Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Werden Schokoriegel-Hersteller auch Tierkliniken in Dresden übernehmen?
Dresden Lokales Werden Schokoriegel-Hersteller auch Tierkliniken in Dresden übernehmen?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:00 13.09.2018
Ein Hund beim Tierarzt Quelle: dpa-tmn
Anzeige
Dresden

Drohende Schweinepest, zunehmende Zivilisationskrankheiten bei Haustieren und Tierarztmangel im ländlichen Raum: Tierärzte stehen vor großen Herausforderungen. Am 13. und 14. September diskutieren Kleintierärzte, Nutztierärzte und Amtstierärzte beim Deutschen Tierärztetag über die Zukunft ihres Berufs. Zum ersten Mal ist Dresden Tagungsort für die drei Jahre stattfindende Versammlung.

Für viele Dresdner sind Hund, Katze oder Pferd ein festes Familienmitglied. Wenn es ihm schlecht geht, hilft der Tierarzt. Doch gibt es in Dresden überhaupt noch genug Tierärzte, die in Notfällen auch am Wochenende oder nachts dem kranken Tier helfen können? Diese und weitere Fragen zur Zukunft der hiesiegen Tierärzte haben die DNN dem Dresdner Tierarzt und Vorsitzendem der Landestierärztekammer Uwe Hör­ügel ge­stellt.

Gibt es in Dresden und dem Umland genug Tierärzte?

Großstädte wie Dresden sind mit Kleintierärzten gut versorgt. Probleme haben wir im ländlichen Raum, zum Beispiel im Erzgebirge, wo es an Tierärzten fehlt. Dieses Problem wird sich noch weiter verschärfen.

Woran liegt das?

Das Problem der Unterversorgung mit Tierärzten auf dem Land ähnelt dem Humanärztemangel. Zwar sind die Bewerberzahlen für Tiermedizin-Studiengänge hoch, aber die jungen Absolventen wollen lieber in der Stadt leben und arbeiten als auf dem Land

Auch Firmen sehen das Problem und investieren ihr Geld in private Tierkliniken in Europa– so wie aktuell der amerikanischen Schokoriegelhersteller „Mars“. Wird das Auswirkungen auf die sächsischen Tierärzte haben?

Durch die aktuelle Niedrigzinsphase versuchen ausländische Investoren ihr Geld anzulegen und kaufen auch in Deutschland Tierarztpraxen auf. Als Tierärztekammer sprechen wir uns dagegen aus, weil der Wechsel von praxisinnehabenden Tierärzten zu angestellten Tierärzten die Therapiefreiheit gefährdet.

In Sachsen haben wir durch das Heilberufe-Kammergesetz allerdings einen Sonderfall. Das Gesetz verhindert bisher die Übernahme von Tierarztpraxen durch Investoren. Eine endgültige Entscheidung zur Übernahme von Tierarztpraxen durch Investoren wird aber wohl auf Europa-Ebene gefällt werden. Wir hoffen, dass das sächsische Gesetz aufrecht erhalten werden kann.

Welche Tierleiden beschäftigen Tierärzte aktuell besonders?

Wie beim Menschen, spielen auch bei Haustieren Zivilisationskrankheiten eine zunehmende Rolle, zum Beispiel Übergewicht und Diabetes. Viele Tierhalter nutzen zuerst „Dr. Google“, wenn es ihrem Tier schlecht geht. Allerdings stimmen die Diagnosen nicht immer.

Zum 1. Januar soll es verboten sein Ferkel ohne Betäubung zu kastrieren – noch werden verschiedene Wege zur Umsetzung diskutiert – was ist die Lösung?

Derzeit gibt es für Schweinehalter die Möglichkeit der Ebermast ohne Eingreifen, der Vollnarkose für den Eingriff oder die „Eberimpfung“, bei der ein Mittel injiziert wird, das im Blut Antikörper gegen die Hormone produziert und so den Ebergeruch mindert. Ein vierter Weg wird aktuell diskutiert: Der Bayrische Bauernverband will durchsetzen, dass die Ferkelkastration auch mit lokaler Betäubung der Samenstränge durchgeführt werden darf. Das lehnen wir aus Tierärzte-Sicht entschieden ab. Denn zum jetzigen Zeitpunkt gibt es kein Medikament, das eine ausreichende lokale Schmerzausstellung erreicht. Somit erfüllt der „4. Weg“ nicht die Vorgaben des Tierschutz-Gesetz.

Wir befürworten die Eberimpfung, die zu Unrecht in Verruf geraten ist. Es handelt sich nicht um eine Hormonbehandlung. Es werden keine Hormone gespritzt, sondern die Impfung produziert Antikörper gegen einige Hormone von männlichen Ferkeln.

Viele sächsische Bauern fürchten die Afrikanische Schweinepest. Tierärzte auch?

Wir sind für einen möglichen Ausbruch gut vorbereitet und spielen in einer Tierseuchenübung im Dreiländereck das Szenario durch. Die Gefahr eines Ausbruchs besteht. Ein großes Risiko ist der LKW-Verkehr aus Rumänien und Bulgarien. An der Autobahn sind deshalb bereits Schilder installiert, die davor warnen fleischhaltige Essensreste zum Beispiel an Parkplätzen liegen zu lassen. Dadurch könnten sich Wildschweine infizieren.

Abschließend: Was ist die größte Herausforderung für Tierärzte in Dresden und dem Umland?

Traditionell ist der Tierarzt ein sehr arbeitsintensiver Beruf mit Wochenend- und Nachtdiensten. Viele Nachwuchskräfte legen, verständlicherweise, viel Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance und sind weniger bereit selbst Praxen zu übernehmen und damit Sonderdienste auszuführen. Dem so entstehenden Mangel müssen wir, besonders im ländlichem Raum, schnell entgegenwirken.

Von Tomke Giedigkeit

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Lokales HTW und Firma Skeleton - Schnelle Stromspeicher aus Dresden

Ultrakondensatoren (Ultracaps) sind Energiespeicher, die elektrischen Strom extrem schnell aufnehmen und abgeben können. In Zukunft könnten sie beispielsweise die Reichweite von Elektroautos deutlich erhöhen. Die Firma Skeleton und die HTW Dresden forschen derzeit gemeinsam an einer neuen, verbesserten Ultracap-Generation.

13.09.2018
Lokales Diskussion über die Wahlkreise für 2019 - Elf oder zwölf? Wo Dresden wählt

Die Verwaltung schlägt zwölf Wahlkreise für die Kommunalwahl 2019 vor, die rot-grün-rote Stadtratsmehrheit will nur elf – und Loschwitz mit Leuben zusammenlegen. Schönfeld-Weißig soll nach Klotzsche wandern.

13.09.2018

Fraunhofer-Ingenieure haben eine Lasergravur gegen Reibung entwickelt, die Skier schneller bergab sausen lassen und den Spritverbrauch von Autos um ein Zehntel senken kann. Dafür erzeugen sie mit ultrakurzen Laser-Pulsen sehr feine und reibungsmindernde Fischgräten-Muster.

13.09.2018
Anzeige