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Lokales Weltweit gefragt: Suragus in Dresden wächst
Dresden Lokales Weltweit gefragt: Suragus in Dresden wächst
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15:41 07.02.2018
„Unsere Kunden sind international führende Innovatoren“, sagt Suragus-Chef Marcus Klein.  Quelle: Anja Schneider
Dresden

 Die Dresdner Spezialmesstechnik-Firma Suragus wächst: Die Fraunhofer-Ausgründung sucht derzeit neue Software- und Elektronik-Entwickler, um die steigende weltweite Nachfrage für Wirbelstrom-Messgeräte aus Sachsen zu befriedigen. „Wir bewegen uns in dynamischen Märkten. Unsere Kunden sind international führende Innovatoren“, erklärte Suragus-Chef Marcus Klein. „Daher ich rechne damit, dass unser Unternehmen in den nächsten Jahren weiter zulegen wird.“

Die Ursprünge von Suragus liegen bei Fraunhofer: Ingenieure des Dresdner Instituts für Zerstörungsfreie Prüfverfahren hatten die Firma im Jahr 2010 an der Maria-Reiche-Straße gegründet. Seither entwickelt und produziert Suragus im städtischen Nanozentrum besonders schnelle und präzise Messgeräte für kohlenstofffaserverstärkten Kunststoff (Karbon) und für dünne Schichten, wie sie beispielsweise in Smartphone-Bildschirmen stecken.

Materialanalyse: zu langsam, zu teuer, zu unpräzise

Diese Messgeräte induzieren Wirbelströme in die Werkstoffe beziehungsweise Schichten. Dann analysieren sie mit speziellen Sensoren, wie gut oder schlecht das Material diese Ströme leitet. Computerprogramme ziehen daraus Rückschlüsse auf die innere Struktur, Dicke, Festigkeit, Defekte und andere Werkstoffeigenschaften. Mit solchen Geräten lässt sich beispielsweise prognostizieren, wie lange später im Auto ein Karbonbauteil hält oder wie zuverlässig ein Handy-Bildschirm auch nach Jahren noch auf Fingergesten reagiert.

Zwar gibt es auch andere Möglichkeiten, Materialien zu analysieren, zum Beispiel mit Röntgenstrahlen, Ultraschall oder mechanische Zugtests. Diese Verfahren sind aber oft zu langsam, zu teuer, zu unpräzise – oder zerstören gar das getestete Bauteil. Die Suragus-Technik ist da zackiger: Sie erlaubt bis zu 50.000 Messungen pro Sekunde und liefert präzise zerstörungsfreie Analysen. Zu den Kunden der Dresdner gehören daher führende Smartphone- und Flugzeughersteller sowie deren Schlüsselzulieferer. „Aktuell sichert unsere Technologie, dass nur einwandfreies Karbon in den Rumpf von Großraumflugzeugen eingebaut wird“, sagt Klein. Mittlerweile realisiere die Firma 85 Prozent ihres Umsatzes im Ausland – von Australien bis Peru, von den USA, über China und Vietnam bis Neuseeland.

In den vergangenen drei Jahren habe sich der Umsatz verdoppelt, die Belegschaft von 20 auf 30 Mitarbeiter vergrößert, sagt Klein. Bis 2022 wolle er weitere 15 Spezialisten einstellen. Dann stehen womöglich auch ein Auszug aus dem Nanozentrum in Dresden-Klotzsche und der Bau einer eigenen Messgeräte-Fabrik zur Debatte.

Jacken, Tetrapaks und Limoflaschen gehen ins Internet

Beflügelt wird das Wachstum durch internationale Trends, die gerade richtig Fahrt aufnehmen und eines gemeinsam haben: Ohne exzellente Messtechnik funktionieren sie nicht. So setzen beispielsweise immer mehr Unternehmen Karbon ein, um leichtere Autos, Flugzeuge und andere Vehikel zu bauen. „Karbon wird durch den zunehmenden Einsatz im Transportwesen immer günstiger und dadurch attraktiv auch für andere Anwendungen, wo durch der Preis weiter sinkt.“, berichtet der Suragus-Chef. „Und je mehr Firmen dieses Material einsetzen, umso billiger wird es – und umso mehr nutzen dann wieder Karbon.“ Und das generiert wiederum mehr Aufträge für die Dresdner.

Auch holen mehr und mehr Industriezweige eine Entwicklung nach, die die Chipindustrie bereits vor etwa fünf bis zehn Jahren durchgemacht hat: Unter dem Etikett „Industrie 4.0“ entstehen hochproduktive, stark automatisierte und vernetzte Fabriken, die ihre Produktion selbstständig regeln. „Und wer regeln will, muss erstmal messen“, erklärt Klein, warum dieser Trend für Aufträge bei Suragus sorgt.

Nicht zuletzt wächst bereits das vielbeschworene „Internet der Dinge“ (englisch: IoT), in dem alles mit allem vernetzt ist: „Jacken, Milchpackungen. Cola-Flaschen – immer mehr wird in nächster Zeit funktionalisiert“, prophezeit Klein und stützt sich dabei auf die Einblicke, die ein führender Messtechnik-Hersteller eben in die verschiedenen Branchen gewinnt. In naher Zukunft werden Sensoren auf Flaschen und Tetrapaks die Temperatur überwachen und kleine Bildschirme Verfallsdaten oder gar Animation einspielen. Auch kommen mehr Jacken, Sportsachen und andere Kleidung in den Handel, in denen serienmäßig gedruckte Batterien und Sensoren eingenäht sind, ist der Suragus-Chef überzeugt. Diese „intelligenten“ Textilien werden uns die neuesten WhatsApp-Nachrichten anzeigen, uns vor Herzrasen warnen und uns vollnörgeln, wenn wir heute noch nicht genügend Schritte gelaufen sind. Klein: „Und dahinter stecken meist dünne Schichten, die mit unseren Messgeräten charakterisiert werden.“

Mehr Infos im Netz: suragus.com

Von Heiko Weckbrodt

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