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Lokales Welle der Hilfsbereitschaft: Dresdner engagieren sich für Willkommenskultur in der Stadt
Dresden Lokales Welle der Hilfsbereitschaft: Dresdner engagieren sich für Willkommenskultur in der Stadt
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17:32 09.09.2015
Rund 200 Teilnehmer verfolgten den Abend mit. Quelle: Stephan Lohse
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Viele Dresdner engagieren sich ehrenamtlich, um Flüchtlingen zu helfen und ihre Stadtteile nicht den Rechtspopulisten zu überlassen.

„Es zeigt sich nicht nur auf der Straße, dass immer mehr Dresdnerinnen und Dresdner die Nase voll haben von einseitigen Vorurteilen und Halblügen der Pegida gegen Asylsuchende“, freut sich Christian Demuth vom Verein Bürger.Courage.

Eingeladen hatten unter anderem Bürger.Courage, der Flüchtlingsrat und die Friedrich-Ebert-Stiftung. Quelle: Stephan Lohse
Dass es vorwärts geht, zeigte sich am Dienstagabend im Haus an der Kreuzkirche. Mehr als 200 Interessierte aus ganz Dresden diskutierten gemeinsam, wie man Flüchtlingen in der Stadt konkret helfen könne. Nach einer ähnlichen Veranstaltung eine Woche zuvor im rappelvollen Saal der „Scheune“ mit ebenfalls gut 200 Teilnehmern in der Neustadt war es die zweite vollbesetzte Veranstaltung dieser Art. Erwartet hatten das die Initiatoren nicht: Demuth gab zu, man habe anfangs mit rund 35 Teilnehmern gerechnet. „Wir waren schon total überrascht, wie viele Anfragen es gibt“, so Marko Schmidt vom Sächsischen Flüchtlingsrat. Wir waren so was von positiv überrascht, wie viele Menschen es waren. Das freut uns und es zeigt auch ganz deutlich, dass es eine starke Zivilgesellschaft gibt, die hier eine Willkommenskultur schaffen will.“

Viele Teilnehmer im Mauersberger-Saal hatten Fragen über Fragen. Das Asylrecht spielte dabei genauso eine Rolle wie die Frage, was Ehrenamt überhaupt leisten kann. So plädierte eine Freiwillige der Dresdner Kontaktgruppe Asyl dafür, dass ehrenamtliche Helfer eine wichtige Verbindung der Flüchtlinge zur Gesellschaft seien. Von der Wohnungssuche über Hausaufgabenbetreuung bis zur Hilfe bei Behördengängen gebe es genug Arbeit aber auch Grenzen. Manche rechtliche und psychologische Probleme könnten nur Profis lösen.

Ziel des Abends war unter anderem, bestehende Angebote bekannter zu machen und Netzwerke zu knüpfen. Quelle: Stephan Lohse
„Für mich war es sehr informativ, über die Perspektiven von persönlichem Engagement zu hören“, berichtete Michaela, für die es die erste Veranstaltung dieser Art war. „Ich glaube, dass es ein guter Ansatz ist, Kontakte zu knüpfen.“

Andere wollten wissen, ob es Altersgrenzen für Helfer gebe oder an wen man sich in den Heimen wenden müsse, um konkrete Hilfe zu leisten. „Es ist ganz normal, dass man viele Fragen hat“, meinte Marko Schmidt. „Es gibt viele Fragen, die wir auch erwartet haben. Was sind die Fluchtwege, wie sind die Leute untergebracht, wie sind die Ausstattungen der Wohnungen.“ Klassiker seien auch Fragen nach den Besonderheiten anderer Kulturen. „Wir kommen aus der Loschwitzer Kirchgemeinde und wohnen in Hosterwitz. Dort fahren wir regelmäßig an dem etwas tristen Gustavheim vorbei. Und wir denken, da kann man nicht drüber hinweggucken. Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit, wo es uns allen so gut geht“, erklärten zwei ältere Loschwitzer Gemeindemitglieder ihre Teilnahme. Mehrere Menschen in der Gemeinde hätten sich bereit erklärt zu helfen, das soll nun gebündelt werden. „Wir haben Anregungen mitgenommen, wie andere das gemacht haben. Das fand ich schon sehr gut.“, meinten beide. „Es gibt ja einfach Unsicherheiten, wie begegnet man diesen Leuten, wie kommt man ins Gespräch.“

Kristina Winkler, die Ausländerbeauftragte Dresden, war mit vor Ort und dankte für das Engagement. Quelle: Stephan Lohse
Manchmal sei aber alles auch ganz einfach. So berichtete eine Freiwillige, dass es lange gebraucht habe, um eine Freizeitbeschäftigung anzubieten, die junge alleinstehende Flüchtlinge auch annehmen. Die Lösung sei am Ende ganz einfach gewesen: Fußball spielen.

Am Ende des Abends fanden sich tatsächlich erste Ideen und Helfer. Die einen offerierten eine Kunsttherapie, andere Hausaufgabenhilfe und wieder andere gaben Tipps für Fördermittel-Töpfe. „Wir haben gesehen, dass es schon die ersten Kontakte gibt“, so Schmidt. Auch die ersten Netzwerke hätten sich bereits gefunden. „Die Unterstützung Asylsuchender ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe und die kann schon vor der Haustür beginnen. Dafür ist noch eine bessere Vernetzung in den einzelnen Stadtteilen notwendig“, teilte der Mitarbeiter des Flüchtlingsrates mit.

Eine Woche zuvor war die Scheune bei der ersten Veranstaltung bereits rappelvoll Quelle: Privat

Laut Christian Demuth sollen die Ergebnisse und Ansprechpartner der verschiedenen Netzwerke ab Januar auch auf der entstehenden Homepage von „Dresden für alle“ gebündelt werden. „Es gibt noch keine perfekten Strukturen“, gab er zu, diese sollen jetzt nach Möglichkeit entstehen. „Behalten sie ihren Elan“, gab er den Dresdnern mit. „Es ist noch ein langer Weg.“

Stephan Lohse

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