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Lokales Wie eine Seniorin aus Dresden um eine alte Treppe in Übigau kämpft
Dresden Lokales Wie eine Seniorin aus Dresden um eine alte Treppe in Übigau kämpft
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12:58 10.07.2018
Seniorin Elfriede Schubert zeigt auf die weiße Tür, die in den zugemauerten Torbogen eingelassen ist. Früher führte hier eine Treppe vom Elbufer zur Zinggstraße. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Beim gemeinsamen Spaziergang durch Übigau wird klar: Elfriede Schubert kennt den Stadtteil wie ihre eigene Westentasche. Zu jedem Gebäude, zu jeder Straße und zu jeder Eingangspforte weiß die 75-Jährige etwas zu sagen. So auch zu jener weißen, verschlossenen Holztür, die in einen Torbogen am elbbegleitenden Treidelpfad eingelassen ist. Dort führte mal eine breite Steintreppe vom Elbufer auf die Zinggstraße hinauf. Doch der Durchgang wurde in den 90ern zugemauert und mit eben dieser weißen Tür versehen. Eine unverständliche Entscheidung, findet Schubert. Die Rentnerin kämpft seit Jahren darum, die steinernen Stufen wieder öffentlich begehbar zu machen.

Zugemauert in einer Nacht- und Nebelaktion

„Die Treppe gehört zum Kulturdenkmal, zum alten Übigauer Dorfkern mit Schloss und Pionierkaserne. Sie ist ein Stück Geschichte“, findet Schubert. Früher bildete der fast 200 Jahre alte Treppenaufstieg den Zugang zu den Souterrainwohnungen der ehemaligen Kaserne, die 1989 gesprengt wurde. Schubert erinnert sich, wie sie in Kindertagen die breite Treppe am Ende der Zinggstraße zum Treidelpfad hinunterlief und an der Elbe zum Schloss Übigau spazierte.

Heute kann man den Verlauf der alten Treppe allerhöchstens erahnen. Und die Zinggstraße endet als Sackgasse am Zaun eines Privatgrundstücks. Um 1990 herum wurde der hintere Teil der Straße samt Treppe verpachtet. Das Grundstück war nicht öffentlich gewidmet, daher war die Verpachtung auch legitim. Im Jahr 1993, erinnert sich Schubert, wurde der Treppendurchgang dann verfüllt. Der Pächter war es wohl leid, dass ständig Menschen über sein Grundstück liefen. „Das war eine Nacht- und Nebelaktion“, erinnert sich die lebhafte Ruheständlerin. „Die alten Übigauer haben es überhaupt nicht begriffen. Doch die Treppe muss ja immer noch existieren – sonst hätte ja niemand die Tür unten eingebaut.“

Diese Zustand wünscht Elfriede Schubert zurück: Eine alte Postkarte zeigt den offenen Durchgang am Elbufer, links daneben das damalige Kasernengebäude. Quelle: Repro: Anja Schneider

Elfriede Schubert hängt an ihrem Stadtteil, sie ist in Übigau großgeworden. Vor acht Jahren hat sie sich bereits erfolgreich für die Herrichtung der völlig verwucherten Treidelpfade am Übigauer Elbufer eingesetzt. Nun hat sie die Öffnung des Treppenweges zur nächsten Hürde erklärt, die es zu meistern gilt – Stufe für Stufe.

Sie versucht, Anwohner von ihrem Vorhaben zu überzeugen, steht im regen Kontakt mit dem Denkmalschutzamt – und holte sich zuletzt auch Unterstützung aus der Kommunalpolitik ein: In seiner jüngsten Sitzung hat der Ortsbeirat Pieschen der historischen Treppe eine Beratung gewidmet. Mehrheitlich sprachen sich die Ortsbeiräte für die Öffnung der Steintreppe aus. Das müsse in Übereinstimmung mit dem Pächter geschehen. Einen Beschluss fassten sie zwar nicht, doch die Zustimmung seitens der Kommunalpolitiker könnte Druck auf Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) ausüben. Auf dessen Tisch landet das Abstimmungsergebnis nämlich, und die Ortsbeiräte erwarten eine Antwort.

Steiler Weg für Ältere unzumutbar

Der Pieschener Ortsamtsleiter Christian Wintrich vertritt die Ansichten des Ortsbeirates, sieht die Öffnung des Durchgangs allerdings auch skeptisch: „Wenn das Schloss Übigau fertig ist, an dem derzeit noch gewerkelt wird, hätte ein Treppenabgang in unmittelbarer Nähe schon einen gewissen Charme. Doch derzeit aber ist noch nicht klar, in welchem Zustand sich die Treppe befindet und ob die den Anforderungen der Barrierefreiheit Genüge tut. Und ob die Freimachung der Treppe überhaupt erforderlich ist, kann jeder selbst beurteilen.“

Zumindest sieht das Straßen- und Tiefbauamt die dringende Erfordernis eines neuen Abgangs zur Elbe nicht. Es gibt nämlich einen öffentlichen Zugang zum Ufer in Altübigau, nur etwa 100 Meter nördlich der Zinggstraße. „Aus der Fachsicht des Amtes gibt es daher keine Notwendigkeit, an dieser Stelle einen weiteren öffentlich gewidmeten Zugang zur Elbe zu schaffen“, teilt das Amt auf DNN-Anfrage mit.

Die steile Treppe bildete den Zugang zu den Wohnungen in der Kaserne. Quelle: Anja Schneider

Schubert weiß um den Abgang in Altübigau. Gerade für alte Menschen sei es aber unzumutbar, diesen steilen Weg zu nutzen. Und überhaupt gehe es ihr vielmehr ums Prinzip und um den historischen Wert der Treppe. „In Dresden wird so viel Geld ausgegeben und immer wieder Neues gebaut. Ich begreife nicht, warum es unmöglich ist, auch mal Altes zu bewahren“, beklagt die Ruheständlerin. „Die Freimachung der Treppe wäre ein weiterer Schritt zur Erhöhung der Attraktivität des denkmalgeschützten Elbwegs.“

Die engagierte Seniorin will nicht eher ruhen, bis das alte Bauwerk wieder öffentlich zugänglich ist. Und selbst dann wird sich die 75-Jährige wohl kaum zufriedengeben – denn sie denkt groß: „Am Ende der Zinggstraße gab es bis um 1940 eine Dampferanlegestelle der Weißen Flotte. Wenn die Stufen wieder frei sind,“ meint sie, „könnte man dann auch wieder eine Schiffsanlegestelle am Elbufer errichten.“ Das, so Schubert, wäre eine weitere Aufwertung für Übigau. Ihr Übigau.

Von Junes Semmoudi

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