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Lokales Waldschlößchenbrücke bleibt Dresdens Raserfalle Nummer eins
Dresden Lokales Waldschlößchenbrücke bleibt Dresdens Raserfalle Nummer eins
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11:26 17.01.2017
Die Waldschlößchenbrücke bleibt Dresdens Raserfalle Nummer eins  Quelle: dpa

Sieht man auch nicht alle Tage, dass ein Polizist mit dem Zollstock überprüft, ob sein Kollege den Kleintransporter auch richtig eingeparkt hat. „Vorne einlenken“, sagt Polizeihauptmeister Frank Sörbe knapp. Dann ist er zufrieden. „21 Zentimeter“, stellt er fest. Sein Kollege Reiner Müller hat den VW Caddy an der Leipziger Straße genau parallel zur Bordsteinkante eingeparkt. Warum das so wichtig ist, wird beim Blick in den Kofferraum deutlich. Dort ist ein Multanova 6F installiert, ein Apparat, der im Volksmund Blitzer heißt.

Am Sonnabend ist es 60 Jahre her, dass die Radarkontrolle nach Deutschland kam. Am 21. Januar 1957 startete das nordrhein-westfälische Innenministerium einen Feldversuch in Düsseldorf. Heute soll es in ganz Deutschland 4500 sogenannte Starenkästen geben.

In Dresden sind es 24, von denen allerdings drei im Jahr 2016 nicht aktiv waren (Marienberger Straße, Königsbrücker Landstraße, Gottfried-Keller-Straße). Die übrigen haben fleißig geblitzt: Rund 53 700 Raser wurden erwischt, dazu noch knapp 840 Autofahrer, die bei Rotlicht über eine Ampelkreuzung fuhren. Die eingenommenen Verwarn- und Bußgelder machen rund 1,58 Millionen Euro aus. Eine ordentliche Stange Geld.

Grafik: Eylert

Im Vorjahr waren es allerdings rund 1,75 Millionen Euro, also etwa 170 000 Euro mehr. Der finanzielle Rückgang trotz ansteigender Fallzahlen, 2015 wurden schließlich insgesamt rund 2770 Verstöße weniger registriert, hat wohl vor allem eine Ursache: An Ampeln scheinen sich Dresdner Autofahrer mehr zu disziplinieren. Zumindest ging die Zahl der erwischten Rotlichtfahrer deutlich zurück, von 1487 im Jahr 2015 auf nun 838 im zurückliegenden Jahr.

Polizeihauptmeister Sörbe hat da freilich eine andere Wahrnehmung. Erst kürzlich habe er wieder an einer Ampelkreuzung gefilmt und viele Rotlichtfahrer ertappt, sagt er. Aber das steht an diesem Montagmorgen nicht an. An der Hohlbeinstraße haben er und sein Kollege bereits geblitzt. Sie waren trotz der winterlichen Verhältnisse erfolgreich. 44 Stundenkilometer dort, wo 30 erlaubt seien, seien eben einfach zu viel, kommentiert der 59-Jährige trocken. Ob es auch an der Leipziger Straße etwas zu blitzen gibt? „Ich denke mal nicht“, sagt Sörbe und deutet auf den bedächtig rollenden Pendelverkehr. Trotzdem machen er und der 56-jährige Müller mit wenigen Handgriffen ihren Blitzer einsatzbereit. „Man kann schließlich nie wissen, wo gerade einer rast“, sagt Sörbe, der seit 1978 bei der Verkehrspolizei ist.

Das gilt für die festen Starenkästen der Stadt nur bedingt. Die Waldschlößchenblitzer sind seit Eröffnung der Brücke beständig die größten Raserfallen der Stadt. Rund 525 000 Euro hat die Stadtkasse 2016 dort eingenommen, das ist ungefähr ein Drittel des gesamten Aufkommens. Dabei gibt es ein starkes Gefälle: Reichlich 14 000 Mal (409 344 Euro) hat der Blitzer in Fahrtrichtung Altstadt ausgelöst, fast 10 000 Mal mehr als sein Gegenüber (4232/ 116 368 Euro). Weitere Spitzenreiter stehen an der Radeburger Straße (7930/ 201 732 Euro), der Bautzner Straße auf Höhe der Elbschlösser (4857/ 140 446 Euro) und an der Maxim-Gorki-Straße (3633/ 111 106 Euro). Der dortige Blitzer, der auf Höhe des Förderzentrums für Hörgeschädigte die Fahrtrichtung Hansastraße überwacht, bekommt demnächst Verstärkung. Bis zum Frühjahr soll in der Gegenrichtung ein weiterer Blitzer installiert werden, der bis zum April 2016 an der Bürgerwiese stand.

