Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales „Wir sind nicht dazu da, uns Freunde zu machen“
Dresden Lokales „Wir sind nicht dazu da, uns Freunde zu machen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:42 11.03.2018
Spitze des Kreiselternrats Dresden: Thomas Meyer-Ross (li, Stellvertretender Vorsitzender), Judith Pickel (Mi., stellvertretende Vorsitzende) und Martin Raschke (re., Vorsitzender).  Quelle: DNN

 Der Kreiselternrat in Dresden hat seit kurzer Zeit einen neuen Vorstand. Im DNN-Interview sprechen der Vorsitzende, Martin Raschke, sowie seine beide Stellvertreter, Judith Pickel und Thomas Meyer-Ross, über die künftige Ausrichtung und die Rolle der Elternvertretung.

Wie starten Sie in die Arbeit?

Vorsitzender Martin Raschke: Es gibt zwei Probleme: Das eine ist die interne Kommunikation, die wir neugestalten wollen. Das war ein Kritikpunkt der Eltern. Nach außen ist der Auftritt wieder zu verstärken, das ist in der Vergangenheit – um es vorsichtig zu sagen – etwas hängen geblieben. Das betrifft vor allem den Schulnetzplan. Es geht nun um dessen Umsetzung, da gibt es Kritikpunkte unter anderem im Grundschulbereich in der Altstadt oder bei der Universitätsschule.

Als Interessenvertreter der Eltern sind wir ein politisches Gremium, das versucht, in der Schulpolitik mitzumischen. Das ist nicht einfach, da macht man sich nicht immer Freunde. Aber wir sind ja auch nicht da, um uns Freunde zu machen.

Wir wollen für alle Dresdner Schulen gleiche Voraussetzungen und gleiche Chancen. Das ist bei den unterschiedlichen Gegebenheiten schwer umsetzbar. An der Stelle hilft den Eltern Transparenz, um die eigenen Probleme akzeptieren zu können. Wir möchten diese Transparenz sicherstellen.

Judith Pickel: Ich arbeite mich ein. Es gibt viele neue Dinge. Organisatorisch und inhaltlich strömt viel auf mich ein. Meine Kinder sind an einer Förderschule und ich will natürlich dieses Thema hier einbringen.

Thomas Meyer-Ross: Ich engagiere mich seit fünf Jahren in Langebrück an der Grundschule. In diesem Jahr hat uns erstmals eine Einladung des Arbeitskreises Grundschulen beim Kreiselternrat erreicht. Der Kreiselternrat war für uns in der Vergangenheit praktisch nicht wahrnehmbar. Wir wollen als Kreiselternrat den Eltern Informationen zur Lösung von Problemen an die Hand geben, wir wollen die Verbindung zur Stadtverwaltung herstellen und dort klar machen, wo aus Elternsicht Probleme liegen. Lösen können wir diese nur gemeinsam mit den betroffenen Eltern und der Stadtverwaltung.

Raschke: Die Themenschwerpunkte setzt der Vorstand gemeinsam. Der Vorsitzende steht nicht allein für den Kreiselternrat, deshalb sitzen wir hier auch zu dritt. Wir wollen das auf breite Schultern verteilen.

Der KER hat keine Stellungnahme zur Schulnetzplanung abgegeben, warum?

Raschke: 2012 wurde von uns eine Stellungnahme zur Schulnetzplanung abgegeben, da waren wir dann fünf, sechs Zeilen Erwähnung wert. Bei der aktuellen Schulnetzplanung gab es jetzt Stellungnahmen einzelner Schulen, die von uns unterstützt wurden.

Zum Schuljahresbeginn änderte sich aber gerade auch die Mitwirkungsverordnung für die Elternvertreter in Sachsen, die dann auch zu organisatorischen Problemen bei der Wahl im Kreiselternrat führte und so gab es einige Zeit nur einen geschäftsführenden Vorstand.

