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09:09 04.12.2018
Martin Dulig bringt seinen Küchentisch nach Gorbitz. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Der SPD-Landesvorsitzende Martin Dulig kommt mit seinem Küchentisch am Dienstag um 19 Uhr nach Gorbitz. Um 19 Uhr stellt er sich in den Räumen der Volkssolidarität am Altgorbitzer Ring 58 den Fragen der Einwohner des Stadtteils und aller Interessenten. Es ist die 51. Station der Küchentisch-Tour. Im DNN-Interview zieht Dulig ein Fazit der Gespräche.

Wie sieht Ihr Küchentisch nach dem Dauergebrauch aus? Ist er arg abgenutzt?

Martin Dulig: Natürlich hinterlässt der andauernde Gebrauch Spuren. Jedoch nichts, was mit handwerklichem Geschick, reichlich Schrauben und acht Stahlwinkeln nicht zu reparieren wäre. Jede kleine Schramme erzählt spannende Geschichten von den vielen Gesprächen und Erlebnissen auf unserer Tour.

Was erwarten Sie in Dresden für Fragen? Wird es da Unterschiede geben zum ländlichen Raum?

„Am Küchentisch sind alle Fragen erlaubt“

Politische Debatten in Dresden haben in den vergangenen Jahren weit über die Stadt hinausgewirkt.2017 waren wir zwei Mal mit unserem Küchentisch in der Stadt. Beide Male gab es sachliche Diskussionen. Hart in der Sache ja, aber immer in dem Ziel geeint, die Stadt voranzubringen. Denn genau darum geht es: Im Dialog Vertrauen zueinander zu finden. Gleiches erlebe ich übrigens auch bei unseren Gesprächen in eher ländlich geprägten Regionen. Die Menschen kommen mit konkreten Anliegen, was sie vor Ort bewegt. Sie suchen den Dialog.

Gab es einmal eine Frage, auf die Sie erst mal nichts antworten konnten?

Am Küchentisch sind alle Fragen erlaubt, jeder kann seine persönlich wichtigen Themen vorbringen. Und zu unserem Gesprächsangebot gehört es auch, offen zuzugeben, wenn man mal keine Antwort hat. Wir nehmen die Fragen dann schriftlich auf und beantworten sie im Nachgang der Veranstaltung.

Was passiert eigentlich mit den Problemen, die Sie vorgetragen bekommen? Ins eine Ohr rein, aus dem anderen Ohr raus?

Keine Sorge, zwischen den Ohren ist ein guter Filter, da bleibt einiges hängen. Aber im Ernst. Für uns sind die Gespräche am Küchentisch unglaublich wichtig. Sie sind wie ein Seismograph für die Stimmungen im Land und bei den Menschen. Viele bewegt zum Beispiel das Thema Hartz IV. Kaum eine Veranstaltung vergeht ohne eine Frage dazu. Im Bund geht die SPD das jetzt spürbar an. Das ist gut und das ist wichtig. Die Diskussionen am Tisch nehme ich selbstverständlich nach Berlin oder nach Dresden mit, wenn es an Entscheidungen geht. Viele Menschen wissen auch nicht, an wen sie sich mit ihren Anliegen wenden können, kennen vielleicht nicht die richtigen Ansprechpartner. Da wollen wir während und auch im Nachgang der Küchentisch-Veranstaltungen helfen und vermitteln.

Gorbitz ist ein lebenswerter Stadtteil!“

Gorbitz ist ein sozialer Brennpunkt. Wie kann dieser Stadtteil als lebenswertes Wohngebiet entwickelt werden?

Ich will wissen, wo den Menschen in Sachsen der Schuh drückt. Deshalb gehen wir mit unseren Veranstaltungen bewusst dort hin, wo in Sachsen das Leben stattfindet. Ich finde, der Dresdner Westen und Gorbitz sind sehr spannende Viertel, vielleicht sogar spannender als andere Stadtteile, wo Herausforderungen bereits lange geklärt wurden und eine allgemeine „Wohlfühlatmosphäre“ vorherrscht. Ich freue mich, dass mit den beiden SPD-Mitgliedern Eva-Maria Stange und dem Gorbitz-Experten Mathias Körner gleich zwei Kämpfer für den Dresdner Westen mit am Tisch sitzen werden. Gorbitz ist ein lebenswerter Stadtteil! In den vergangenen Jahren ist da extrem viel passiert. Die schöne neue Höhenpromenade oder die Sanierung der lieb gewonnenen ostdeutschen Platten sind da nur einige Beispiele.

