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Lokales Wegwerfbecher im Stadion: Dynamo Dresden wehrt sich gegen Kritik
Dresden Lokales Wegwerfbecher im Stadion: Dynamo Dresden wehrt sich gegen Kritik
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18:19 04.12.2017
Weggeworfene Einweg-Becher im DDV-Stadion Dresden  Quelle: Steffen Manig
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Dresden

 Nach jedem Spiel von Dynamo Dresden das gleiche Bild: Hunderte Plastikbecher liegen im Zuschauerbereich des Stadions an der Lennéstraße herum – auf den Tribünen, aber auch außerhalb des Stadions, wo Abfallbehälter eigentlich nicht weit entfernt sind. Die Mitarbeiter des Unternehmens Veolia, das der Verein und die Stadion-Projektgesellschaft mit der Reinigung beauftragten, haben alle Hände voll zu tun, die Hinterlassenschaften der Biertrinker zu beräumen. Der Grund für die Müllflut: Die Schwarz-Gelben setzen auf Einweg-Becher.

Genau das kritisiert die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Sie warnt vor stetig anwachsenden Abfallbergen. Statt mit bewährten Mehrweg-Pfandbechern Abfälle konsequent zu vermeiden, seien in der letzten Saison 2016/17 beim Ausschank von Getränken in der 1. und 2. Fußball-Bundesliga mehr als zwölf Millionen Einweg-Plastikbecher verbraucht, teilt die nichtstaatliche Umweltorganisation mit. Diese Bechermenge würde aneinandergereiht von Berlin bis nach Athen reichen und sei ein trauriger Höhepunkt immer größer werdender Müllberge. Für die aktuelle Saison erwartet die DUH sogar einen weiteren Anstieg.

Wie eine DUH-Umfrage unter den Vereinen der beiden obersten Profi-Ligen ergab, setzen 2017/18 nur noch 16 der 36 Clubs auf die wiederbefüllbaren Becher. Der sich seit Jahren fortsetzende Trend sei besorgniserregend. Demnach lassen vor allem große Vereine wie Schalke 04, Borussia Dortmund und der Hamburger SV bei ihren Heimspielen die Getränke in Wegwerfbechern ausschenken. DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch passt das gar nicht. Seine Ansage klingt fast wie eine Drohung: „Wir werden gemeinsam mit Fanclubs und den Medien die Abfallsünder identifizieren und ihr umweltfeindliches Tun dokumentieren.“ Ziel sei, „die rein profitgetriebenen Bundesligaverbände auf einen nachhaltigen Weg zurückzuführen.“

Ressourcen würden unnötig verbraucht, das Klima belastet, öffentliche Räume zugemüllt. Als positives Beispiel führt Resch den niedersächsischen Bundesliga-Aufsteiger Hannover 96 an, der seinen Ausflug in den Einwegmüll bereue und zum Mehrwegsystem zurückgekehrt sei. Bayern München kündigte vergangene Woche an, ab kommender Saison auf Mehrwegbecher zu setzen. Auch Union Berlin und der VfB Stuttgart würden zeigen, „dass Mehrwegsysteme im Stadionbetrieb problemlos funktionieren und von den Fans angenommen werden. Aktiver Umweltschutz ist somit auch im Profifußball einfach umsetzbar.“ Schon nach dem fünften Gebrauch seien Mehrwegbecher umweltfreundlicher als gängige Einwegbecher aus Polymilchsäure (PLA), PET oder Polystyrol, rechnet die DUH vor. Weiterer Nebeneffekt: Da die Rückgabe von Mehrweg-Bechern am Getränkestand Geld einbringt, dürften ungehaltene Fans sie auch weniger zum Wurfgeschoss zweckentfremden als die nicht mit Pfand belegten Pendants.

Bei der SGD gab es außerhalb der VIP-Tribüne Mehrweg-Becher noch nie – weder vor noch nach dem Stadionumbau, wie Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer Michael Born bestätigt. Derzeit gebe es auch keine dahingehenden Überlegungen, „weil die Erfahrungen an anderen Stadionstandorten in Deutschland bisher gezeigt haben, dass der Einsatz von Mehrweg-Bechern zu keiner Verbesserung der ökologischen Nachhaltigkeit geführt hat“, erklärt Born. Er argumentiert, die notwendige Reinigung wiederverwendbarer Becher sei mit erheblichem Aufwand verbunden. Denn sie könne nur in bestimmten dafür vorgesehenen Anlagen erfolgen, die über weite Strecken auf Lastwagen transportiert werden müssten. Der gewünschte ökologische Effekt wäre damit jedenfalls futsch, so der 50-Jährige.

„Investitionen zur Einsparung von Strom und Wasser sind allerdings auch eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Dieses Engagement bleibt aber unglaubwürdig, wenn weiterhin hunderttausende ressourcenvergeudende Einweg-Becher ausgegeben werden. Ein effizientes Energiemanagement darf nicht als Argument herhalten, um Einwegbecher beim Getränkeausschank einzusetzen. Im Sinne des Umweltschutzes muss Abfallvermeidung auch in Fußballstadien gelebt werden“, hält Philipp Sommer, stellvertretender Leiter der DUH-Kreislaufwirtschaft, dagegen.

Die laufende Prüfung in Dynamos Geschäftsbetrieb, ob und wo es Optimierungsmöglichkeiten gibt, betreffe jedenfalls auch die Bereiche Umweltschutz und Nachhaltigkeit, versichert Born. Dabei gehe es aktuell ebenso um das Thema Mehrweg-Becher. Ob dafür in Dresden entsprechende Voraussetzungen vorhanden seien, würden Verein, Stadion-Projektgesellschaft und Catering-Unternehmen derzeit wirtschaftlich bewerten. Verein und Stadion-Projektgesellschaft, die sich dabei in stetigem Austausch mit allen Stadionbetreibern bundesweit befinde, hätten Born zufolge schon einiges für den Umweltschutz getan.

Unter anderem habe das Stadion schon vor sechs Jahren als Spielstätte der Frauen-Fußball-WM die Auszeichnung „Ökoprofit 2011 FIFA Frauen-WM Stadien“ erhalten. Durch Optimierungen seien damals die Energie- und Fernwärmekosten des Stadions deutlich gesunken, auch die zentrale Abfalllagerung für alle tätigen Stadiongewerke zahle sich aus. Zudem habe man geprüft, mit Photovoltaikanlagen auf dem Stadiondach zu arbeiten. Auch der tägliche Veranstaltungsbetrieb sei betroffen. „So wurden umweltfreundliche Papierspendersysteme in den VIP-Bereichen des Stadions angebracht, die WCs funktionieren seit Jahren mit wasserlosen Urinalen“, führt Michael Born weitere Beispiele an.

Die DUH möchte sich jedoch nicht damit begnügen, dass Vereine wie Dynamo Dresden ihre Umweltschutzaktivitäten betonen, auch wenn er sinnvolle Beiträge zur Förderung des Klimaschutzes begrüße. Beschlüsse des Ligaverbandes zur Abfallvermeidung und zu einem Konzept zum Einsatz von Mehrwegbechern könnten das Müllproblem lösen, glaubt der Interessenverband. Dazu gehörten auch die in den 90er Jahren vom früheren Umweltminister und UNEP-Chef Klaus Töpfer mitentwickelten Standards für Green Goals („grüne Tore“). Damit scheint sich die SGD schwer zu tun. Doch wenigstens mit den wesentlichen Toren beim Fußballspiel klappt es mittlerweile. Das ist zumindest ein Anfang.

Von Stefan Schramm

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