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Lokales Waldspielplatz in Dresden steht vor dem Aus
Dresden Lokales Waldspielplatz in Dresden steht vor dem Aus
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08:41 28.01.2017
Die Zukunft des stadtweit beliebten Waldspielplatzes Albertpark ist ungewiss.  Quelle: PR/Waldspielplatz
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Dresden

 Der Waldspielplatz in der Dresdner Heide steht vor dem Aus. „Das Angebot erhält ab dem 1. September 2017 keine Förderung aus der Jugendhilfe“, heißt es in der Vorlage aus dem Bereich von Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU), die Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) jetzt auf den Weg gebracht hat. Hintergrund sind Überlegungen in der Stadtverwaltung, die Jugendhilfe-Angebot im Jägerpark neu auszurichten. Auf ein alternatives Finanzierungskonzept können sich Land- und Stadtbehörden nicht einigen. Das letzte Wort hat der Jugendhilfeausschuss.

„Aus unserer Sicht wäre es in jedem Fall ein Verlust, wenn der Waldspielplatz nicht mehr existiert, zumal er das einzige Angebot in räumlicher Nähe zum Jägerpark ist“, erklärt Josephine Schumann, die Leiterin der Anlage, deren Träger das Jugendsozialwerk Nordhausen e.V. ist. Bislang sind dort zwei Mitarbeiterinnen tätig. Sie betreuen Gruppen aus Kindergärten und Schulen auf dem Spielplatz. Schumann verweist auf die lange Geschichte des Angebots, das 1991 – noch vom Jugendamt selbst betrieben – der erste betreute Waldspielplatz Deutschlands gewesen sei. Auch viele junge Familien und Großeltern mit Enkeln würden die natur- und erlebnispädagogischen Angebote wie Bogenschießen, Klettern am Baum, Ferienaktivitäten und Ferienfreizeiten nutzen. Teilweise würden Kinder sogar zu Hause abgeholt, um ihnen den Aufenthalt auf dem Spielplatz zu ermöglichen, wenn sie sich allein nicht auf den Weg machen dürfen.

Doch die Stadtverwaltung hat anderes vor: Es soll ab 1. September 2017 ein festes (Treff-)Angebot für Kinder und Jugendliche mit zwei Mitarbeitern durch das Jugendsozialwerk Nordhausen geschaffen werden. Der Schwerpunkte der Arbeit soll dabei auf Beratung, Familienbildung, Frühen Hilfen und Kindertreff liegen. „Die Arbeit im Stadtraum muss stärker auf die dringlichen Brennpunkte konzentriert werden“, erklärte dazu Jugendamtsleiter Claus Lippmann gegenüber DNN. Überwiegend werde das Angebot stadtweit durch Schulen und Horte genutzt. Das sei „aber nicht Aufgabe der Jugendhilfe“. Lediglich ein Drittel der Besucher gehören laut einer Statistik zur Hauptzielgruppe des 6 bis 14 Jahre alten Nachwuchses. Die übrigen seien hauptsächlich Kinder von 0 bis 5 Jahre und Erwachsene – wohl deren Eltern oder Großeltern.

Zur Zukunft des Spielplatzes habe es daher Gespräche mit dem Grünflächenamt, dem Kita-Eigenbetrieb, der Sächsische Bildungsagentur, aber auch dem Kulturamt und dem Umweltamt gegeben. Grundsätzlich seien sich die Ämter einig gewesen, „dass der Waldspielplatz ein Ort ist, auf den die Stadt nicht verzichten möchte“. Ein tragfähiges Finanzierungsmodell durch verschiedene Ämter – das die bisherige Finanzierung durch Jugendhilfe-Gelder des Jugendamtes ersetzen könnte – sei aber „offen geblieben“. Aus diesem Grund werde das Angebot Waldspielplatz „umgebaut“, um auf „die Bedarfslage im Stadtraum reagieren zu können“. Ein Teilstück mit Toilette, Finnhütte und Feuerstelle könne für das neue Jugendhilfe-Angebot „Jägerpark“ weiter genutzt werden. Dafür gibt es auch weiter eine gewisse Sachkostenförderung. In der Vorlage der Stadtverwaltung heißt es: „Der zunehmenden Prekarisierung, dem oft destruktiven Umgang mit wachsender kultureller Heterogenität und den Abkopplungstendenzen von der Neustadt soll im Wohnviertel Jägerpark adäquat begegnet werden.“

Carsten Schöne, der für den Wohlfahrtsverband „Der Paritätische“ im Jugendhilfeausschuss sitzt, scheint klar, warum die Gespräche zwischen den Ämtern von Stadt und Land ergebnislos blieben. Es habe „nur halbherzige Versuche im Jugendamt“ gegeben. Natürlich sei es richtig im Jägerpark einen Kinder- und Jugendtreff einzurichten. Der Bedarf in dem Wohngebiet mit geringem Sanierungsstand und vielen Empfängern von Sozialleistungen sei zweifellos da. Aber auch der Waldspielplatz habe seine Berechtigung zur Bildung und Förderung junger Menschen. „Jugendhilfe ist nicht nur für Probleme da.“ Aber auch die Bildungsagentur des Freistaats hätte hier ein Betätigungsfeld.

Ähnlich sieht es Tina Siebeneicher, die für die Grünen im Jugendhilfeausschuss sitzt. „Wir dürfen den kompletten Wegfall des Angebots nicht zulassen“, kommentiert sie. „Auf keinen Fall darf es eine Verringerung jugendhilflicher Ressourcen im bisher unterversorgten Jägerpark geben“, fordert auch Tilo Kießling (Linke). Über eine geeignete Perspektive müsse im Jugendhilfeausschuss debattiert werden. Das Gremium soll in den nächsten Wochen darüber entscheiden, wie die in Dresden für Jugendhilfeprojekte vorgesehenen rund 17,4 Millionen Euro jährlich verteilt werden, rund 103000 Euro bekam der Waldspielplatz zuletzt für ein Jahr. Noch bevor die Vorlage der Verwaltung auf dem Tisch lag, hatte sich Kießling gefragt, „ob der Oberbürgermeister oder der Bildungsbürgermeister uns tatsächlich die Schließung des Waldspielplatzes vorschlagen wird“. Das ist nun geschehen. Am kommenden Donnerstag wird im Jugendhilfeausschuss erstmals darüber beraten. Die Entscheidung dürfte dann im März fallen.

Die Mitarbeiter am Waldspielplatz sind schon aktiv geworden. Für den Erhalt des Platzes haben sie bereits mehr als 1200 Unterschriften gesammelt und eine Online-Petition gestartet. Dort gibt es bislang mehr als 450 Unterstützer. Sollte die Förderung wegfallen, müsste der Spielplatz möglicherweise abgerissen werden. Für einen öffentlichen Spielplatz ohne Betreuung fehle den Spielgeräten die nötige Zulassung, sagt Spielplatzmitarbeiterin Nicole Hohnen.

Die Petition ist erreichbar unter https://www.openpetition.de/petition/online/fuer-den-erhalt-des-jugendhilflichen-angebots-waldspielplatz-albertpark

Von Ingolf Pleil

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