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Lokales Warum gekreuzte Schwerter ein Bürohaus in Plauen zieren
Dresden Lokales Warum gekreuzte Schwerter ein Bürohaus in Plauen zieren
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22:37 09.09.2015

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An der Nordseite prangen zwei große, gekreuzte kursächsische Schwerter. Darunter steht, dass das Haus den Namen "Schwerter-Haus" trägt, was das Rätsel allerdings nur in Ansätzen löst. Offen bleibt die Frage, welchen Bezug es zum sächsischen Königshaus gibt.

DNN erfuhren, dass die Ursprünge des Gebäudes bis ins Jahr 1888 zurückreichen. Damals war es die "Schwerter-Schokoladen-Fabrik", gegründet von Oswald Riedel und Johannes Engelmann. "Die Schokolade wurde auch an das sächsische Königshaus geliefert. Als Auszeichnung für eine hervorragende Schokoladenherstellung wurde vom Königshaus das Führen der Kursächsischen Schwerter verliehen", ist in der Chronik der Firma nachzulesen.

Dies deckt sich mit den Informationen des Amtes für Kultur- und Denkmalschutz der Stadt: "Die Bewerbung von Genussmittelprodukten mit markanten Bezeichnungen führte in der Schokoladenindustrie zu entsprechend griffigen und eingängigen Namensgebungen", so Stadtsprecherin Anke Hoffmann. Riedel und Engelmann verkauften fortan also "Schwerter-Schokolade". Die Firmengründer starben 1910 und 1915.

Zwar entwickelte sich die Firma trotz der Zäsur durch den I. Weltkrieg zunächst positiv weiter, doch Anfang 1935 musste es schließen, weil sich die eingesetzten Verwalter mehr für den eigenen materiellen Vorteil interessierten als für eine gute Bilanz. Am 1. September 1935 erwarben die Kaufleute Walter Knaack und Max Hensel das Unternehmen.

Sie ließen zahlreiche Maschinen neu anschaffen und den Betrieb komplett renovieren. Auch die Belegschaft, so steht es in der Chronik, sei sehr zuverlässig gewesen, was dazu führte, dass schon 1936 die ersten "Schwerter"-Erzeugnisse wieder auf dem Markt waren. 1941 arbeiteten in der Schokoladenfabrik 400 Personen.

Weil sich die neuen Eigentümer inmitten des Nazi-Regimes zur Parteilosigkeit bekannten und es immer öfter am Rohstoff Kakao fehlte, wurde die Herstellung von Schokolade und Süßwaren ein Jahr später wieder eingestellt. Bis 1945 wurden in dem Gebäude Medikamente für die Troponwerke in Köln abgepackt. Im Bombenhagel vom 13. und 14. Februar versanken 60 Prozent der Gebäudesubstanz in Trümmern. Nach teilweisem Wiederaufbau entwickelte sich drei Jahre später eine kleine Produktion von Süßwaren auf Basis von Rohstoffzuteilungen.

1959 wurde aus der privaten Firma ein Betrieb mit staatlicher Beteiligung, 1972 arbeiteten dort etwa 200 Personen und es kam zur restlosen Enteignung. "Durch Kombinatsbildung in Form des Anschlusses an den VEB Elbflorenz verlor die Firma ihr Produktionsprofil", ist dazu in der Chronik vermerkt.

In der Wendezeit fehlte es an Aufträgen, so dass die Produktion komplett eingestellt wurde. Im Mai 1990 leiteten schließlich die Eigentümer und Erben die Reprivatisierung des Unternehmens ein und Steffen Knaack wurde neuer Besitzer. Er ist Nachfahre von Walter Knaack und hatte sich als Kind selbst an den Süßigkeiten der Produktion erfreut. Gemeinsam mit zwei Kaufleuten aus Hamburg leitete er die Sanierung der desolaten Bausubstanz ein und es entstand nach der Wende eines der ersten Büro- und Geschäftshäuser in Dresden - das "Schwerter-Haus".

Christoph Stephan

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.02.2012

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