Meyer-Ross: Eigentlich sollte das Thema Schulnetzplan bei jeder Sitzung aller Schulelternräte auf der Tagesordnung stehen, damit es schnell erkannt wird, wenn sich Voraussetzungen ändern, baulich, organisatorisch, bei der Auslastung und ähnliches. Dann wird es auch einfacher, Zuarbeiten abzugeben beziehungsweise einzuholen.

Sie wollen ihre interne Kommunikation verändern, wie soll das aussehen?

Raschke: Wir wollen es auf eine Holschuld umstellen. Die Elternvertreter aus den Schulen können sich bei uns auf der Seite informieren, auf diese Weise gibt es keine Probleme mit E-Mail-Verteilern. Da stecken immer wieder Karteileichen drin oder Nachwahlen sind uns nicht bekannt geworden. Dann gehe an vielen die Informationen vorbei. Wir wollen das auf neue Beine stellen und hoffen da auch auf Unterstützung des Schulverwaltungsamtes.

Welche Erwartungen gibt es in den Förderschulen an Ihre Arbeit, Frau Pickel?

An den Förderschulen stehen häufig andere Themen im Mittelpunkt als an den übrigen Schulen. Da geht es um  Fahrdienste oder die nicht vorhandenen Hortzeiten an Förderschulen. Integration und Inklusion sind ganz große Themen.

Heftigen Streit gab es in der Politik um die Grundschulsituation in der Altstadt und die Universitätsschule, welche Haltung hat der Kreiselternrat dazu?

Raschke: Entscheidungen muss natürlich die Politik fällen. In der Altstadt steigen die Schülerzahlen im Grundschulbereich, wir haben die 10. Grundschule mit ihrem sportlichen Profil, aber Kapazitätsproblemen und es gibt die Kästner-Förderschule mit einem größeren Gebäude. Die Verwaltung hatte für einen Tausch plädiert, der im Stadtrat abgelehnt worden ist. Ich hätte die von der CDU vorgeschlagene Lösung favorisiert, mit einem um ein Jahr verschobenen Tausch der Gebäude zwischen den beiden Schulen. Das wäre eine vermittelnde Lösung zwischen den Interessen beider Schulen gewesen. Mir hat in dem Prozedere vor allem die Kommunikation mit allen Beteiligten gefehlt und mir scheint die jetzt beschlossene Lösung im Altstadtbereich nicht bis zuletzt durchdacht.

Wie verhält es sich bei der Universitätsschule und deren Ansiedlung an der 101. Oberschule?

Raschke: Auch da sieht man, dass die Kommunikation ein Hauptproblem ist. Es geht um die Ziele, die mit dem Konzept der Universitätsschule erreicht und wie sie umgesetzt werden sollen. Es fragt sich, inwiefern ein Miteinander gewollt oder überhaupt möglich ist. Hierzu besteht Redebedarf. Das Klären solcher Probleme ist für die Eltern wichtig, die jetzt ihre Kinder anmelden sollen und nicht genau wissen, wo es mit der Schule hingeht. Da wünsche ich mir einfach mehr Klarheit, mehr reden miteinander.

Wo drückt derzeit noch der Schuh?

Meyer-Ross: Wir haben jetzt unter anderem das Problem mit der energetischen Sanierung von Schulen während des Schulbetriebs. Da wissen die Eltern häufig nicht genau, was da alles auf sie zukommt, was es für den Schulbus bedeutet und ähnliches. Da kämpft jede Schule für sich alleine und keiner in der betroffenen Elternschaft hat den Überblick, welche Lösungen es anderswo gibt.

Raschke: Wir arbeiten unter anderem an einer Handreichung, damit wir Fragen in solchen Fällen beantworten können. Damit nicht jeder in jedem Fall sich selbst auf den Weg machen muss und von vorn anfängt, die Informationen zusammenzusuchen. Beim Schulnetzplan ist uns wichtig, dass in Stadtgebieten, wo neue Wohngebiete entstehen wie in Kaditz-Mickten Reserveflächen für Schulen vorgehalten werden.

