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Lokales Wie eine Flamme: Mythen und Fakten zur Bombardierung Dresdens
Dresden Lokales Wie eine Flamme: Mythen und Fakten zur Bombardierung Dresdens
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23:52 09.09.2015
Dresden nach dem 13. Februar 1945 (undatierte Aufnahme) Quelle: dpa

Als Kriegsgefangener erlebte und überlebte Vonnegut das Grauen in einem Nebengebäude des Dresdner Schlachthofes. 70 Jahre später liefert das Buch den Titel für eine Ausstellung im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr. Sie dokumentiert die Zerstörung Dresdens im Spiegel literarischer Werke - von Erich Kästner über Martin Walser bis Durs Grünbein.

Die Fakten über die Bombardierung der bis dato weitgehend verschonten Stadt sind bekannt. Zunächst griff die britische Royal Air Force in der Nacht in zwei Wellen an. Der erste Angriff am Faschingstag kurz nach 22 Uhr diente zur Vorbereitung auf den zweiten. Sprengbomben zerstörten Dächer und Fenster, damit die später abgeworfenen rund 650 000 Brandbomben mehr Wirkung erzielen konnten.

Das Flammeninferno vernichtete rund 25 000 Häuser und 90 000 Wohnungen. Bis zu 25 000 Menschen kamen ums Leben. Am 14. Februar klinkten amerikanische Flieger bei Tageslicht weitere Bomben aus. Einen letzten Einsatz flogen die Amerikaner in der bereits zerstörten Stadt am 15. Februar.

Im englischsprachigen Raum gilt der Begriff „Like Dresden“ als Synonym für ein verheerendes Feuer mit immenser Zerstörung. Das Stadtzentrum lag in Schutt und Asche. „Dresden war jetzt wie der Mond, nichts als Mineralien“, formulierte Vonnegut. Prachtbauten wie Semperoper, Schloss oder Zwinger waren zerstört, die Frauenkirche stürzte am 15. Februar ein.„Die bis zur Unkenntlichkeit verkohlten Toten lagen noch Tage auf der Straße oder in den Trümmern, ehe die Leichenberge zur Verhinderung von Seuchen verbrannt werden konnten“, heißt es in einem Beitrag des Deutschen Historischen Museums in Berlin.

In Dresden gibt es vor allem bei älteren Menschen die Ansicht, der Angriff sei „sinnlos“ gewesen. „Aus Sicht der Alliierten bestimmt nicht“, sagt dagegen der Militärhistoriker Matthias Rogg: „Der Angriff galt auch der Trotzreaktion der Deutschen, sollte ihre Moral brechen.“ Heute wisse man ziemlich genau, was warum passierte. Der Chef des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr differenziert aber auch: „Militärstrategisch hat der Nachtangriff der Briten gar nichts gebracht. Eine nächtliche Bombardierung war damals ein Lotteriespiel.

Rogg widerspricht der These von der „unschuldigen Stadt“. Dresden sei nicht nur ein wichtiger Rüstungsstandort gewesen, sondern auch ein Bahnknotenpunkt: „Jeden Tag wurden hier bis zu 25 000 Wehrmachtssoldaten durchgeschleust.“ Für Mythen wie den Einsatz von Phosphor und Tieffliegerangriffe hätten Wissenschaftler keine Belege gefunden.

Für Rogg sind die Angriffe auch eine Frage der Perspektive: „Den Dresdner Juden brachten die Angriffe die Chance, der Deportation zu entgehen. Die Gestapo-Zentrale brannte aus. Das Chaos in der Stadt konnten viele nutzen, um unterzutauchen. Auf der einen Seite steht die Katastrophe, auf der anderen die Chance zum Weiterleben.

“Der britische Historiker Frederick Taylor, Autor des Buches „Dresden, Dienstag, 13. Februar“ äußerte sich 2005 kritisch zu den Angriffen. Bei einem Vortrag im Dresdner Rathaus sprach er damals von einem „unbarmherzigen und kaltblütigen Angriff“: „Ich wünschte mir, die Royal Air Force hätte ihn nie getan.“ Zugleich ließ er die Frage offen, ob er die Bombardements als Kriegsverbrechen oder als rücksichtslose Kriegsführung betrachte. Darüber sei er sich noch nicht im Klaren.

Das Urteil über die Bombardierung Dresdens als Kriegsverbrechen war bereits von der NS-Propaganda in die Welt gesetzt worden. Die hatte die Zahl der Opfer künstlich in die Höhe geschraubt und von 200 000 Toten gesprochen - eine Größenordnung, die Neonazis bei ihren jährlichen Aufmärschen am Jahrestag der Zerstörung noch heute anführen.

Dabei wusste die Dresdner Polizei schon kurz nach dem Angriff ziemlich gut Bescheid und ging von 25 000 Opfern aus. Ein entsprechendes Dokument fand die von der Stadt eingesetzte Historikerkommission zum 13. Februar bei ihren Recherchen. Rogg spricht von einem Sensationsfund: „Das eine ist die Wahrheit, das andere die Propaganda.“

Auch Dresdens Oberbürgermeister Helma Orosz (CDU) tritt Mythen entgegen. 2014 hielt sie am Gedenktag eine bemerkenswerte Rede: „In Dresden wurden Waffen für den Krieg gefertigt und Zwangsarbeiter in Lagern gehalten. Das alles geschah nicht versteckt und heimlich. Es war für jeden sichtbar.“ Dresden habe Schuld auf sich geladen. „Unser Erinnern beginnt nicht am 13. Februar und es endet nicht damit“, sagte sie mit Verweis auf die Opfer der Nazis, brennende Synagogen und die Toten eines Krieges, der von Deutschland ausging.

Jörg Schurig, dpa

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