Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Drewag-Vorstand: Versorgungsunternehmen investieren 270 Millionen Euro in Dresden
Dresden Lokales Drewag-Vorstand: Versorgungsunternehmen investieren 270 Millionen Euro in Dresden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:14 30.10.2018
Die Dresdner Stadtwerke GmbH planen gemeinsam mit der Enso diesen Neubau am Hauptbahnhof. Quelle: gmp Architekten
Dresden

Soll Dresden die Stadtwerke Dresden GmbH (Drewag) vollständig rekommunalisieren? Nächstes Jahr bietet sich die Möglichkeit, die zehn Prozent Anteile zu erwerben, die die Beteiligungsgesellschaft Thüga hält. Dr. Frank Brinkmann, Geschäftsführer des Unternehmens, plädiert im DNN-Interview für eine Lösung, die den größten Mehrwert bringt.

Frage: Der Bundesfinanzhof hat den Steuerstreit zwischen Dresden und den Kommunen im Versorgungsgebiet der Enso entschieden. Ein Meilenstein auf dem Weg der Fusion von Drewag und Enso?

Dr. Frank Brinkmann: Wir sind froh, dass der Streit abgeschlossen ist. Der Zerlegungsschlüssel für die Gewerbesteuer hat Bestand und ist kein Hinderungsgrund mehr für die Fusion der Unternehmen.

Anteilsrückkauf ist eine Option

Wann kommt die Fusion?

Mehr Druck bedeutet weniger Erfolg. Wir müssen die Anteilseigner überzeugen. Deshalb ziehen wir die Integration einfach vor. Normalerweise wird erst fusioniert und dann integriert. Wir machen es anders herum und geben schon jetzt die Vorteile der Fusion an die Anteilseigner weiter. Ob Vorstand, Bereichsleiter, Abteilungsleiter oder Gruppenleiter, ab Januar sind wir eine einheitliche integrierte Organisation. Wir haben ein Unternehmen mit 3300 Mitarbeitern im Energiebereich. Die Belegschaften haben bereits einen gemeinsamen Betriebsrat gewählt. Für die Unterschriften unter den Fusionsvertrag brauchen wir das Vertrauen der Anteilseigner.

An der Drewag ist die Thüga mit zehn Prozent beteiligt. Welche Rolle spielen die Anteile bei einer Fusion?

Keine große. Die Thüga würde etwa fünf Prozent Anteile an einem fusionierten Unternehmen Drewag-Enso halten.

Frank Brinkmann Quelle: DNN

Ist es betriebswirtschaftlich sinnvoll, die Thüga-Anteile zurückzukaufen

61 Prozent der Thüga-Anteile halten die kommunalen Gesellschaften von Nürnberg, Frankfurt/Main und Hannover. Die Drewag ist die größte Thüga-Beteiligung, die nicht selbst an der Thüga beteiligt ist. Das ist eine Asymmetrie. Wenn der Aufsichtsrat und der Stadtrat nächstes Jahr in die Diskussion einsteigen, sollte auch deutlich gemacht werden, welche Modelle es neben einem Rückkauf gibt. Nüchtern betrachtet bietet uns die Thüga in der aktuellen Konstellation kaum einen Mehrwert. Das könnte sich ändern, wenn die Drewag an der Thüga beteiligt werden würde wie zum Beispiel Nürnberg, Frankfurt und Hannover. Aber das liegt nicht in unserer Hand. Es wäre auch die Zusammenarbeit mit einem neuen strategischen Investor denkbar. Es muss eine Entscheidung getroffen werden, die strategisch und ökonomisch den größten Mehrwert bringt.

Was spricht gegen den Rückkauf?

Er ist eine Option. Wir müssen uns aber auch fragen, ob wir die Millionen vielleicht sinnvoller einsetzen können. Wir wollen ein Kraftwerk bauen, einen Anbau an das Enso-Gebäude und viele Glasfaserkabel verlegen. Das muss bei der Entscheidung bedacht werden.

Neue Zentrale entsteht bis 2022

Stichwort Investitionen: Wie ist der Investitionsbedarf der beiden Unternehmen in dem Prozess zu bewerten?

Die Enso investiert allein nächstes Jahr ungefähr 100 Millionen Euro, die Drewag etwa 170 Millionen Euro. Der Unterschied liegt vor allem am Kraftwerksneubau. Das ist der größte Posten. Beim Thema Glasfaser ist im ländlichen Raum mehr zu tun als in Dresden.

Wann wird der Grundstein für
das neue Kraftwerk in Reick
gelegt?

Die emissionsrechtlichen Genehmigungen liegen uns vor, bis zum Jahresende erwarten wir die Baugenehmigung. Dann kann im Frühjahr 2019 der Bau beginnen. Wir befinden uns in den Endverhandlungen mit den Bietern. Den Zuschlag erteilen wir, wenn die Baugenehmigung vorliegt.

So soll der Kraftwerks-Neubau in Reick aussehen. Quelle: Drewag

Der Anbau an das Enso-Gebäude ist nicht unumstritten. Verstehen Sie die Kritik an dem Hochhaus?

Nein. Unser Gebäude wird 51 Meter hoch. Die Wohnhochhäuser am Hauptbahnhof sind 54 Meter hoch. Mit unserer Lösung verbrauchen wir viel weniger Fläche als bei der eigentlich geplanten Blockrandbebauung. Es ist die ökonomisch sinnvollste Variante. Wir haben die Chance, ein Bauwerk in hoher architektonischer Qualität zu errichten. Wir planen ein innovatives Beleuchtungskonzept, damit es nachts toll aussieht. Wir wollen ein Stilelement für die Stadt schaffen.

Wann startet der Bau?

Wir planen mit einem Baubeginn 2020. Dann könnten wir das Gebäude ab 2022 nutzen. Neu ist, dass wir eine Projektgesellschaft gründen, an der Dewag und Enso zur Hälfte beteiligt sind. Wir investieren rund 69 Millionen Euro und schaffen 20 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche sowie eine Tiefgarage auf zwei Ebenen.

Es heißt, es gebe Probleme mit dem Umweltamt. Stimmt das?

Wir müssen noch eine siedlungspolitische Frage eines älteren Bestandsbaumes lösen. Das wird uns gelingen. Die Zusammenarbeit mit den Ämtern der Stadtverwaltung ist sehr gut.

Von Thomas Baumann-Hartwig

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Lokales Experten empfehlen Schutz der Stadtsilhouette - Braucht Dresden Hochhäuser?

60 Hochhäuser sind über das Dresdner Stadtgebiet verteilt. Die historische Silhouette verstellen sie noch nicht. Doch elf neue Hochhäuser sind in der Planung. Experten warnen davor, dass die Stadt ihr Gesicht verliert.

30.10.2018
Lokales So viele Tiere wie nie - 150 Minuten Weihnachtszirkus

Im vergangenen Jahr begrüßte der Dresdner Weihnachtszirkus rund 75 000 Gäste im neuen Zelt. In diesem Jahr investieren die Zirkusleute zwar nicht in die Behausung, wohl aber in die Menge der Darbietungen. Die Dresdner erwarten in diesem Jahr so viele Tiere wie nie, 32 Artisten aus zehn Nationen und obendrauf die Könige der Clowns. Außerdem verlosen die DNN Tickets für den Neujahrstag.

29.10.2018

Die Stadtratsmehrheit hat ein mobiles Terrorschutzsystem für den Striezelmarkt abgelehnt. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) lässt jetzt mobile Schranken kaufen und übt heftige Kritik an Rot-Grün-Rot.

29.10.2018