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08:42 31.05.2018
Sophia Liehn vom Kontaktbüro "Wölfe in Sachsen". Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Aus genetischer Sicht ist kein Tier dem Wolf so nah wie der Hund – ist er doch die gezähmte Form des Wolfes. Doch während der Mensch seit Jahrzehnten Seite an Seite mit dem Hund lebt, gehen sich Wolf und Mensch lieber aus dem Weg. Doch warum ist das so? Ökologin Sophia Liehn vom Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ räumte bei der letzten Kinderuni-Vorlesung des Sommersemesters am Dienstagabend mit Mythen auf, die sich um den Vorfahren des Hundes ranken. „Wolf – wer bist du?“ hieß das Thema des Abends im Hörsaal des Deutschen Hygiene-Museums.

Die Eckzähne des Wolfs sind scharf und spitz. Seine Beutetiere tötet er mit einem gezielten Kehlenbiss, erfahren die jungen Studenten. Quelle: Anja Schneider

Zuerst stellte die Expertin den Kleinen einige allgemeine Fakten vor: „Es gibt viele Wolfsarten, in unseren Breiten kommt jedoch nur der Europäische Grauwolf vor.“ Liehn gab ein grau-braunes Wolfsfell herum. „Der Wolf ist etwa 60 bis 90 Zentimeter hoch und wird 30 bis 40 Kilo schwer. Früher war der Wolf in ganz Europa verbreitet“. Der Beamer warf eine grau eingefärbte Europakarte auf die Leinwand. Wie sehr die Bestände zurückgegangen sind, zeigte eine zweite, aktuelle Karte. Die jungen Zuschauer waren sichtlich schockiert in Anbetracht der wenigen grauen Flecken.

Hunde stören Wölfe mehr als Krach

Dabei braucht der Wolf seinen Platz, erläuterte Liehn: „Die Eltern und ihre Welpen leben in einem 150 bis 350 Quadratkilometer großen Territorium. Eine Wolfsfamilie beansprucht also eine Fläche für sich, die so groß ist wie ganz Dresden.“ Der Vergleich versetzte die Kinder in Staunen. „Boah“, entfuhr es einem Jungen.

Und wie begrenzen die Wölfe ihr großes Gebiet? „Mit Urin“, sagte Liehn, „wie ein Hund. Für Wölfe ist es anstrengend, wenn Hunde ihr Territorium kreuzen, denn sie markieren ihr Gebiet auch. Durch den Wald laufen zu oft Menschen mit Hunden, daher haust der Wolf lieber in Tagebaugebieten oder auf Truppenübungsplätzen. Krach stört Wölfe weniger, als wenn 20 Hunde täglich ihre Markierung zerstören.“

Wildschweine, Hirsche, Rehe und Hasen – auf dem Speiseplan des Wolfs steht Fleisch, ließ Liehn wissen. Die Wolfsexpertin schilderte anhand eines Wolfsschädels, wie das Raubtier seine Beute durch einen Kehlbiss tötet. „Mit den langen Eckzähnen beißt der Wolf hinter die Kehle. So macht er die Luftröhre und die Hauptschlagader des Beutetiers kaputt. Es stirbt sofort.“ An diesem Punkt mussten einige Kinder schlucken. Die Gesichter wurden nicht minder bleich, als Sophia Liehn beiläufig erwähnte, dass das gerissene Tier innerlich verblutet.

Kein Wolf wird als Problemwolf geboren

Die Angst vorm Wolf hält die Ökologin dennoch für unbegründet: „Kein Wolf wird als Problemwolf geboren. Wölfe sind scheue Tiere, vor denen man sich nicht fürchten muss.“ Nur füttern und provozieren sollte man den Räuber nicht. Die Angst vorm bösen Wolf werde durch Kindermärchen geschürt – und durch Vorurteile. „Irgendwann begann der Mensch, ebenfalls Wild zu jagen“, erzählte Liehn. „Die Wildbestände wurden minimiert und der Wolf begann zwangsläufig, Nutz- und Haustiere zu fressen. Daher verteufelte der Mensch den Wolf und stellte ihn als böse dar – bis heute.“

Nach der Vorlesung staubten die Kids noch ein Autogramm von Sophia Liehn ab und traten den Heimweg an – um die Erkenntnis reicher, dass der missverstandene Wolf im seltensten Fall kleine Mädchen mit roter Kopfbedeckung austrickst, um ihre Großmutter zu vernaschen.

Von Junes Semmoudi

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