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Lokales Wie sieht Dresden in der Zukunft aus – die Stadt hat ihre Vision gefunden
Dresden Lokales Wie sieht Dresden in der Zukunft aus – die Stadt hat ihre Vision gefunden
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11:12 14.05.2016
Materialforschung in Dresden: „Hier entstehen die Werkstoffe der Zukunft.“ Quelle: Jürgen Lösel
Dresden

Er benötige von Oberwartha bis ins Zentrum 45 Minuten, erklärte Hubert Jäger, Professor für Systemleichtbau und Mischbauweisen an der Technischen Universität Dresden. „Das ist nicht lebenswert. Das kann nicht die Zukunft sein“, findet er. „Wir verbringen viel zu viel Zeit an falsch geschalteten Ampeln.“ Dresden sollte Verkehrsvorzeigestadt in Europa werden und die Ampelsteuerung neuronalen Netzwerken überlassen, findet der Wissenschaftler. Dann könnte es Grün für 30 Autos auf der Nebenstraße geben, wenn die Hauptstraße mit weniger Fahrzeugen belegt ist.

„Zukunftsstadt 2030+“ heißt das Projekt, für das sich Jäger mit anderen Wissenschaftlern, Vertretern der Wirtschaft, der Zivilgesellschaft und der Stadtverwaltung zusammengefunden hat. „Dresden hat alles Potenzial der Welt. Dresden kann der europäische Hotspot für künftige Mobilitätskonzepte werden“, findet der Professor. Andere Ideen wie das Konzept „Einkaufsstadt“ seien dagegen noch ausbaufähig. „Ich war gerade erst in Hamburg. Das ist eine Einkaufsstadt.“ Dresden müsse die Autos aus der Altstadt verbannen und die Menschen anderweitig ins Zentrum bringen, schlägt er vor.

Mutige Entscheider fordert der Wissenschaftler. In Dresden würden die Werkstoffe der Zukunft entstehen. Im Spitzencluster C 3 werde an faserverstärktem Beton geforscht. „Wir ersetzen den Stahl durch Carbon. Das rostet nicht mehr und senkt den Kohlendioxid-Ausstoß.“ Jetzt sollten Bauten mit diesem Material in Dresden entstehen, wünscht sich Jäger.

Mehr als 1000 Dresdnerinnen und Dresdner haben zwischen September 2015 und März dieses Jahres während einer Fahrt mit einer der Zukunftsbahnen oder in einem Workshop Visionen für das Projekt „Zukunftsstadt Dresden 2030+“ zusammengetragen, erläutert Norbert Rost, Projektleiter in der Stadtverwaltung. 51 Städte beteiligen sich an dem gleichnamigen Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, bei dem Bürger gemeinsam mit Wissenschaft, Wirtschaft und Politik die großen gesellschaftlichen Herausforderungen anpacken sollen.

Ein Fünf-Punkte-Plan ist laut Rost erarbeitet worden, in dem fünf Handlungsfelder skizziert werden: Selbstverantwortung, nachbarschaftliche Verantwortung, regionale Verantwortung, gesellschaftliche Verantwortung und globale Verantwortung lauten die Schlagwörter, mit denen sich die Stadt bis zum 17. Juni für die zweite Projektphase bewerben wird. Ab November soll laut Rost mit breiter Bürgerbeteiligung ein Plan erstellt werden, wie Dresden vom Heute zur Vision der nachhaltigen Stadt kommt. In der dritten Phase ab 2018 erhalten acht Kommunen die Möglichkeit, erste innovative Ideen in die Praxis zu überführen.

Jäger, aber auch Professor Frank Schönefeld, Geschäftsführer von T-Systems Multimedia Solutions GmbH, oder Markus Egermann vom Leibniz-Institut für ökologische Raumordnung trauen es Dresden zu, sich für die dritte Phase zu qualifizieren. „Weil die Akteure perfekt vernetzt sind“, nennt Schönefeld einen Grund für seinen Optimismus. Die Stadt sei aufgeschlossen für neue Ideen wie das digitale Quartiermanagement. „Hier werden solche Fragen diskutiert und Konsortien geformt.“ Dresden verschließe sich aber auch nicht den makroökonomischen Trends wie Industrie 4.0 oder „Internet of Things“. „Jeder zweite Chip, der in Europa verkauft wird, kommt aus Dresden“, so Schönefeld.

Ob es gelingt, die Idee von der verbrennungsmotorfreien Stadt zu realisieren, wie Rost formulierte. Antworten auf solche Fragen gibt es auch auf der „Dresdner Zukunftskonferenz“ am 21. Mai von 11 bis 16 Uhr im Festsaal des Rathauses. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) wird die Veranstaltung eröffnen, auf der die Zukunftsvision vorgestellt und in Workshops diskutiert und weiterentwickelt werden soll.

Dresden 2030+ ist zu kurz gesprungen. Wir sollten uns jetzt schon überlegen, wie wir um 2050 aussehen wollen. Und wie wir dahin kommen können“, fordert Jäger visionäres Denken.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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