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09:01 10.11.2018
Konzentriert bahnt sich Tischlerin Laura Eichhorn den Weg mit ihrer Stichsäge durch das Holz. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Die Talstraße in Cossebaude schlängelt sich vorbei an urigen Grundstücken und felsigen Waldstücken raus aus der Stadt und rein in dörfliche Idylle. Dazu mischt sich nach wenigen Schritten ein angenehmer Duft nach frisch gesägtem Holz. Als der Geruch fast schon greifbar in der Luft liegt, haben wir unser Ziel erreicht: Die Tischlerei Holz + Glas allround Gmbh. Der Arbeitsplatz von Laura Eichhorn.

Nichts für Langschläfer

Es ist kurz nach 15 Uhr, die meisten der insgesamt 26 Mitarbeiter sind bereits in den wohlverdienten Feierabend verschwunden. Ab sechs Uhr morgens wird hier schon gesägt, geschliffen und lackiert. Laura sitzt bei einer Tasse Kaffee im leeren Pausenraum. Inzwischen hat sie sich an den frühen Tagesbeginn gewöhnt, sagt die 22-Jährige. So gerate sie, zumindest morgens, nicht in den Berufsverkehr.

Doch es hat auch seine Nachteile. Laura teilt sich eine große WG mit drei Studenten und zwei Berufstätigen. „Wenn ich früh das Haus verlassen, kommen die anderen manchmal erst von der Partynacht nach Hause“, erzählt sie und lacht, auch wenn ein bisschen Wehmut mitschwingt. Doch Laura hat sich bewusst für den Beruf der Tischlerin entschieden. Von Reue keine Spur, auch wenn lange Partynächte maximal am Wochenende möglich sind. „Mein Opa war Tischler. Mit ihm habe ich früher schon viel gewerkelt“, erinnert sie sich. Nach dem Abi begann sie ein duales Studium Holz- und Holzwerkstofftechnik. Den praktischen Teil absolvierte sie schon damals bei ihrem heutigen Arbeitgeber in Cossebaude.

Nostalgisches Design, moderne Funktion

Trotzdem musste Laura schnell feststellen, dass ihr der praktische Teil nicht reicht: „In dem Studium baust du nicht die Beziehung zum Holz auf, die ein Tischler hat“. Sie entscheidet sich für die Ausbildung und konnte dank ihrer Vorkenntnisse auf zwei Jahre verkürzen.

Inzwischen hat sie ihre Prüfungen bestanden, inklusive Gesellenstück. Das Sideboard steht derzeit im Dresdner Elbepark und ist Teil der Wettbewerbs-Ausstellung „Die Gute Form“. Die 22-Jährige hat sich vom Retro-Design der 50er und 60er Jahre inspirieren lassen. Die gestalterischen Merkmale der Vergangenheit kombinierte sie mit der Moderne. Griffe können die Betrachter hier vergeblich suchen. Alles funktioniert mit den sogenannten „push to open“ und „soft close“ Techniken. Also einmal antippen und schon öffnen sich Schublade oder Schranktür. Lautes Zuknallen verhindert die Mechanik ebenfalls, denn die Elemente schließen sich nur langsam. Gute zwei Wochen hat Laura an dem Möbelstück gearbeitet. Im Paradies. So nennen sie und ihre Kollegen den Raum, in dem die Möbel entstehen.

Der Traum vom eigenen Betrieb

Der perfekte Zeitpunkt, um rüber in die Werkstatt zu gehen. Laura nimmt uns mit in ihr Paradies. Hier ist es immer warm und der Maschinenlärm aus der angrenzenden Halle bleibt hinter der verschlossenen Tür. Im Paradies verbringt Laura in der Regel ihre Arbeitstage. Denn Möbel baut sie am liebsten. Auch Türen, Fenster, Treppenverkleidungen oder einfache Paletten entstehen bei Holz + Glas in Cossebaude. Ein Jahr möchte Laura hier noch arbeiten. Im kommenden August steht dann die Meister-Ausbildung auf dem Plan.

Ein eigener kleiner Betrieb, das sei schon ein Traum. „Das wir aus einem so einfachen Rohstoff, wie Holz, so tolle Dinge fertigen können, fasziniert mich immer wieder“, erklärt die Tischlerin ihre Begeisterung für das Handwerk. Dass sie die einzige Frau im Beruf ist, störe sie nicht. Und auch die Kollegen schätzen sie und ihre Arbeit: Stefan Krönert, technischer Leiter im Betrieb, unterbricht unser Gespräch, um Laura schnell ein Lob auszusprechen. Der Auftraggeber sei mal wieder sehr zufrieden mit ihrer Arbeit gewesen. Gutes Handwerk ist eben unabhängig vom Geschlecht.

„Den Respekt vor der Säge darf man nicht verlieren“

Mit dem letzten Raum der Werkstatt – der kleinen Glaserei – endet auch unser Ausflug in das Holz-Handwerk – Mit Sägespänen im Haar und Holzduft in der Nase. Wer kreativ ist, Lust am Werkeln hat und keine Angst vor scharfen Maschinen hat, für den ist eine Ausbildung zum Tischler eine gute Wahl, sagt Laura. Denn Nachwuchs werde dringend gebraucht. Egal ob Mann oder Frau. Und apropos scharfe Maschinen: „Wir haben hier alle noch zehn Finger“, lacht Laura, gibt aber zu bedenken: „Den Respekt vor der Säge darf man trotzdem nicht verlieren.“

Ausstellung „Die Gute Form“ noch bis zum 10. November im Elbepark zu sehen. 15 Uhr werden die diesjährigen Sieger gekürt.

Von Lisa-Marie Leuteritz

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