Wenn mir ein Vater die Verhältnisse an der Oberschule seines Sohnes beschreibt, wo sich der Sechstklässler bei einer Rangelei ernsthaft verletzt hat, aber niemand mit den beteiligten Eltern spricht. Und über allem steht als Rechtfertigung der Lehrermangel, beschreibt das ein grundsätzliche Situation oder ist das ein Einzelfall in Dresden?

Raschke: Das hört sich nach einem Kommunikationsproblem an. Das muss natürlich besprochen werden, der Vater soll sich an die Elternvertretung wenden, in der Schulkonferenz ist danach ebenso eine Diskussion möglich. Der Schulsozialarbeiter sollte zudem mit einbezogen werden, in einer Art Vermittlerrolle.

Meyer-Ross: Wenn es die grundsätzliche Aussage ist, wir können nicht mit den Eltern reden, weil wir nicht genügend Lehrer haben, dann macht irgendjemand seinen Job nicht. Mobbing ist immer mal wieder ein Problem, aber das wird normalerweise innerhalb der Schulen aktiv besprochen. Ich denke, ihr Beispiel steht für einen Einzelfall.

Welche Erwartungen haben Sie an die Bildungspolitik im Freistaat?

Pickel: Ein Thema ist der Übergang von der Kita in die Grundschule. Kindertagesstätten sind orientiert auf Kleingruppen, Partizipation, die Stärken der Kinder – in der Grundschule kommt auf einmal ein ganz großer Hammer. Es gibt sicher auch Pädagogen, die einen guten Übergang hinbekommen. Aber warum ist das so unterschiedlich?

Raschke: Das Lehrerproblem befindet sich in Arbeit. Da hat die Politik erkannt, dass sie Fehler gemacht hat. Ob die Verbeamtung die richtige Entscheidung ist, kann ich nicht einschätzen. Wir brauchen außerdem die Stärkung der freien Träger, die eine auskömmliche Finanzierung erhalten müssen und wir brauchen mehr Freiheit für andere Schulkonzepte.

Es geht hier auch um längeres gemeinsames Lernen, wie durchlässig ist unser Schulsystem wirklich, wenn an der Oberschule die zweite Fremdsprache nicht mehr angeboten werden würde.

Zudem: Muss tatsächlich so viel Wert auf naturwissenschaftlich- technische Fächer, sog. MINT-Fächer, gelegt werden, wie derzeit, zulasten von Gemeinschaftskunde, Ethik, politischer Bildung? Wir wollen den allgemeingebildeten Schüler und nicht den naturwissenschaftlichen Schüler. Wir wollen einen mündigen Bürger, der freiheitlich-demokratisch orientiert ist. Dabei geht es um politische Kultur und um den Umgang mit Andersdenkenden. Das wird mit der MINT-Fokussierung etwas vernachlässigt.

Wir können uns meiner Meinung nach nicht auf den Pisa-Ergebnissen ausruhen, Pisa ist das Abfragen von Wissen, das Leben beinhaltet mehr.

Von Ingolf Pleil

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Stadtwerke Dresden wollen ein neues Kraftwerk in Reick bauen. 100 Millionen Euro beträgt die Investitionssumme. Der Aufsichtsrat des städtischen Unternehmens entscheidet am 28. Februar.

19.02.2018
Lokales Baubürgermeister kündigt an - Ab September Handyparken in Dresden

Ab September soll die Suche nach Kleingeld am Parkscheinautomaten entfallen. Das Handyparken kommt. Und die Landeshauptstadt Dresden geht bei der technischen Umsetzung ihren eigenen Weg.

19.02.2018
Lokales Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen - Besucherrückgang in Pillnitz

2017 war für die Sächsischen Schlösser, Burgen und Gärten ein gutes Jahr. Unterm Strich bleibt ein Plus, vor allem weil das Vermietungsgeschäft gut läuft. Insgesamt sind auch die Gesamtbesucherzahlen auf dem Niveau des Vorjahres. Negativ ist die Entwicklung neben Kriebstein, Stolpen und Weesenstein aber in Schloss und Park Pillnitz. Dort will man jetzt gegensteuern.

19.02.2018
Anzeige