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Lokales Wassertest im Drei-Sterne-Bad Cossebaude
Dresden Lokales Wassertest im Drei-Sterne-Bad Cossebaude
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17:30 03.08.2018
Sylvia Glöckner vom Dresdner Gesundheitsamt nimmt im Stauseebad Cossebaude eine Wasserprobe. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Wenn Sylvia Glöckner das Stauseebad Cossebaude besucht, unterscheidet sie schon ihr Equipment von den hunderten Badegästen, die derzeit auf den vertrockneten Wiesen Schattenplätze suchen. Sylvia Glöckner trägt eine lange rote Stange unter dem einen Arm, unter dem anderen eine dicke schwarze Aktenmappe und darunter eine blaue Kühlbox.

Besonders strenge Kriterien

Einmal im Monat kommt die Mitarbeiterin des Dresdner Gesundheitsamtes in Dresdens einziges EU-Badegewässer, um die Wasserqualität zu prüfen. „Die Prüftage müssen wir einige Wochen vor dem Start in die Badesaison am 15. Mai beim sächsischen Umweltministerium eingereicht haben und nach Möglichkeit strengstens einhalten“, begründet sie, warum sie sich nicht einen weniger heißen Tag für ihre Arbeit aussucht. Denn weil das „Stauseebad Cossebaude“ mit seinen rund 10 000 Quadratmetern Wasserfläche nicht nur eines der größten Freibäder Dresdens ist, sondern eben auch in der EU-Badegewässerliste geführt wird, sind die Kriterien besonders streng.

Bewertung online abrufbar

Der Freistaat Sachsen hat gegenwärtig über 30 Seen und Talsperren, die bei der Europäischen Kommission als überwachungspflichtige Gewässer – sogenannte „EU-Badegewässer“ – gemeldet sind. Dabei handelt es sich um stark besuchte Seen und Talsperren mit guter Infrastruktur, in denen das Baden erlaubt ist. Voraussetzung: eine ausgezeichnete Wasserqualität, die engmaschig kontrolliert wird und deren Bewertung regelmäßig online abrufbar ist.

Probenequipment – Scheibe, Stab, Flasche

Um die Augustdaten zu liefern, schreitet Sylvia Glöckner zur Tat. Sie erklimmt die Böschung, steigt die Treppen zum Wasser hinab und bereitet ihre Gerätschaften vor. Mit der „Secci-Scheibe“ lotet sie aus, wo das Wasser exakt einen Meter tief ist, dann wird es ernst: Sie entnimmt ihrer Kühlbox eine sterile Flasche, schnallt sie auf dem roten „Probenentnahmestab“ fest und zieht sie an der vorher ausgeloteten Stelle durchs Wasser. Dann zügig den Deckel wieder drauf. Fertig. Fast.

Das Dresdner Gesundheitsamt überprüft regelmäßig, ob sich in Dresdens einzigem EU-Gewässerbad Keime ausbreiten.

Labor fahndet nach Keimbelastung

„Die Probe muss ich bis zum Mittag in unserem Labor in der Jägerstraße abliefern“, sagt sie. Das Labor ist die Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen, das den Flascheninhalt nach festgelegten Indikatoren durchsucht. Vor allem schauen die Profis dort, ob und welche Konzentration der krankheitserregenden Indikator-Bakterien „Escherichia coli“ und „Intestinale Enterokokken“ sich findet.

Qualitätsstufen in Sachsen seit 2011

Beides sind bekanntlich Darmkeime, die nicht nur durch Badegäste ins Wasser gelangen können, sondern auch durch in der Nähe weidende Nutztiere und Vögel. Deshalb, so Sylvia Glöckner, ist die Toleranz in einem Badesee ohne Wasseraufbereitung – wie eben dem in Cossebaude – etwas höher als in einem mit Chlorgas oder Natriumhypochlorid versetzten Wasserbecken. Anhand dieser Parameter erhalten die Gewässer jeweils auf Basis von Messdaten von vier Jahren eine bestimmte Qualitätsstufe. Sachsens Gewässer wurden erstmals 2011 bewertet – Cossebaude ist seitdem ein Drei-Sterne-Bad, das heißt: ausgezeichnete Wasserqualität.

Weder Keime noch Blaualgen in Cossebaude

Für Colibakterien gelten Grenzwerte von 1800 kolonialbildenden Einheiten je 100 Milliliter. Bei den Enterokokken sind es 700 solcher Einheiten auf 100 Milliliter. Die Keime waren in Cossebaude bislang nie ein Thema. Da sich derzeit fast überall in Deutschland wegen der enormen Hitze Blaualgen explosionsartig vermehren, werden die Wasserproben auch auf Cyanobakterien getestet. Auch die gab es hier bislang zum Glück nicht.

27 Grad Wassertemperatur – Erfrischung geht anders

Das Wasser im Stausee lockt dem Augenschein nach eindeutig zum Baden. Sylvia Glöckner, die beim Gesundheitsamt für die Bäder im Dresdner Westen zuständig ist, wirft trotzdem einen prüfenden Blick nach unten: „Die Sichttiefe liegt bei drei Metern, das ist bombastisch“, kommt ihr Badleiter Matthias Pilz bei der Bewertung zuvor. Was die Temperaturen angeht, verschätzt er sich allerdings. Sylvia Glöckners unbestechliches Profi-Thermometer zeigt 27,1 Grad Celsius an, er hatte um zehn Uhr morgens auf 25 Grad getippt. Ein Badegast, der gerade aus dem Wasser steigt, meint dann auch augenzwinkernd: „Eigentlich wollte ich mich erfrischen...“

Wasser von oben

Die Frau vom Gesundheitsamt muss noch ein paar weitere Kreuzchen auf ihrer langen Liste aus der Aktenkladde setzen: Stimmt die Färbung des Wassers? Lassen Ablagerungen oder Schaum auf Mineralöle oder Tenside schließen? Riecht es unangenehm, könnten Phenole ein Thema sein. Doch nichts von alldem stört an diesem Freitag das Badevergnügen. „Der Wasserstand ist vorhin sogar um zwei Stufen gestiegen“, sagt Badleiter Pilz erfreut. Er weiß nie, wann das Pumpspeicherwerk, das seit 2016 nur noch im Übergangsbetrieb läuft, Wasser in den oberen See zieht oder welches nach unten pumpt. Diesmal jedenfalls kommt Wasser nach unten, und ihn freut es.

Badfest am Sonnabend

Matthias Pilz ist überzeugt, dass sein Stausee zum Besten gehört, was Dresden für Badelustige zu bieten hat. 4100 Gäste an einem Tag – das war die Spitze im Juli, berichtet er. „Es dürfen gern doppelt soviele sein“, schiebt er nach, auch wenn er weiß, dass dann alle Handtuch an Handtuch auf den vertrockneten Liegewiesen schmoren müssten. Nichtsdestotrotz hofft er auf viel Zuspruch beim bevorstehenden Badefest an diesem Sonnabend. „Drei- bis viertausend Leute werden sicher kommen“, prophezeit er und verweist auf Neptuntaufe, Sprungturm, Kinderschminken, Hüpfburg, Volleyballturnier und einen Fitnessparcour. Wer will, kann sich auf dem Stausee sogar das Windsurfen beibringen lassen.

Von Barbara Stock

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