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Wieder mehr Selbstmorde: Die 41. Herbsttagung der Gesellschaft für Suizidprävention trifft sich in Dresden

Wieder mehr Selbstmorde: Die 41. Herbsttagung der Gesellschaft für Suizidprävention trifft sich in Dresden

Peter kannte mich schon als kleines Mädchen von sechs Jahren. 1986. Damals habe ich bei ihm frische Brötchen gekauft, die Doppelten, für zehn Pfennig. Er lachte, war herzlich und interessiert.

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Burghardt Jabs, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Krankenhaus Dresden-Neustadt, möchte mit Aufklärung Leben retten.

Quelle: CAROLA FRITZSCHE

Auch später, nach der Jugendweihe, dem Abitur, dem Studium und dem ersten Job. Bis zu jenem Tag. Ein kurzer Moment, ein verlassener Ort. Ich werde Peter nie wieder sehen. Nie.

Insgesamt 77 Menschen haben sich im Jahr 2012 in Dresden das Leben genommen, 74 in Leipzig, 38 in Chemnitz. Sachsen liegt mit 645 Suiziden und einer Quote von 15,6 pro Jahr und 100 000 Einwohnern noch immer an der statistischen Spitze Deutschlands. Genetische Faktoren, sagen die einen, kulturell-religiöse Hintergründe im reformatorischen Sachsen, vermuten die anderen. Vielleicht auch ein kulturelles Artefakt oder eine Mischung aus allem? Forscher sind sich uneinig, doch in einem Fakt sicher: Suizid lässt sich verhindern.

Selbstmord soll vermieden werden. Verzweifelte können Hilfe finden. Oft ist es nur ein ganz kurzer Moment, in dem Menschen wirklich entschlossen sind. Ein Zeitfenster, eine kurze Endlichkeit. "Ein fester Entschluss zum Suizid dauert in der Regel nur wenige Stunden", erklärt Professor Burkhard Jabs, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Städtischen Krankenhauses Dresden-Neustadt am Weißen Hirsch. "Rettet man diesen Moment, rettet man oft das ganze Leben." Chefarzt Jabs steht seit 15 Jahren an den Betten von Patienten, die ihre tödlichen Versuche überlebt haben. "Die meisten Menschen sind froh, dass sie leben, sagen von sich selbst, sie würden nie wieder so einen Unsinn tun" erklärt Jabs. Suizidgedanken seien nur zu einem Bruchteil chronisch, also längerfristig.

Ist das der einzige Grund, der gegen die gesellschaftliche Akzeptanz von Selbstmorden spricht? "In der Regel sind pro Suizid etwa sechs Angehörige betroffen", erläutert Jabs. "Sie erleiden Wunden, die nie wieder heilen."

"Suizidalität im Kontext psychischer Erkrankungen" heißt das Thema der diesjährigen Jahrestagung. "Suizid ist kein Schicksal, ist nicht unveränderbar", erklärt Jabs, der gleichzeitig Vorsitzender des Dresdner Bündnisses gegen Depression ist. Wichtig sei es beispielsweise, Depressionen und Süchte rechtzeitig zu erkennen. "Über 90 Prozent aller Suizide geschehen im Kontext von Erkrankungen." Der Arzt rät: "Kontaktieren Sie ihren Hausarzt, er wird Ihnen weiterhelfen." Sachsen verfüge über gute Netzwerke an Ärzten, Therapeuten und Selbsthilfegruppen. Insgesamt sei die Versorgung in Dresden, Leipzig und Chemnitz gut. Im ländlichen Raum müsse jedoch erheblich "nachgebessert werden".

Doch was ist jetzt mit der Sonderrolle Sachsens? "Die Statistiken zeigen große Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland, jedoch nicht seit 60, sondern seit über 100 Jahren", erklärt der Chefarzt. Als Ursache vermutet er eine Mischung aus genetischen und kulturellen Faktoren. Auffällig: Bei großer Arbeitslosigkeit sind die Suizide meist gestiegen, in Kriegen und nach der Wende rapide gesunken. Leider gehe der deutschlandweite Trend in den letzten drei Jahren wieder nach oben. "Glücklicherweise sind die Zahlen in Sachsen und Dresden nun einigermaßen stabil", erklärt Jabs. "Aber es sind immer noch zu viele."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.09.2013

Katrin Tominski

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