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Lokales „Who killed Khaled?“: 3500 Migranten und Dresdner erinnern an ermordeten Eritreer
Dresden Lokales „Who killed Khaled?“: 3500 Migranten und Dresdner erinnern an ermordeten Eritreer
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17:11 09.09.2015
Mit einem Marsch durch die Dresdner Innenstadt gedachten Tausende Bewohner des ermordeten Asylbewerbers Khaled I. Quelle: Tanja Tröger

Zudem müssten Rechte und Sicherheit von Flüchtlingen gewährleistet werden. Bislang ist unklar, warum der 20-Jährige, der erst vor vier Monaten nach Deutschland gekommen war, umgebracht wurde. Viele der Demonstranten befürchteten, dass die Tat einen fremdenfeindlichen Hintergrund haben könnte. Einige Redner äußerten ihre Besorgnis, dass der Mord - ähnlich wie bei den Tötungen durch den NSU - möglicherweise nicht als rassistisch motiviert erkannt werde. Dresden habe ein Problem mit Rassismus. Aufgrund der maßgeblich durch Pegida aufgeheizten Stimmung gegen Flüchtlinge hätten viele Migranten Angst, am Montag auf die Straße zu gehen.

Bei der Auftaktkundgebung auf dem Jorge-Gomondai-Platz hatte neben mehreren Migranten sowie Vertretern des sächsischen Flüchtlingsrates und der Opferberatung des RAA Sachsen auch die Ausländerbeauftragte der Stadt Dresden, Kristina Winkler, gesprochen. „Wir alle stehen in der Verantwortung, die Schwächsten der Gesellschaft zu integrieren und zu schützen“, sagte sie. Es sei ein Armutszeugnis für Dresden, dass Flüchtlinge hier Angst haben müssten. Unter den Demonstranten waren auch Stadt- und Landräte sowie Vertreter des Staatsschauspiels Dresden.

„Who killed Khaled?“

Hunderte Migranten erinnerten mit Fotos und Sprechchören an Khaled I. Quelle: Tanja Tröger
Nach einer Schweigeminute für Khaled I. setzte sich der Demonstrationszug in Richtung Altstadt in Bewegung. Die an der Spitze marschierenden Eritreer fragten immer wieder laut und eindringlich: „Who killed Khaled?“ (Wer hat Khaled umgebracht?). Außerdem riefen sie „Ich bin Khaled“, „No space for Racism“ (kein Platz für Rassismus) und „Walk together“ (gemeinsam laufen). Insgesamt zogen zwischen 3000 und 4000 Menschen friedlich von der Neustadt über die Carolabrücke zum Polizeipräsidium an der Schießgasse, weiter zur Frauenkirche und von dort zum Landtag, den sie gegen 18.15 Uhr erreichten. Dort sorgte die Tatsache für Irritation unter den Teilnehmern, dass der Bernhard-von-Lindenau-Platz komplett abgeriegelt war und von einer Hundertschaft Polizisten geschützt wurde. Es verlautete, dass der Landtagspräsident seine Genehmigung verweigert habe, den Platz zu nutzen. Die Demonstrationsteilnehmer blieben besonnen und hielten ihre Abschlusskundgebung auf der Straße Terrassenufer/Am Zwingerteich ab. Gegen Ende der dreistündigen Veranstaltung war die Teilnehmerzahl aufgrund der Temperaturen auf unter 2000 gesunken. Die Polizei teilte am Abend mit, es seien bis auf einige Verkehrseinschränkungen keine Störungen registriert worden. Im Einsatz waren 180 Beamte.

Der 20-jährige Khaled I. aus Eritrea war am Dienstagmorgen tot neben dem Wohnhaus in Leubnitz-Neuostra gefunden worden, in dem er mit sieben weiteren Asylbewerbern in einer Wohngemeinschaft lebte. Nachdem die Polizei zunächst mitteilte, dass sie keinerlei Anzeichen für Fremdeinwirkung habe feststellen können, wurden bei der Obduktion etliche Messerstiche in Hals und Brust entdeckt, an denen der junge Mann verstorben war.

Grünen-Politiker Beck verteidigt Anzeige gegen Dresdner Ermittler

Unterdessen hat der innenpolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, seine Strafanzeige gegen die Dresdner Ermittlungsbehörden im Fall des getöteten Asylbewerbers verteidigt. „Wenn es Fehler gab, müssen sie analysiert werden. Wir müssen feststellen, wer dafür verantwortlich ist und die Fehler für die Zukunft abstellen“, sagte Beck dem Sender WDR 5. Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) hatte die Strafanzeige als nicht hilfreich bei der Aufklärung bezeichnet. Der Grünen-Politiker Beck sagte dazu dem Sender: „Das klingt ein bisschen nach Vertuschen.“ Becks Anzeige richtet sich gegen unbekannt wegen möglicher Strafvereitelung im Amt.

ttr/dpa

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