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Lokales Was ist da los auf dem Amalie-Dietrich-Platz?
Dresden Lokales Was ist da los auf dem Amalie-Dietrich-Platz?
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07:43 26.07.2018
Abendliches Geschehen auf dem Amalie-Dietrich-Platz. Quelle: Seko
Dresden

Bonsoir Tristesse. Die blinden Schaufensterscheiben der alten Kaufhalle verschlucken wie große schwarze Löcher das wenige fahle Licht, das die davor stehenden Laternen in die laue Sommernacht werfen. Nur in der Mitte, dort, wo auf dem Amalie-Dietrich-Platz die Straßenbahnen halten, werden Farben sichtbar. Die Peripherie des Platzes säuft indes in dunklen Grautönen ab. Randbereiche, in de­nen es sich auch an diesem späten Abend Cliquen junger Leute bequem ge­macht ha­ben. Deutsche, Afrikaner und Araber, viele Männer, auch Frauen, sogar Jungen und Mädchen, deutlich jünger als 16 Jahre, sitzen dort, abends gegen elf.

Gorbitz ist ei­ne klassische Trabantenstadt. In der zweiten Reihe, auf den kleinen Straßen zwischen den seit Anfang der 1980er Jahre hochgezogenen Plattenbauten, rollen am späten Abend kaum noch Autos, sind nur noch vereinzelt Menschen unterwegs. Auf einigen Balkonen rücken zumeist ältere Menschen ihre Stühle zu­recht. Eine Ruhe, die im starken Kontrast zu dem steht, was sich derweil wenige Hundert Meter weiter auf dem Amalie-Dietrich-Platz abspielt – ei­nem zentralen Ort im Stadtteil, der seit geraumer Zeit für reichlich Negativ-Schlagzeilen sorgt.

Nicht selten stehen die Beteiligten unter Drogen- oder Alkoholeinfluss

Erst vor einer Woche hatte ein 17-Jähriger dort einen 35-Jährigen niedergestochen.
Nur wenige Tage zuvor gingen Li­byer und Syrer mit Flaschen aufeinander los. Zwei Menschen werden verletzt, fünf Beteiligte im Alter zwischen 24 und 29 Jahren vorläufig festgenommen. Im Juni war bei einer Schlägerei zwischen zwei Cliquen ein 14-Jähriger krankehausreif geprügelt worden. Nur drei von etlichen, teils schweren Straftaten, die die Polizei hier in den vergangenen Wochen registriert hat.

Die Beamten des um die Ecke gelegenen Polizeireviers Dresden-West an der Julius-Vahlteich-Straße ha­ben den Platz deshalb längst im Blick. Po­lizeisprecher Stefan Grohme bestätigt die Häufung von Straftaten in dem Bereich, nennt auch die Höhenpromenade und den Merianplatz. „Herausragend sind Delikte der Gewaltkriminalität oder Raub“, so der Sprecher. Und: Nicht selten stehen die Beteiligten unter Drogen- oder Alkoholeinfluss.

Tatsächlich wird abends auf dem Amalie-Dietrich-Platz reichlich Bier getrunken. Eine Gruppe junger Araber reicht sich einen Joint herum. Mit späterer Stunde nimmt auch die Lautstärke zu. Vom Handy wird Musik wiedergegeben, im­mer wieder hallen laute Rufe und gelegentliches Gegröle über den Platz. Auch, als plötzlich ein mit drei Beamten be­setzter Streifwagen mitten auf den Platz rollt, ge­ben sich die Umhersitzenden da­von äu­ßerlich wenig beeindruckt.

Die Polizei zeigt inzwischen abends und nachts starke Präsenz auf dem Amalie-Dietrich-Platz in Gorbitz. In den vergangenen Wochen war es hier immer wieder zu Straftaten gekommen. Quelle: Seko

Die blau-weißen Fahrzeuge des nahen Reviers gehören offenbar schon zum In­ventar des Platzes. In­nerhalb von nur ei­ner Dreiviertelstunde lassen sich die Be­amten gleich zweimal blicken. Auch ein Transporter der städtischen Polizeibehörde fährt auf, leuchtet mit dem gleißenden Scheinwerferkegel das Areal aus. Präsenz zeigen lautet offenbar die Devise.

Warum es immer wieder auf dem Amalie-Dietrich-Platz kracht, können sich derzeit auch die Polizisten nicht mit belastbaren Fakten er­klären. Sehr oft spielen sich die Konflikte zwischen Angehörigen verschiedener Volksgruppen ab. Deutsche, Libyer und Tunesier, aber auch Syrer und Tschetschenen seien bei verschiedenen Vorfällen festgestellt worden, sagt Stefan Grohme. „Zu den Hintergründen liegen kei­ne belastbaren Informationen vor.“ Denn oft wollen – oder können – die Beteiligten gar keine Angaben machen.

Eine mögliche Erklärung könnte derweil das anhaltende Sommerwetter liefern – naturgemäß eine Zeit, in der sich vieles auf den Straßen und Plätzen ab­spielt. „Auffällig“, so sagt Stefan Grohme, „ist zurzeit ein möglicher Zusammenhang zwischen der aktuellen Wetterlage und dem Feststellen von Straftaten im Bereich des Amalie-Dietrich-Platzes.“ Dass der Platz inzwischen zu einem Ausweichort der Kriminellen vom Wiener Platz geworden ist, kann die Polizei so nicht bestätigten. „Für einen direkten Zu­sammenhang gibt es bis­her keine Be­weise, wir prüfen das aber.“

Bei Bedarf hilft die Bereitschaftspolizei aus

Geprüft wird unterdessen auch, ob der Amalie-Dietrich-Platz in Gorbitz angesichts der Häu­fung von Straftaten künftig als soge­nannter Gefährlicher Ort eingestuft wird. Bekannte Beispiele dafür sind der Wiener Platz oder der Scheunevorplatz in der Äußeren Neustadt. Dort können die Beamten schon jetzt ohne konkreten Verdacht Personen kontrollieren. „Wir prüfen, ob der Bereich um den Amalie-Dietrich-Platz die rechtlichen Voraussetzungen für einen Gefährlichen Ort erfüllt“, erklärt Polizeisprecher Stefan Grohme.

Aktuell können die Beamten nur Präsenz zeigen – und bei Straftaten reagieren. Bei Notrufen werden entsprechend der je­weiligen Ausgangsinformation „eine an­gemessene Anzahl“ von Fahrzeugen und Beamten losgeschickt, heißt es von der Po­lizei. Wie auch in anderen Problemecken in Dresden werden die Beamten des Re­viers West bei Bedarf von ihren Kollegen der Bereitschaftspolizei unterstützt.

Immerhin: An diesem Abend bleibt es zumindest bis kurz vor Mitternacht ruhig. Lediglich ein paar Jugendliche bewerfen sich aus Jux mit Kieselsteinen, einige der Ge­schosse prallen auf eine vorbeifahrende Straßenbahn. Nennenswerte Schäden, so sagt Falk Lösch, Sprecher der Dresd­ner Verkehrsbetriebe (DVB), seien bis­her mit Blick auf das Geschehen auf dem Platz an den Bahnen aber noch nicht zu beklagen. „Bei Pro­blemen rufen wir sofort die Polizei“, warnt er. Die Beamten halten sich jedenfalls bereit – falls die Lage auf dem Amalie-Dietrich-Platz doch wieder einmal eskalieren sollte.

Von Sebastian Kositz und Uwe Hofmann

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