlein setzen und überlegen, wie man sozialen Wohnungsbau richtig anpackt“, schlug Gedaschko vor. Dittrich wäre schon froh, wenn es am „Runden Tisch Wohnen“ frühzeitig Informationen gebe. Das hätte der WGJ viel Geld erspart.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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