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Lokales Weingut Zimmerling in Dresden-Pillnitz feiert 25-Jähriges
Dresden Lokales Weingut Zimmerling in Dresden-Pillnitz feiert 25-Jähriges
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08:27 18.08.2017
Klaus Zimmerling und Malgorzata Chodakowska mit einer von ihr entworfenen Brunnenfigur.  Quelle: Genia Bleier
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Dresden

Die Silberne Hochzeit hat das Paar bereits eine Weile hinter sich. Nun ist das Vierteljahrhundert auch für das Weingut herangerückt. Was - schon 25 Jahre im Pillnitzer Königlichen Weinberg? Es ist typisch für Klaus Zimmerling und Malgorzata Chodakowska, mit Freude so beschäftigt zu sein, dass sie nicht merken, wie die Zeit vergeht. Eine Mitarbeiterin war es, die sie auf das Jahr 1992 hinwies, in dem die Erfolgsgeschichte des Unternehmens Wein und Kunst begann. Vielleicht war die junge Dame besonders aufmerksam, weil sie in jenem Jahr geboren wurde.

Jetzt jedenfalls ist der Anlass gegeben, am Sonnabend und Sonntag im Weingut unter der Rysselkuppe zu feiern. Für Weinliebhaber holt der Winzer auch ältere Jahrgänge aus dem Keller, Weine der Jahre 2005, 2009, 2010 und 2011. Dazu gibt es Gegrilltes von Privatkoch Kai Kochan.

Es ist gut, dass in dieser malerischen Landschaft mit dem weiten Blick bis in die Sächsische Schweiz und ins Erzgebirge etwas so Individuelles entstanden ist. Nachdem die Gärtnerische Produktionsgenossenschaft (GPG) Anfang der 1990er Jahre ihre Rebhänge abstoßen wollte, gab es auch Interessenten, die zum Beispiel ein Hotel in die Gegend setzen wollten. Klaus Zimmerling kam ihnen zuvor, pachtete 1992 die Rysselkuppe (benannt nach einem früheren Besitzer namens Gottfried Ryssel) und angrenzende Flächen und legte sogleich mit der Pflanzung neuer Rebstöcke los.

1995 konnte das Paar Zimmerling/Chodakowska den Weinberg und das alte Weinberghaus, in dem einst die Arbeiter logierten, kaufen. Seitdem bauen sie an ihrem Refugium. 2008 kam der grandiose Weinkeller hinzu, der in den Granit gehauen, innen wie außen ein Kunstwerk ist und dazu beste Produktionsbedingungen bietet. Eine Quelle sorgt im Gärkeller für ein eigenes Mikroklima. Das Presshaus darüber ermöglicht schonendes Arbeiten mit sparsamem Technikeinsatz. Die Investition von rund einer halben Million Euro (Kredite und eine Förderung der Sächsischen Aufbaubank) hat sich gelohnt. August der Starke hätte heute in seinem Königlichen Weinberg zwischen den Damen der Bildhauerin Malgorzata Chodakowska, die sich nicht zuletzt im Weinkeller tummeln, sicher helle Freude empfunden.

Weinskandal tangiert den Winzer im Königlichen Weinberg nicht

Kleiner Schlenker der Geschichte: Nun haben ein Sachse und eine Polin das Erbe des sächsischen Kurfürsten und Königs von Polen angetreten. „Das Zusammenspiel von Weinberg, Architektur des Kellers und der Kunst seiner Frau ist einmalig in Deutschland.“ So urteilt die Wein-Bibel Gault Millau und verlieh dem Weingut Zimmerling erneut 3 Trauben mit dem Prädikat „sehr gut“ und „seit Jahren konstante Qualität“.

Hier gedeihen Riesling, Grauburgunder, Weißburgunder, Kerner, Gewürztraminer und Traminer. Sie werden als charaktervoll beschrieben. Der gegenwärtige „sächsische Weinskandal“ tangiert den Winzer nicht. „Ökologisch arbeiten ist mir irrsinnig wichtig“, betont er. Seine verwendeten Mittel seien alle ökologisch zugelassen. Seit mehreren Jahren gehört Zimmerling dem Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) an, der für Qualität und Ökologie steht. In Sachsen ist nur noch Schloss Proschwitz vertreten.

