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Dresden Lokales Warum promovierte Wissenschaftler eine ganz andere Karriere einschlagen
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10:57 27.09.2017
Ex-Physiker Steve Kuppke präsentiert in seinem Modeladen das Shirt für Kunststudenten mit dem Farbenlehre-Kreis von Goethe als Aufdruck. Quelle: Tomke Giedigkeit
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Dresden

Studieren geht über probieren? Nicht immer, denn bei einigen geht es nach dem erfolgreichen Masterabschluss oder Doktortitel noch einmal auf ganz neue Wege. Die Gründe dafür sind verschieden: Manche entdecken während des Studiums neue Seiten an sich, andere finden trotz hoher Qualifikation keinen Job oder suchen nach einem Plan B, um in Dresden bleiben zu können. Die aktuelle Absolventenstudie der TU Dresden hat 2016 Geisteswissenschaftler zu ihrem beruflichen Werdegang befragt. 68 Prozent gaben an, bei der Arbeitssuche auf Schwierigkeiten gestoßen zu sein. Leichter haben es die an der TU ausgebildeten Naturwissenschaftler und Ingenieure. 73 Prozent der Maschinenwesen-Absolventen fanden ohne Probleme einen Einstieg in die Branche. In den zahlreichen Forschungs- und Wirtschaftseinrichtungen der Landeshauptstadt stehen die Karrierechancen für Physiker nicht schlecht. Was bewegt junge Doktoren trotzdem nach ihrem Physikstudium eine ganz neue Richtung einzuschlagen? Die modischen Fehltritte ihrer Kommilitonen zum Beispiel.

Umgeben von „nerdigen“ T-Shirts mit Gleichungen darauf, vermisste der heute 33-jährige, promovierte Physiker Stil im Audimax und beschloss selbst mit einem eigenen Modelabel tätig zu werden. „Unter der Marke Uni Polar habe ich das Nerd 2.0 T-Shirt entwickelt“, schmunzelt Kuppke. Bedruckt werden die minimalistisch angehauchten Motive aus den Studienfächern der TU mit Siebdruck in Dresden. Statt plumpen Formeln ist der Bezug zum Studienfach meist erst auf den zweiten Blick erkennbar: Für Politikwissenschaftler gibt es den Gesellschaftsvertrag von Locke, für Psychologen den Pawlowschen Hund und für Maschinenbau die historische Zeichnung einer Dampfmaschine. Produziert wird in ethisch zertifizierten Fabriken in Bangladesh mit Biobaumwolle. Neben seiner eigenen Kollektion verkauft der designaffine Kuppke auch andere fair produzierte Kleidung in seinem Shop an der Jahnstraße.

Der Anfang war gar nicht so leicht. „Die Dresdner Gründerszene hat noch einigen Nachholbedarf in Sachen Netzwerke und Förderprogramme“, sagt der studierte Physiker. „Zudem fehlt vielen jungen Leuten der Mut zum Risiko, um ihre eigenen Ideen zu verwirklichen“, beschreibt Kuppke seine Generation. Zwar kann er von seinem Laden noch nicht leben, aber er plant bereits den nächsten Schritt: Einen zweiten Verkaufsraum in der Neustadt, wo er sich mehr Laufkundschaft erwartet. „Nachhaltige Mode für junge Leute ist in Dresden noch relativ schwer zu bekommen“, sagt Kuppke und will die Marktlücke mit seinem 2015 als Pop-Up-Store eröffnetem Geschäft schließen.

Von seiner Familie hat der Wissenschaftler viel Rückhalt bekommen, „Einzig für meine Großeltern war zunächst schwierig zu verstehen, warum ich 10 Jahre Physik studiert habe und nun einen Klamottenladen eröffne“. Das Physikstudium würde Kuppke auch noch einmal machen. „Aber ich muss neben der rationalen Seite auch meine Kreativität ausleben können“, nennt er den Grund für seine Entscheidung.

Aus seinem Bekanntenkreis ist er der einzige „Ausreißer“ aus dem klassischem Werdegang eines Physikers. Auch der Career Service de TU Dresden teilt die Erfahrung, dass es in den Ingenieurs- und Naturwissenschaften wenige Absolventen sind, die sich noch einmal neu erfinden“. Anders sieht es bei den Geisteswissenschaften aus, in denen die Studiengänge nicht auf einen konkreten Beruf vorbereiten, sondern ein allgemeines Set an Kompetenzen vermitteln.

Von Tomke Giedigkeit

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