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Lokales Weg für Neubau an der Kreuzkirche ist frei
Dresden Lokales Weg für Neubau an der Kreuzkirche ist frei
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08:42 10.06.2017
Fundstück der Ausgrabung – präsentiert von Alexander Kuhlendahl, Prokurist bei Revitalis, und Thomas Westphalen vom Landesamt für Archäologie. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

An der Kreuzkirche gibt es – umzingelt von Neubauten und deshalb etwas versteckt – noch ein 3140 Quadratmeter großes unbebautes Grundstück. Die Bürgerhäuser, die dort einst dicht an dicht standen, wurden bei der Bombardierung Dresdens 1945 zerstört. Nach dem Abbruch der Ruinen lag die Fläche mehr oder weniger brach. Zuletzt befand sich darauf eine gestaltete Grünfläche. Doch nun soll auf dem Areal wieder ein Wohnquartier entstehen.

Die Hamburger Revitalis Real Estate AG plant 213 Mietwohnungen mit Wohnflächen zwischen 35 und 140 Quadratmetern, im Erdgeschoss 290 Quadratmeter Gewerbeflächen bzw. Gastronomie und eine Tiefgarage mit 120 Stellplätzen. 15 Prozent der Wohnungen sollen als Sozialwohnungen zur Verfügung stehen. „Wir wollen im Juli den Bauantrag einreichen“, sagt Alexander Kuhlendahl, Prokurist bei Revitalis. Er hofft, dass der Bau im vierten Quartal 2017 begonnen und im ersten Quartal 2020 abgeschlossen werden kann.

Doch bevor auf dem Grundstück neue Häuser in die Höhe wachsen dürfen, gingen die Archäologen in die Tiefe. Schließlich handele es sich bei dem Altstadtquartier zwischen Pfarrgasse und Schreibergasse als Teil der Altstadt um ein archäologisches Denkmal, so das Landesamt für Archäologie. Von Februar bis Ende Mai wurde vorsichtig gebaggert, geschaufelt, freigekratzt und abgepinselt, um Reste von Kellern und Grundmauern freizulegen und zu dokumentieren. Jetzt ist „die definitiv letzte Ausgrabung innerhalb des Stadtzentrums abgeschlossen“, so Thomas Westphalen, Abteilungsleiter Archäologische Denkmalpflege.

An der Kreuzkirche gibt es noch ein unbebautes Grundstück. Dort soll ein neues Quartier mit Mietwohnungen entstehen. Doch bevor neue Häuser in die Höhe wachsen dürfen, gingen die Archäologen in die Tiefe. Jetzt ist die definitiv letzte Ausgrabung innerhalb des Stadtzentrums abgeschlossen. Und es ist klar: Einer der freigelegten Keller wird erhalten bleiben.

Das Ergebnis kann man gegenwärtig betrachten, denn im ansonsten blickdichten Bauzaun befinden sich einige kreisrunde „Gucklöcher“. Eine Gelegenheit, die viele Passanten nutzen. Und die fragen sich wahrscheinlich, warum nur am Rand des Grundstücks gegraben wurde und nicht in der Mitte. „In dem Quartier fanden schon mal zwischen 1994 und 1997 archäologische Grabungen statt, die sich aber auf die innenliegenden Hofflächen konzentrierten. Jetzt haben eine Archäologin und acht Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen die Kelleranlagen entlang der Straßen erfasst“, erklärt Thomas Westphalen.

Spektakuläre Funde gab es nicht, aber dennoch Überraschungen. Die negative: ein nach der Wende entstandenes Kranfundament in Form eines großen Betonklotzes. Die positive: ein sehr gut erhaltener großer und tiefer Keller an der Ecke Schreibergasse/An der Kreuzkirche mit einer in die Sandsteinmauer gebauten halbrunden Nische unterhalb der Schreibergasse. Wozu die Nische mal da war, darauf hat der Archäologe auch keine Antwort. Auch ob sich zuletzt in dem Haus mal ein Käseladen befand, weil in besagtem Keller ein Emailleschild mit Käsewerbung gefunden wurde, sei unklar. Denn es gebe von dieser Ecke keine alten Fotos, von denen man Rückschlüsse ziehen könnte.

Fakt sei aber, dass der Keller zum einstigen Pfarrwitwenhaus gehöre, das im 16. Jahrhundert entstand und vom Kurfürsten bezahlt wurde, erzählt der Archäologe. Da war offenbar genug Geld da, denn beim Bau sei Wert auf Qualität gelegt worden. Weil der Keller so schick ist, will ihn die Revitalis jetzt erhalten und in den Bau ihres neuen Wohnquartiers integrieren. Über die künftige Nutzung konnte Alexander Kuhlendahl allerdings noch keine Auskunft geben. Denn die Umplanungen laufen noch.

Die Reste der jetzt freigelegten Keller und Grundmauern datieren in die Zeit des 14. bis 18. Jahrhunderts. Besonders interessant waren für die Archäologen „die nicht unterkellerten Bereiche, deren älteste archäologische Schichten aus dem hohen Mittelalter stammen“, heißt es vom Landesamt für Archäologie. An einigen Stellen auf dem Grabungsfeld fällt glatter Erdboden mit Einbuchtungen auf. Das sei die Oberkante des eiszeitlichen Löß-Lehm-Bodens, „das Niveau, von dem aus Dresden gewachsen ist“, so Thomas Westphalen.

Noch kann man einen Blick auf die Reste der alten Keller werfen, bevor sie – bis auf die eine Ausnahme an der Schreibergasse – abgerissen werden.

Von Catrin Steinbach

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