Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Wie die Stadt Dresden über Rauchverbot in Parks denkt
Dresden Lokales Wie die Stadt Dresden über Rauchverbot in Parks denkt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:03 07.11.2018
An der Tür des Sächsischen Landtages in Dresden hängt ein Rauchen-verboten-Schild, fotografiert zwischen den Türmen des Schlosses (r) und der Katholischen Hofkirche. Quelle: Archiv/M. Hiekel/dpa-Zentralbild
Dresden

In einigen europäischen Großstädten ist es schon Realität: In öffentlichen Parks herrscht Rauchverbot. Gegenüber den DNN äußern sich jetzt Stadt und Land, wie sie mit diesen Vorbildern umgehen wollen.

Beispiel Straßburg: Die Metropole an der deutsch-französischen Grenze, malerisch am Rhein gelegen und Sitz des Europäischen Parlaments, verbannt Zigaretten komplett aus Parks und Stadtwäldern. Der dortige Stadtrat will damit die verbreitete Nikotinsucht weiter eindämmen.

Trinkwasser ungenießbar

Außerdem soll die Zahl der umweltschädlichen Zigarettenstummel in Parks reduziert werden. In der Natur dauere es zwölf Jahre, bis ein Stummel komplett abgebaut sei. Bis dahin könne er 500 Liter Trinkwasser ungenießbar machen, argumentiert die Stadt laut einem Bericht der Deutschen Presseagentur (dpa). Ab 2019 drohen in Straßburg sogar Bußgelder.

Testlauf in Paris

Beispiel Paris: Kurz nach den Straßburgern haben die Hauptstädter im Nachbarland nachgezogen. Sie verhängten für sechs kleinere städtische Anlagen ein Rauchverbot und folgten damit laut „Spiegel“ Vorbildern aus Finnland, Island, Großbritannien und einigen US-Städten. Bewährt sich die Regelung in dem viermonatigen Test, könnte ab 2019 eine Zigarette im Park 38 bis 68 Euro kosten, möglicherweise sogar in allen Parks in Paris.

Momentan können Raucher in Dresden wie hier im Hermann-Seidel-Park noch ganz entspannt ihrer Sucht nachgehen. Quelle: Dietrich Flechtner

Verbot auf Spielplätzen

In Dresden ist das Rauchen bereits auf den öffentlichen Spielplätzen untersagt. Das regelt Paragraf 4 der Grünanlagensatzung. In einigen Park- und Erholungsanlagen wie dem Großen Garten, der Parkanlage von Schloss Pillnitz und dem Zwinger gelten Parkordnungen, die der Freistaat Sachsen als Flächeneigentümer festgelegt hat. Rauchverbot gibt es dort nicht und wird es auch nicht so schnell geben. Der staatliche Verwalter „Schlösser, Burgen und Gärten“ hat nach Auskunft eines Sprechers keine Pläne für Restriktionen gegen Raucher.

Stadt ist zurückhaltend

Auch die Stadt ist grundsätzlich zurückhaltend, hat aber schon weitergehende Vorstellungen. „Überlegungen die derzeitige Regelung zu erweitern oder durch einzelne Parkordnungen zu ergänzen“ sind bislang nicht geplant, hieß es auf DNN-Anfrage.

Für und Wider

Dabei kann die Verwaltung strengeren Bestimmungen durchaus etwas abgewinnen. „Für weiterführende Regelungen sprechen sicher Aspekte der Gesundheitsförderung und der Schonung der Umwelt.“ Dagegen spreche, dass Grünanlagen von Personen und Personengruppen mit den unterschiedlichsten Interessen genutzt werden. „Anders als bei ausgewiesenen Kinderspielplätzen ist eine solche Reglementierung der Freizeit- oder Erholungsgestaltung sicher nicht kontrollierbar“, räumt die Stadt ein.

Suchtbeauftragte denkt weiter

Die Suchtbeauftragte der Stadt, Kristin Ferse, macht sich dennoch Gedanken. Grundsätzlich seien alle Maßnahmen zu begrüßen, die der Reduzierung des Tabakkonsums dienen. Sie sollten gut aufeinander abgestimmt sein und in ihrer Gesamtheit bewertet werden.

„Isolierte Rauchverbote in Parks sind aus suchtpräventiver Sicht jedoch nicht sinnvoll“, erklärte Ferse gegenüber DNN. Als wirksam würde sich die Kombination des Nichtraucherschutzgesetzes (NSG), mit dem das Rauchen in Sachsen unter anderem in Schulen, Gaststätten oder Behörden untersagt wird, mit Tabakaußenwerbeverboten und Einschränkungen des Konsums im öffentlichen Raum erweisen.

