Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Waldschlößchenbrücke bleibt Tempo-30-Zone
Dresden Lokales Waldschlößchenbrücke bleibt Tempo-30-Zone
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:45 30.06.2018
Sie wird an der Waldschlößchenbrücke vorsorglich geschützt: die Kleine Hufeisennase. Quelle: Klaus Bogon
Dresden

Holger Zastrow, Vorsitzender der Fraktion FDP/Freie Bürger, war angefressen vom Verhalten der SPD-Stadtratsfraktion: „Da haben sie einmal die Chance, sich von Grünen und Linken zu emanzipieren und versemmeln es“, ärgerte sich der Liberale. FDP/Freie Bürger hatten per Antrag gefordert, die Hufeisennasen an der Waldschlößchenbrücke zu zählen.

Die kleine Fledermaus war nicht nur für einen Baustopp verantwortlich. Zum Schutz von „Hufi“, wie sie liebevoll genannt wird, müssen die Autofahrer von Frühjahr bis Herbst in den Morgen- und Abendstunden Tempo 30 fahren. Obwohl gar nicht erwiesen ist, dass überhaupt Hufeisennasen im Umfeld der Brücke ihren Lebensraum haben.

„Wir wollen das Tier gerne schützen. Aber dafür muss es existieren“, erklärte Zastrow. Zwar muss die Stadt jetzt artenschutzrechtliche Gutachten für die Nachbesserung des Brücken-Planfeststellungsbeschlusses vorlegen, aber ein Fledermaus-Monitoring wurde nicht veranlasst. Was heißt: Tempo 30 bleibt in Stein gemeiselt.

Wolfgang Deppe (Bündnis 90/Die Grünen) und Martin Schulte-Wissermann (Fraktion die Linke) warfen Zastrow Populismus vor und erweiterten den Antrag: Nicht nur im Umfeld der Waldschlößchenbrücke sollten Kleine Hufeisennasen gezählt werden, sondern im gesamten Dresdner Teil des Elbtals. „Und wenn schon gezählt wird, dann bitte gleich alle Fledermausarten“, forderte Deppe.

Die SPD zeigte die Zähne und lehnte beide Anträge ab. „Wir haben ganz andere Probleme im Baudezernat. Wir brauchen die Kapazitäten für die Planfeststellungsverfahren von Straßen, die wir sanieren wollen und nicht für Luxusprüfungen“, erklärte Hendrik Stalmann-Fischer, Baupolitiker der Sozialdemokraten. Und er warnte vor unerwünschten Folgen einer Zählung: „Vielleicht finden wir ja etwas, das wir gar nicht finden wollen.“ Eine Juchtenfledermaus beispielsweise, zu deren Schutz die Autofahrer zwingend Tempo 10 fahren müssten.

„Staatliche Wegelagerei“ nannte Zastrow das Tempolimit auf der Brücke, das alle Autofahrer in Dresden aufrege. Es bleibt wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit bestehen: Der Antrag von Linken und Grünen fiel mit 25 gegen 35 Stimmen durch und der Ursprungsantrag von FDP/FB mit 27 gegen 33 Stimmen, es gab jeweils eine Enthaltung. Heißt: Runter vom Gas auf der Brücke zum Schutz eines Tieres, dessen Existenz nicht nachgewiesen ist.

Von Thomas Baumann-Hartwig

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Dresdner Seenotretter Mission Lifeline wollen trotz Verfahren gegen den Kapitän und Schwierigkeiten mit maltesischen und italienischen Behörden wieder aufs Meer. Man fühle sich von den Behörden aus politischen Gründen behindert, meint Sprecher Axel Steier. Die Situation nehme kafkaeske Züge an.

29.06.2018

Botox kommt nicht nur in der Schönheitsmedizin zum Einsatz, auch bei Krankheiten mit schmerzhaften Krämpfen kann das Nervengift helfen. Weil der Bedarf so groß ist, musste das Uniklinikum in der Vergangenheit Patienten abweisen. Das soll sich mit neuer Förderung nun ändern.

29.06.2018

Die Neustadtgrünen kritisieren die Sanierungspläne für die Louisenstraße in der Dresdner Neustadt. Das Straßen- und Tiefbauamt wolle den Status quo auf der viel zu breiten Straße durch Umgehung einer politischen Debatte zementieren, meinen sie. Am Montag gehen die Arbeiten los.

29.06.2018