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Lokales Wie die Stadt Dresden Unterkünfte für Asylbewerber schafft
Dresden Lokales Wie die Stadt Dresden Unterkünfte für Asylbewerber schafft
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09:31 04.11.2015
Nach den gegenwärtigen Prognosen muss die Landeshauptstadt in diesem Jahr 5365 Asylbewerber aufnehmen. Quelle: dpa
Dresden

Die Landeshauptstadt Dresden hat bis zum 31. Oktober 2638 Asylbewerber aufgenommen. Das teilte Holm Felber, Sprecher der Landesdirektion Sachsen (LDS), am Dienstag auf Anfrage der DNN mit. Nach den gegenwärtigen Prognosen muss die Landeshauptstadt in diesem Jahr 5365 Asylbewerber aufnehmen.

Gegenwärtig deutet indes noch nichts darauf hin, dass der Freistaat in der Lage ist, mehr Flüchtlinge aus den Erstaufnahmeeinrichtungen an die Kommunen zu verteilen. Nach internen Unterlagen der LDS sollen auch im November wie in den vergangenen beiden Oktoberwochen 1127 Asylbewerber pro Woche aus Unterkünften des Freistaats zur Unterbringung in die kreisfreien Städte und Landkreise gebracht werden. Das würde bedeuten, dass Dresden weiter bis Ende November 98 Asylbewerber pro Woche aufnehmen müsste.

Nach Angaben der Landeshauptstadt wurden in der letzten Oktoberwoche sogar nur 51 Asylbewerber vom Freistaat zugewiesen. Für diese Woche seien 103 neue Flüchtlinge angekündigt worden. Die Verantwortlichen in der Stadt gehen nach DNN-Informationen davon aus, dass in diesem Jahr noch rund 1000 Asylbewerber eine Unterkunft benötigen. Plätze sollen vor allem in Wohnungen entstehen. Die Projektgruppe "Asyl" der Landeshauptstadt prüft außerdem städtische Liegenschaften und externe Angebote auf ihre Eignung als Asylbewerberunterkunft. Reichen diese Plätze nicht, könnten auch Notunterkünfte in Turnhallen entstehen, heißt es. Die jetzt ankommenden Asylbewerber würden im Übergangswohnheim in der Katharinenstraße und in Wohnungen untergebracht. Nächste Woche soll die Notunterkunft im Schulkomplex Boxberger Straße mit 144 Plätzen ans Netz gehen.

Für nächstes Jahr geht die Stadt von 5500 Asylbewerbern aus, die ein Quartier benötigen. 1000 Plätze sollen in leerstehenden Hotels geschaffen werden, insgesamt 2000 Plätze an mehreren Containerstandorten. 1300 Plätze sollen in ungenutzten Immobilien entstehen. Darüber hinaus gehender Bedarf müsse mit Turnhallen, Zelten und anderen Interimslösungen gedeckt werden, steht in Dokumenten der Stadt, die den DNN vorliegen. 2017 rechnet die Verwaltung mit 4800 Asylbewerbern.

Der jährliche Investitionsbedarf für Quartiere beträgt laut Verwaltung rund 50 Millionen Euro. Etwa 1600 Wohnungen pro Jahr würden benötigt, der soziale Wohnungsbau müsse angekurbelt werden. Wer die Investitionskosten für Heime und Wohnungen tragen soll, ist gegenwärtig noch nicht geklärt.

Sollte der Freistaat Sachsen seine Pauschale von 7600 Euro pro Asylbewerber und Jahr nicht signifikant erhöhen, bleibe die Landeshauptstadt in diesem Jahr auf fast zehn Millionen Euro Kosten sitzen, rechnet die Verwaltung vor. Die Ausgaben für alle Sach- und Dienstleistungen, Personalkosten, Umlagen und Mieten würden 12 325 Euro pro Asylbewerber und Jahr betragen. Im nächsten Jahr könnte das Defizit sogar auf 12,63 Millionen Euro anwachsen.

Die Unterbringung ist aber nur ein Teilaspekt bei der Asylbewerber-Problematik - die Integration ein ebenso wichtiger. Die Stadt will noch dieses Jahr 40 weitere Sprachkurse für je 20 Teilnehmer anbieten. 2016 sollen 250 Kurse angeboten werden. Die Kompetenzen der Asylbewerber sollen erfasst werden, 500 Arbeitsgelegenheiten für Asylbewerber sind im nächsten Jahr geplant. Gleichzeitig sollen 200 Asylbewerber in Jobs und 200 in Praktika vermittelt werden, außerdem 100 eine Lehre oder Ausbildung aufnehmen. 100 Asylbewerber könnten studieren, hofft die Stadt.

Weitere dringende Aufgaben seien die Aktualisierung des Fachplanes Kindertagesstätten, des Bildungsplanes sowie des Schulnetzplanes. Die Flüchtlingsproblematik habe auch Auswirkungen auf den Wohnungsbau und die Entwicklung der Infrastruktur und nicht zuletzt auf die Personalentwicklung der Stadtverwaltung.

Thomas Baumann-Hartwig

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