„Das Fahrverhalten ändert sich ständig“, sagt der Polizeihauptmeister Sörbe. „Wenn wir oft genug an einer Stelle gestanden haben, dann mäßigt es sich“, weiß er. Nach ein paar Monaten oder Jahren lohnt es sich dann allerdings meist, derselben Stelle wieder mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Sörbe hat Zeit für einen Plausch, auf der Leipziger Straße passiert gerade nicht viel. Er sitzt im Auto und beobachtet das Geschehen über die Rückspiegel. Auf seinem Schoß ein Display, dass ihm die Bilder ertappter Raser anzeigt. Bis jetzt ist es keines. Er drückt auf den Auslöser und macht ein Bild von einem besonders faulen Winterfahrer, der zwar unter 50 Stundenkilometern, dafür aber bis auf die Scheiben komplett eingeschneit über die Leipziger rollt. „Mal sehen, ob sich die Bußgeldstelle damit beschäftigt“, meint Sörbe.

Und benennt damit ein Problem, das vor allem die Polizei umtreibt. Denn so wie sich die Bußgeldstelle ihre Arbeit einteilen und beispielsweise überlegen muss, ob sie Verfehlungen unter 10 Stundenkilometer, die 15 Euro Bußgeld einbringen, tatsächlich verfolgt, muss die Polizei auf ihre Kräfte achten. Zwar blitzen neben den Verkehrspolizisten, die neben drei Multanova 6F auch über weitere Messtechnik verfügen prinzipiell auch alle Reviere der Polizeidirektion Dresden. Allerdings habe die Verkehrsüberwachung neben Schwerpunkten wie dem Drogenumschlag auf dem Wiener Platz und in der Äußeren Neustadt oder dem Versammlungsgeschehen eine niedrige Priorität, wie Polizeisprecher Marko Laske sagt. Bedeutet: Immer weniger Polizisten blitzen. Die Zahlen sprechen da eine eindeutige Sprache: 2652 polizeiliche Messungen waren es 2014, 2015 nur noch 1663. 2016 sei die Anzahl noch mal zurückgegangen, wenn auch nicht so deutlich.

Auf Polizeihauptmeister Sörbe trifft das nicht zu. Er fährt fast jeden Tag raus, ob es regnet oder wie am Montag schneit. Er ist fünf bis sechs Stunden auf Dresdens Straßen unterwegs. Und nicht nur dort, seit der Umstrukturierung der Polizeidirektion ist er auch fürs Umland zuständig, der Fokus liege aber nach wie vor auf der Landeshauptstadt. Hier hat er auch sehr arbeitsame Tage erlebt, etwa am Flughafen Klotzsche, wo er bei einem Einsatz mit rund 1100 Messungen genau 111 Raser erwischte, von denen 41 anschließend ihren Führerschein abgeben mussten. „Erfolgreiches Führerscheinjagen“ nennt Sörbe das. „Es geht uns nicht um die, die mal ein paar Km/h zu schnell waren“, sagt er, der genauso wie sein Mitstreiter Müller bereits selbst geblitzt wurde. „Ich will die von der Straße bekommen, die vorsätzlich und rücksichtslos rasen“, sagt er. Er und seine Kollege kennen viele solcher Fälle, haben Raser mit 134 Stundenkilometern in der Heide (erlaubt: 70) ertappt oder – Rekord – mit 171 Stundenkilometern zwischen Neustadt und Bischofswerda, wo 70 erlaubt waren. An der Leipziger Straße ist damit nicht mehr zu rechnen. Sörbe und Müller bauen ab und setzten sich ins Auto. Die nächste Blitzerstelle ruft.

Von Uwe Hofmann

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