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Lokales „Weltoffenes Dresden“ erinnert sich neu
Dresden Lokales „Weltoffenes Dresden“ erinnert sich neu
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08:54 12.02.2019
Ministerin Eva-Maria Stange (l.) und Bürgermeisterin Annekatrin Klepsch. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

In der Woche des Gedenkens an die Bombardierung Dresdens 1945 entwickelt das Bündnis „Weltoffenes Dresden“ neue dialogische Erinnerungs- und Gesprächsformate. Statt fester Container lädt ein mobiler Bus an verschiedenen Plätzen der Innenstadt und am Heidefriedhof zum Gespräch und zu Performances ein. „#WOD On Tour“ ist dieses von der Stadt geförderte Projekt überschrieben. Das stationäre Gegenstück bilden eine Ausstellung und Gesprächsangebote unter dem Titel „Große Auswahl. Einpacken für die Zukunft“ in der belebten Centrum Galerie auf der Prager Straße.

„Weltoffenes Dresden“ ist ein 2014 im Zusammenhang mit den ersten Pegida-Demonstrationen gegründetes Netzwerk von etwa 80 Dresdner Kulturinstitutionen. „Ein Netzwerk, das dringend nötig war“, erinnerte Sachsens Wissenschafts- und Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) an die Anfänge. Die Erinnerung an die Zerstörung Dresdens solle nicht nur historisieren, sondern die Frage stellen: „Was kann man tun, damit so etwas nie wieder geschieht?“ Sie sei bestürzt darüber, dass viele die verheerenden Seiten der Nazizeit inzwischen verdrängen würden. „Ich bin froh darüber, dass die Erinnerungskultur in Dresden in den vergangenen Jahren auf breite Füße gestellt wurde“, ergänzte Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke). Wegen des Aussterbens der Zeitzeugen stehe diese ohnehin im Umbruch. Sie hoffe deshalb auf reges Interesse der heutigen Schülergeneration.

Er sei mit einigen Bauchschmerzen 2018 als Stellvertreter von Intendant Peter Theiler und Chefdramaturg an die Semperoper gekommen, gestand Johann Casimir Eule. Umso mehr habe er sich über die Entdeckung einer Gegenöffentlichkeit wie dieses „Weltoffene Dresden“ gefreut. Kulturinstitutionen sollten diese Öffentlichkeit suchen. Für sein Haus kündigte Eule an, „Opern auf Gegenwartstauglichkeit zu befragen“.

Details zum Angebot im Doppelstockbus erläuterte Christiane Mennicke-Schwarz vom Kunsthaus Dresden. Sie nannte das Mobil einen „fahrenden Reflexionsraum“, in dem gesendet und empfangen werde. Es gehe darum, gesprächsbereite Menschen „bei ihren Lebenserfahrungen abzuholen“. Inspirierend sollen Videodokumentationen wirken, die beispielsweise an die deutsche Kolonialzeit und ihre Folgen erinnern.

Am heutigen Dienstag beginnt das Programm am und im Bus gegen 14 Uhr auf dem Altmarkt mit einem Gespräch über 100 Jahre Frauenwahlrecht. Schauspieler des Staatsschauspiels inszenieren in einer „Tischtheatersession“ mit Passanten kleine Spielszenen. Die Landesbühnen Sachsen lesen aus Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“, am 13.Februar dann der ehemalige SLUB-Direktor Thomas Bürger Erinnerungen von Victor Klemperer. Das Kästner-Museum hat eine kleine mobile Bibliothek zur Verfügung gestellt. Abgerundet wird das Programm durch Musik und Performances.

Für das stationäre Angebot in der Centrum-Galerie steht die Gesellschaft für Friedenskultur „Memorare Pacem“. Historiker Matthias Neutzner, der sich mit Forschungen zum 13.Februar 1945 Verdienste erworben hat, erklärt das bewusst gewählte marktschreierische Format an diesem Ort. Wie ein symbolischer Koffer für den Weg in die Zukunft sollten aus dem großen Angebot der Erlebnisse und Erinnerungen jene ausgewählt werden, die positiv und produktiv für diese Zukunft wirken können. Auch hier steht das Gesprächsangebot im Mittelpunkt. Sowohl Schüler als auch Wissenschaftler stehen dafür zur Verfügung. Lesungen, Tanz und Musik lockern die Diskussionen auf.

Von mb

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