2014 war Zimmerling auch einmal vom Weinjournal „Falstaff“ als Winzer des Jahres nominiert. Selbst wenn die Punktezahl damals nicht ganz gereicht hat, schon die Nominierung war in einer deutschlandweiten Auswahl ein dicker Pluspunkt. Getestet wurden die Weißweine des Jahrgangs 2013. Sie gehören zu den geschmacklich besten seiner Produktion, findet er. Vom Riesling Große Lage dieses Jahrgangs ist nur noch ganz wenig vorhanden. 40 Prozent seiner Rebfläche gehört dem Riesling, der Lieblingstraube des Winzers. Sie mag die in unseren Breiten vorherrschenden kalten Nächte und (hoffentlich) warmen Tage im Herbst.

Zimmerling ist als Winzer Autodidakt

Seine Kenntnisse hat sich Zimmerling – eigentlich studierter Maschinenbauer – autodidaktisch angeeignet. Interesse für das Göttergetränk und Ehrgeiz waren sowieso vorhanden. Die ersten Rebstöcke pflegte er für den Eigenbedarf. Weinproben schulten den Geschmack. Praxiserfahrungen holte er sich ein Jahr lang als Praktikant auf einem Weingut in der Wachau, theoretisches Rüstzeug bei Experten wie dem ehemaligen Pfälzer Kellermeister Hans-Günter Schwarz oder dem britischen Weinkritiker Stuart Pigott. „Ich habe immer gedacht, dass man den Wein besser hinkriegen kann, als das, was es zu DDR-Zeiten gab. Als Konstrukteur war ich es gewohnt, etwas zu verbessern.“ Dieses „das haben wir doch schon immer so gemacht“ gab es bei Zimmerling nicht.

Er wollte feine, kleine Früchte mit viel Geschmack, will, dass man den Boden schmecken kann. Seine Trauben gedeihen auf verwittertem Granit. Jeder Jahrgang besitzt seine Individualität. Der 2017er verspricht „supergut“ (Zitat Zimmermann) zu werden. Auf dem Pillnitzer Königlichen Weinberg hatte man Glück, dass der Austrieb sich noch zurückhielt, als im Frühjahr die gefürchteten Spätfröste zuschlugen. Zwei Nächte lang halfen sieben große Feuer darüber hinweg und in den trockenen Phasen gründliches Wässern.

Winzer sieht Klima als Freund und nicht als Feind

Trotz der manchmal extremen Schwankungen im nordöstlichsten deutschen Weinanbaugebiet sieht der Winzer und Naturfreund das Klima als Freund, nicht etwa als Feind. Er begegnet erschwerten Bedingungen mit viel Geduld und Bereitschaft zum Risiko. „Man kann sich nicht immer an Maximaljahren messen“, sagt Zimmerling. Und Menge ist ohnehin nicht das Ziel. Auf seinen 4,4 Hektar erwirtschaftet er maximal 30000 0,5-Liter-Flaschen Wein. Sie tragen als unverwechselbares Markenzeichen ein Etikett mit einer von Chodakowskas Skulpturen. Seit 1995 ist es jedes Jahr ein neues. Das 22. Etikett für den Jahrgang 2016 wird am Wochenende vorgestellt. Es ist das Springbrunnen-Motiv „Traumreise“. Mit ihren phantasievollen Wasserspielen hat sich die Künstlerin ihren Bekanntheitskreis enorm erweitert. Der neueste Auftrag wird gerade für China realisiert.

In der letzten Septemberwoche könnte rund um die Rysselkuppe die Lese beginnen, die dann im Oktober ihren Höhepunkt findet. Wie viel Arbeit es macht, bis wir die Tropfen im Glas funkeln sehen, kommentiert Zimmerling lakonisch: „Der Winzer wird gern um sein Endprodukt beneidet, aber selten um seine Arbeit.“

25 Jahre Weingut Zimmerling, Pillnitz, Bergweg 27: Sonnabend und Sonntag, 11 bis 20 Uhr; Sonnabend, 18.30 Uhr Konzert von „Café 1930“ (Violine, Akkordeon)

Von Genia Bleier

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