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Lokales „Weimarer Appell“: Wissenschaftler fordern Erhalt der Neuen Mensa Dresden
Dresden Lokales „Weimarer Appell“: Wissenschaftler fordern Erhalt der Neuen Mensa Dresden
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20:39 09.09.2015
Der Neuen Mensa an der Bergstraße droht der Abriss. Quelle: Dietrich Flechtner

Sie appellieren an den Freistaat als Eigentümer, „einen verantwortungsvollen Umgang mit diesem Kulturdenkmal zu garantieren und anderen öffentlichen und privaten Denkmaleigentümern mit gutem Beispiel voranzugehen.“

Das Mensagebäude an der Dresdner Bergstraße stand auf der Agenda der internationalen Fachtagung "Denkmal Ost-Moderne II – denkmalpflegerische Praxis der Nachkriegsmoderne", die am 31. Januar und 1. Februar an der Bauhaus-Universität Weimar stattfand. Ursprünglich wollte Norbert Zimmermann, Sohn des Mensa-Architekten Ulf Zimmermann, über „Komplexe Planungsanforderungen am Beispiel der denkmalgerechten Sanierung der Neuen Mensa TUD“ referieren, sagte jedoch kurzfristig ab. So wurde die Dresdner Mensa zum Pausen-Gesprächsthema der fast 200 Experten aus Deutschland, der Schweiz und Serbien. Die überraschenden Pläne des Freistaates, die Mensa abzureißen und anschließend neu zu errichten, haben „Unverständnis unter den anwesenden Wissenschaftlern und Denkmalpflegern ausgelöst“, heißt es in dem offenen Brief. „Vertreter zahlreicher Lehrstühle deutscher Hochschulen, von Denkmalbehörden aus der ganzen Bundesrepublik, Journalisten und Architekten warnen vor dem drohenden Verlust eines hochkarätigen Baudenkmals der Nachkriegsmoderne.“

„Wir wundern uns über die Kehrtwende, weil in Dresden die Abstimmung zwischen Eigentümer, Planern und Denkmalschutz schon so weit fortgeschritten war. Es kann doch nicht sein, dass man nun hinter den bereits erreichten Stand zurückfällt“, sagte Mark Escherich, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Denkmalpflege und Baugeschichte an der Bauhaus-Universität Weimar, gegenüber den DNN. Escherich hatte unter dem Eindruck der Pausengespräche den offenen Brief an Tillich aufgesetzt und den übrigen Konferenzteilnehmern vorgetragen. Unterzeichnet haben den „Weimarer Appell“ nicht nur Bernhard Sterra vom Dresdner Amt für Kultur und Denkmalschutz und Hans-Rudolf Meier, Professor für Denkmalpflege und Baugeschichte in Weimar, sondern auch Jörg Haspel vom Internationalen Rat für Denkmalpflege (ICOMOS). „Die versammelten Experten weisen ausdrücklich auf die sehr weit fortgeschrittene Sanierungsplanung hin. Das ökologisch und kulturell nachhaltige Ziel der Sanierung scheint in greifbarer Nähe zu liegen. Die Behebung von Bauschäden und Mängeln, auch in funktionaler Hinsicht, ist bereits an prominenten Beispielen der Nachkriegsmoderne denkmalverträglich und wirtschaftlich effizient gelungen.“

Nachdem seit Jahren bekannt war, dass die Mensa an der Bergstraße grundlegend modernisiert werden muss, erarbeitete Norbert Zimmermann ein Sanierungskonzept. Mitte Januar 2014 wurde jedoch bekannt, dass das sächsische Finanzministerium nun einen Abriss mit anschließendem Neubau favorisiert. „Eine Sanierung würde einen erheblichen Aufwand bedeuten, ohne dass es einen funktionalen Zugewinn gebe", hatte Ministeriumssprecher Stephan Gößl auf DNN-Anfrage erklärt.

Die Neue Mensa in Dresden wurde zwischen 1977 und 1981 nach Plänen des Architekten Ulf Zimmermann errichtet und steht seit 2007 unter Denkmalschutz. Baugleiche Gebäude waren zuvor in Ilmenau, Merseburg, Berlin, Halle/Saale und Leipzig entstanden. Der flache Typenbau mit seinem quadratischen Grundriss sei für die damalige Zeit sehr modern gewesen, erklärt Escherich. Das zeitgemäße Design durchziehe auch die Innenausstattung. Dabei hätte Zimmermann die Räume jedoch unterschiedlich gestaltet – beispielsweise die Studentenkneipe „Bierstube“ oder die Cafeteria im Erdgeschoss. Schützenswert sei zudem die Kunst am Bau, geschaffen etwa von Rudolf Sitte und Hermann Glöckner, so Escherich.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.02.2014.

Tanja Tröger

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