Die „lieb gewonnene ostdeutsche Platte“: In Gorbitz steht sie überall. Quelle: Monika Skolimowska/dpa

Wie kann Wohnen in Dresden eine bezahlbare Größe bleiben?

Der WOBA-Verkauf durch CDU, FDP und Teile der damaligen PDS war ein riesiger Fehler. Aber diesen Fehler aufzuarbeiten, braucht Zeit. Auf der Gründung einer neuen Wohnungsbaugesellschaft darf sich Dresden jetzt nicht ausruhen. Wenn sich die Preise so weiterentwickeln, fände ich einen Mietenstopp in den sächsischen Großstädten sinnvoll. Es braucht aber auch eine gute und langfristige Kommunalpolitik, die das Wohnproblem dauerhaft angeht. In Dresden sehe ich das Thema bei der SPD in guten Händen. Denn die SPD hat damals entschieden gegen den Verkauf der WOBA gekämpft und sich später intensiv dafür eingesetzt, dass eine neue Gesellschaft in Dresden gegründet wird.


Dresden will ab 2020 städtische Mittel für ein Schülerticket einstellen.
Wird das Geld gebraucht oder kommt das landesweite Bildungsticket eher?

Das Thema ÖPNV treibt viele Menschen um. Ich habe im Wahlkampf gesagt, dass ich ein Bildungsticket möchte. Für dieses Ticket habe ich mich immer engagiert. Bei all unseren Verhandlungen mit den Zweckverbänden musste ich jedoch feststellen, dass sie das Ticket nicht wollen. Ich bestehe auf dem Bildungsticket, das habe ich bei den Verhandlungen immer klar gemacht und deshalb schlage ich auch die Landesverkehrsgesellschaft vor. Und daran halte ich fest. Tarif-Dschungel und Zuständigkeits-Chaos müssen der Vergangenheit angehören.

„Die Küchentischtour geht weiter. Versprochen!“

Ich will einen ÖPNV, der in ganz Sachsen funktioniert. Und zwar ohne, dass einzelne Verkehrs-Fürsten aus eigenem Interesse ein Großes gemeinsames Ganzes torpedieren können. Ich sage aber auch, dass ich nach wie vor bereit wäre, über ein landesweites Bildungsticket zu verhandeln, noch bevor die Landesverkehrsgesellschaft Anfang der 2020er Jahre kommen wird. Wenn die Landräte es nun doch wollen, dann können wir etwas vereinbaren. Aber nur zu Konditionen, die wirklich sinnvoll für Schüler sind. Für mich heißt das, ganztägige Möglichkeit zum Fahren und nicht teurer als 15 Euro. Insofern kann die Frage, ob das Bildungsticket vor 2020 kommt nur von den Landräten und ihren Zweckverbänden beantwortet werden – von mir aus sehr gerne.

Mit Thomas Jurk hat sich ein Sozialdemokrat für den Fernsehturm engagiert. Wie sehen Sie die geplante Sanierung?

Thomas Jurk hat es durch beharrliches Arbeiten im Haushaltsausschuss geschafft, diese Debatte entscheidend voranzubringen und zu lösen. Dass ein Wahrzeichen nach Jahren des Schlummerschlafen nun wachgeküsst werden kann, freut mich sehr.

Kommt der Küchentisch jetzt in Ihre Wohnung oder gehen Sie nächstes Jahr wieder auf Tour?

Der Küchentisch ist mittlerweile zu einer echten Marke für den Dialog auf Augenhöhe geworden. Nach drei Jahren auf Tour und bisher genau 50 Veranstaltungen kann ich sagen, dass sich wirklich jeder Termin mehr als gelohnt hat. Ich bin sehr dankbar für jedes Gespräch und jeden Impuls, die wir so in den vergangen Jahren erleben durften. Auch und gerade deswegen: Die Küchentischtour geht weiter. Versprochen!

Von Thomas Baumann-Hartwig

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