Konkret auf Verhalten zielen

„Auch Maßnahmen, die konkret auf das Verhalten der Bürgerschaft abzielen, gelten in der Verbindung mit verhältnispräventiven Maßnahmen als wirksam und nachhaltig.“ Ferse will grundsätzlich eher die Menschen zu bewussterem Umgang mit legalen Drogen bewegen, als mit der großen Keule des Verbots zuschlagen.

„Man sollte Raucher nicht stigmatisieren, wenn es eine legale Sucht ist.“ Im öffentlichen Raum gehöre aber auch die Disziplin dazu, die Zigaretten ordentlich zu entsorgen. Ferse gefällt, wie die Raucher dazu in anderen Städten animiert werden.

Wien will den Rest

In Wien beispielsweise gebe es an den Papierkörben mit dem Slogan „Gib mir den Rest“ jeweils schlauchartige Gefäße, die einer großen Zigarette ähneln und auf den passenden Ort für die Entsorgung der Kippenreste hinweisen. „Es geht um das fröhliche Auffordern, es richtig zu tun“, setzt Ferse auf die Einsicht der Nikotinanhänger, die in Dresden weniger vertreten sind als im Sachsen- und Bundesdurchschnitt.

Die Suchtbeauftragte Kristin Ferse will das Bewusstsein der Dresdner im Umgang mit legalen Drogen ändern. Dabei gefallen ihr Lösungen, wie sie beispielsweise Wien bietet. Quelle: privat/Ferse

Konkret für Dresden gibt es für die Verwaltung bereits Handlungsvorgaben im Strategiepapier zur Suchtprävention. Oberbürgermeister oder Oberbürgermeisterin werden damit vom Stadtrat „beauftragt, nach kommunalen und verhältnispräventiven Möglichkeiten der Reduzierung von Alkohol-und Zigarettenkonsum und geeigneten Partnern dafür zu suchen und diese Möglichkeiten auszuschöpfen“.

Um Alkohol-und Zigarettenkonsum an Orten an denen sich Kinder, Jugendliche und Familien aufhalten, zu reduzieren, soll die Stadtspitze auf „entsprechenden kommunale Partner zuzugehen, um entsprechende Vereinbarungen zu treffen“.

Appelle bei DVB und Zoo

Teilweise gibt es solche „verhältnispräventive Maßnahmen“ im öffentlichen Raum schon: Die Dresdner Verkehrsbetriebe DVB bitten an allen Haltestellen um Rauchverzicht und auch der Dresdner Zoo appelliert auf Eintrittskarten und Flyern an Besucher, auf das Rauchen im Interesse der Kinder weitestgehend zu verzichten.

Nächstes Ziel ist für die Suchtbeauftragte der Verzicht auf Tabakaußenwerbung. Statt eines generellen Rauchverbots, hält sie es eher für sinnvoll, „in Parks mit häufigen Aufenthalt von Familien mit Kindern spezielle Nichtraucherzonen zu kennzeichnen“. Konkrete Pläne gibt es dafür aber noch nicht.

Wegwerfen ist Ordnungswidrigkeit

Zigarettenstummel könnten in Dresden in jedem öffentlichen Papierkorb entsorgt werden. Was viele Raucher möglicherweise gar nicht wissen: Das Wegwerfen ist eine Ordnungswidrigkeit. Das es insbesondere an hoch frequentierten Orten auch zu Verschmutzungen durch liegen gelassene Zigarettenstummel kommt, ist der Stadt bekannt. Besondere Beschwerden lägen dazu jedoch nicht vor.

Von Ingolf Pleil

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der von den UN-Mitgliedstaaten beschlossene Migrationspakt soll am 10. und 11. November angenommen werden. Die sächsische AfD sieht dies kritisch und hat nun zum Protest vor dem Landtag aufgerufen.

06.11.2018

Das Stadtgebiet von Dresden umfasst auch ländlich geprägte Gebiete mit landwirtschaftlicher Nutzung. Dort ist das Umweltamt aktiv und versucht, wieder Artenvielfalt in monotone Agrarlandschaften zu bringen. Ein mühsamer Weg, der einen langen Atem erfordert.

06.11.2018

Im Wettbewerb um die „Zukunftsstadt“ ist Dresden eine Runde weiter. Nun werden Projektideen in Form von sogenannten „Reallabors“ getestet. Im kommenden Jahr beginnen die Untersuchungen rund um Stadtgrün, weniger Materialverschwendung und mehr Nachhaltigkeit. Auch die Idee einer autofreien Neustadt soll ausprobiert werden.

06.11.2018