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Lokales „Wir bekommen alles Nötige“
Dresden Lokales „Wir bekommen alles Nötige“
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15:42 23.05.2018
In der Messe Dresden wurde eine Notunterkunft eingerichtet. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Nach dem Fund einer Fliegerbombe in Löbtau mussten 8700 Menschen evakuiert werden. In der Messe Dresden wurde eine Notunterkunft eingerichtet. Wir haben uns vor Ort umgesehen und mit Verantwortlichen und Betroffenen gesprochen.

René Strietzel, Einsatzleiter DRK im Evakuierungszentrum, Neue Messe Dresden:

René Strietzel Quelle: Anja Schneider

„Die Menschen hier wissen darüber bescheid, dass die Lage komplizierter ist. Sie wissen aber nicht direkt, was los ist – außer jenen, die ein Smartphone haben. Wir werden den Teufel tun und hier Panik schüren. Die Lage hier ist ruhig und entspannt. Wir haben die Leute in zwei Bereiche geteilt. In einem Teil sind die pflegebedürftigen Menschen, die von ihren Pflegern hier auch super betreut werden. Im anderen Teil sind vor allem Familien, die aus ihren Wohnungen gerissen wurden und hier Unterschlupf gesucht haben. Aktuell sind ungefähr 600 Personen hier untergebracht. In der Nacht waren es 1300. Viele davon sind tagsüber arbeiten gegangen. Spannend ist, ob die heute Abend wiederkommen, wenn es mit der Entschärfung doch länger dauern sollte. Aber wir sind gewappnet.

Im Vergleich mit anderen Evakuierungen in der Vergangenheit, als wir meist 200 bis 300 Personen zu betreuen hatten, ist das hier eine echte Herausforderung. Deswegen ist hier auch viel Personal vor Ort, allein 60 von den Hilfsorganisationen und etwa 20 weitere von der Feuerwehr. Der Dresdner Stadtverband des Deutschen Roten Kreuzes erhält dabei unter anderem Unterstützung von den Kreisverbänden Meißen, Dresden-Land, Freital und Dippoldiswalde, die hier alle im Einsatz sind. Auch der Malteser-Hilfsdienst ist integriert, mit dem wir hier partnerschaftlich zusammenarbeiten. Wir richten uns aktuell auf eine Einsatzlage bis 18 Uhr ein.

Ursprünglich gingen wir davon aus, die Betroffenen mittags nach Hause bringen zu können. Natürlich gibt es noch einige Unwägbarkeiten. Wir planen gerade im Hintergrund, wie wir weiter agieren. Heute Abend haben wir als DRK noch die Rewe Team Challenge mit etwa 20.000 Menschen medizinisch abzusichern. Wir wissen noch nicht, wie wir das bewerkstelligen sollen. Das ist Wahnsinn, aber irgendwie kriegen wir das hin. Mit dem Veranstalter stehen wir in Kontakt. Er geht davon aus, dass die Team Challenge durchgeführt wird.“

Lothar Ewald, 79, Burgkstraße:

Lothar Ewald Quelle: Anja Schneider

„Halb eins in der Nacht hat meine Nachbarin geklingelt und kam mit der Nummer vom Bürgertelefon. Wir haben dort angerufen und uns wurde gesagt, das Licht brennen zu lassen, wenn wir selbst nicht wegkommen. Gegen 3 Uhr hat uns die Polizei nach Altlöbtau geschafft. Dann wurden wir mit dem Bus hierher gebracht. Halb vier waren wir hier. Hier gibt es zwar Liegen, aber ich kann sowieso nicht schlafen, wenn ich woanders bin. Mir geht es gut, aber meine Frau leidet an schwerer Demenz. Wir sind froh, dass wir etwas zu essen bekommen haben.“

Eveline Kühnel, 80, Lübecker Straße:

Quelle: Anja Schneider

„Kurz vor 3 Uhr hat eine Polizistin bei mit geklingelt. Dann bin ich gleich mit dem Bus hierher gebracht worden. Das hat alles gut geklappt. Schlafen konnte ich allerdings nicht. Dazu brauche ich mein eigenes Bett. Ich hatte erst in der Halle gesessen, dann war es mir zu kalt. Ich hatte mir dummerweise zu Hause keine Jacke angezogen. Wir bekommen hier alles nötige wie Wasser und Essen. Das ist auch das Mindeste, denn wir können ja nichts dafür. Aber es schmeckt sehr gut.“

Miriam Müller, 21, Wernerstraße:

Miriam Müller Quelle: Anja Schneider

„Leider wurde 2.40 Uhr bei uns Sturm geklingelt. Wir dachten sonstwas, aber es war die Polizei. Wir sollten unsere Sachen packen und uns zu den Shuttlebussen begeben. Wir wohnen nahe der Kesselsdorfer Straße im Grenzbereich der Evakuierungszone. Ein paar Häuser weiter und uns hätte es nicht erwischt. Nun bin ich übermüdet, aber mir geht es gut. Meine Katzen haben Hunger und müssen sicher aufs Klo. Nun wollen wir zu einer Freundin fahren und notdürftig ein Katzenklo einrichten.“

Christian Kaiser, 65, Gröbelstraße:

Christian Kaiser Quelle: Anja Schneider

„Wir hatten es ja nicht gewusst, sondern hatten nur Lautsprecher auf der Straße gehört, sie aber nicht verstanden. Daraufhin hatte ich das Bürgertelefon angerufen. Dort war man überrascht, dass wir noch in der Wohnung waren. Und in dem Moment, so gegen 5 Uhr, hat es bei uns auch schon geklopft. Dann habe ich unseren Notfallkoffer mitgenommen, den ich für solche Fälle habe, und bin mit meiner Frau und unserem Hund Willi los. Seitdem sitzen wir hier und warten und gucken, was die anderen Leute so machen. Einzige Alternative für uns wäre die Schwester meiner Frau, aber die ist noch zehn Jahre älter. Das wollen wir ihr nicht antun.“

Nach dem Bombenfund in Löbtau hat die Stadt in der Messe eine Notunterkunft für die von der Evakuierung betroffenen Anwohner eingerichtet.

Von Stefan Schramm

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