Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Google+
Welchen Standard brauchen Dresdens Sozialwohnungen?

Stadtrat will Experten hören Welchen Standard brauchen Dresdens Sozialwohnungen?

Welchen Standard sollen in Dresden Sozialwohnungen haben? Nach den Vorstellungen der Stadtverwaltung sollen die vom Steuerzahler subventionierten Wohnungen zwingend über Balkons, mindestens zehn Quadratmeter große Kinderzimmer, Aufzüge und als besonderer Clou über ein zweites vollwertiges Bad ab fünf Personen verfügen.

Welchen Standard sollen in Dresden Sozialwohnungen haben? Stadträte und Experten üben Kritik.

Quelle: Dpa

Dresden. Haben sich fünf gutgekleidete Herren jeweils mit einem Jahreseinkommen von 100.000 Euro am grünen Tisch getroffen und formuliert, welche Standards für Sozialwohnungen gelten, wie jetzt ein Stadtrat aus dem linken Lager ätzte? Nach den Vorstellungen der Stadtverwaltung sollen die vom Steuerzahler subventionierten Wohnungen zwingend über Balkons, mindestens zehn Quadratmeter große Kinderzimmer, Aufzüge und als besonderer Clou über ein zweites vollwertiges Bad ab fünf Personen verfügen.

Die CDU sieht ein Gerechtigkeitsproblem und fragt, welcher Normalverdiener sich solche Standards leisten könne. Aber auch die Grünen haben Gesprächsbedarf und setzten jetzt eine Expertenanhörung für die städtische Richtlinie durch, wie der sozialpolitische Sprecher Michael Schmelich erklärte. Im jüngsten Sozialausschuss sei der Beschluss, Menschen aus anderen Städten zu fragen, die sich mit Sozialem Wohnungsbau auskennen, einstimmig gefallen.

Nach den Plänen von Sozialbürgermeisterin Kris Kaufmann (Die Linke) sollte der Stadtrat schon am Mittwoch die Standards verabschieden, die dann für alle Akteure gelten sollen, die mit Fördermitteln Sozialwohnungen errichten wollen. „Jetzt besteht die Chance zu Korrekturen“, so Schmelich. Die Richtlinie wird nun frühestens im Mai verabschiedet, eine Einigung über den Inhalt vorausgesetzt.

Es muss nicht jeder Zweite unter der Brücke schlafen

Auf einem Symposium zum Dresdner Wohnungsmarkt äußerten am Donnerstagabend besonders Vertreter der Genossenschaften Kritik an den Plänen des Stadtrates, eine städtische Wohnungsgenossenschaft zu gründen. „Das Problem des bezahlbaren Wohnens wird nicht im Neubau gelöst“, erklärte Sven Winkler vom Verband der Sächsischen Wohnungsgenossenschaften. In Dresden gebe es einen Bestand von 60.000 Genossenschaftswohnungen, der durchschnittliche Mietpreis liege bei 5,20 Euro pro Quadratmeter. Es sei an der Zeit, nicht nur über Neubau nachzudenken, sondern beispielsweise auch über ein Förderprogramm zum Einbau von Aufzügen. Damit könnte ein Problem der alternden Gesellschaft ohne Mieterhöhungen gelöst werden.

Olaf Brandenburg, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Süd, erklärte, der kommunale Wohnungsbau könne dazu führen, dass Mieter von Genossenschaftswohnungen in Woba-Wohnungen umziehen würden. Die Politik erwecke den Eindruck, in Dresden müsse jeder Zweite unter der Brücke schlafen, kritisierte er. Das stimme nicht. Die Kosten der Unterkunft, die Hartz-IV-Empfängern erstattet werden, würden für fast jede sanierte Wohnung reichen.

Gita Müller, Vorstandssprecherin der Wohnungsgenossenschaft Aufbau, bestätigte: „Die Situation ist nicht so schlimm, wie sie geschildert wird.“ Vielmehr sei das Anspruchsdenken einiger Wohnungssuchenden sehr hoch. Den Satz: „Platte schaue ich mir gar nicht erst an“, bekomme sie häufig zu hören, so Müller. Der Leerstand betrage in ihrer Genossenschaft zwar nur noch ein bis zwei Prozent, aber bei frei werdenden Wohnungen würden keinesfalls zehn Familien oder mehr Schlange stehen, wie Peter Bartel, Vorsitzender des Mietervereins und Stadtrat in der SPD-Fraktion, erklärt hatte. Den Vorwurf von Linke-Stadtrat Tilo Wirtz, Genossenschaften würden keine Hartz-IV-Empfänger als Mieter nehmen, widersprachen Brandenburg und Müller vehement. „Wir nehmen Leistungsbezieher. Aber wir schauen uns unsere Mieter an“, erklärte die Vorstandssprecherin.

Sozialer Wohnungsbau ist ein Minusgeschäft

Thomas Cromm, Vorstand der Revitalis Real Estate AG, erklärte, sein Unternehmen schreibe beim Bau von 200 Wohnungen am Altmarkt zwei Millionen Euro Verlust, weil es 30 Sozialwohnungen errichte. „Private Investoren würden gerne mehr Sozialwohnungen bauen, aber die Förderung muss auskömmlich sein. Wir wollen mit sozialem Wohnungsbau kein Geld verdienen, aber wir wollen nicht mit einem Minus dastehen.“ Allein die Grundstückskosten am Altmarkt könnten mit den in Aussicht stehenden Fördermitteln nicht kompensiert werden.

Fazit nach vier Stunden Symposium: Wenn die Stadt einen Wohnungsmarkt mit ausgewogenem Verhältnis von Angebot und Nachfrage bekommen will, müssen alle Akteure am Wohnungsmarkt – Private, Genossenschaften und eine Woba – bedient werden.

Von Thomas Baumann-Hartwig

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
24.08.2017 - 05:50 Uhr

Die SG Dynamo Dresden bereitet sich akribisch auf die Partie in Bochum vor

mehr
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.