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Lokales Waldorfschule plant Großprojekt in Dresden-Niedersedlitz
Dresden Lokales Waldorfschule plant Großprojekt in Dresden-Niedersedlitz
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07:32 25.05.2018
Musikunterricht in der Neuen Waldorfschule in Dresden im jetzigen Gebäude auf der Marienallee. Die Einrichtung platzt aus allen Nähten. Quelle: Anja Schneider
Dresden

2013 gründete sich in Dresden-Niedersedlitz der Verein Neue Waldorfschule Dresden. Das Interesse an dieser Form der Pädagogik war so groß, dass die seit 1990 bestehende Schule in der Neustadt nicht mehr ausreichte. In einem Übergangsstandort auf der Marienallee 12 ging es los. Nun soll ein dauerhaftes Domizil entstehen. Der Verein kehrt dafür an seine Wurzeln zurück, mit einem bemerkenswerten Projekt auf einem Grundstück in Niedersedlitz. Geplant ist gewissermaßen ein „Campus der Generationen“. Gegenüber den DNN stellen die Initiatoren jetzt erstmals Details dafür vor.

Auf einem etwa 32000 Quadratmeter großen Gelände östlich der Erich-Kästner-Straße und nördlich der Heinrich-Mann-Straße sollen in mehreren Schritten rund 25 Millionen Euro investiert werden. Der Zeitplan dafür reicht bis 2029. Aktuell steuern die Initiatoren um Geschäftsführerin Kathrin Köhler, Vereinsvorstand Lutz Stellmacher und Schulleiterin Milena Rentsch auf den ersten Bauabschnitt zu.

Geschäftsführerin Kathrin Köhler (li.), Schulleiterin Milena Rentsch und Vereinsvorstand Lutz Stellmacher diskutieren über das Modell für den Neubau in Niedersedlitz. Quelle: Anja Schneider

Die Verkaufsverhandlungen mit den verschiedenen Eigentümern der Fläche sieht der Waldorfverein auf der Zielgeraden. Die waldorfnahe Astoria-Stiftung unter dem Dach der Rudolf und Clara Kreutzer Stiftung will das Gelände erwerben, der Verein soll es dann in Erbbaupacht übernehmen. „Wir hoffen, dass es noch in diesem Jahr zur Unterzeichnung kommt“, erklärt Vereinsvorstand Stellmacher.

Für 2020 plant der Verein die Grundsteinlegung für den ersten Bauabschnitt. Bis zum Beginn des Schuljahres 2021/22 sollen Gebäude für die bisherigen Klassen und zwei 1. Klassen entstehen. Gegenwärtig läuft die Schule einzügig. Die Räume an der Marienallee konnten durch das Entgegenkommen benachbarter Grundstückeigentümer mit Containereinheiten erweitert werden. „Damit hat sich die beengte Situation etwas entspannt und wir haben mehr Zeit für die Planungen“, schildert Geschäftsführerin Köhler die Situation.

Bis zum geplanten Umzug nach Niedersedlitz werden acht Klassen entstanden sein, nach dem Umzug soll die Schule dann auf zwei Klassenzüge wachsen. Um genügend Platz für die vorhandenen Klassen zu haben, entsteht zunächst das „Mittagshaus und das Mittelstufenhaus“. 12,5 Millionen Euro sind für den ersten Abschnitt kalkuliert.

Eltern leisten Baubeitrag

Erst im zweiten kommen dann die Gebäude für Unterstufe und Hort hinzu, auch eine Turnhalle soll entstehen. Der Verein will damit bis zum Start des Schuljahrs 2023/24 fertig sein.

Nach dem dritten Bauabschnitt für die Oberstufe sollen ab 2029 Kapazitäten für 600 Schüler und etwa 80 Mitarbeiter, darunter rund 50 Lehrer, geschaffen sein. Geplant sind von der ersten bis zur zwölften Stufe jeweils zwei Klassen mit bis zu 24 Schülern und eine Abiturklasse im 13. Jahr. Die Schüler machen die staatlichen Abschlüsse wie üblich bei Waldorfschulen in Zusammenarbeit mit Partnerschulen.

Für die Finanzierung der Investition will der Verein unter anderem Fördermittel des Landes beantragen, mit einem Baubeitrag von 45 Euro pro Familie und Monat leisten aber auch viele Eltern einen direkten Beitrag für das Bauprojekt, der zum einkommensabhängigen Schulgeld hinzu kommt.

Volle Unterstützung bei der Stadt

Bislang sind die Initiatoren mit dem Planungsprozess rundum zufrieden. Nach dem Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan im vergangenen Jahr hatten die Stadträte am 23. Mai im Bauausschuss erstmals eine Vorlage der Verwaltung für die nächsten Schritten zur Schaffung des Baurechts auf der Tagesordnung stehen.

„Wir haben zu jeder Zeit vollste Unterstützung der Stadt“, stellen Vorstand und Geschäftsführung unisono fest. Als Ausgleich für die im sogenannten Außenbereich liegende Fläche beteiligt sich der Verein an einer Aufforstungsmaßnahme der Stadt in Langebrück. Die Energieversorgung soll unter ökologischen Gesichtspunkten realisiert werden. Dazu steht der Verein unter anderem mit der egNEOS, der Genossenschaft Neue Energien Ostsachsen eG, im Kontakt. Erdwärme- und Photovoltaik-Nutzung werden geprüft.

Besonders bei Schulleiterin Milena Rentsch fangen die Augen an zu leuchten, wenn es um das neue Gelände geht. Die auf den Anthroposophen Rudolf Steiner (1861–1925) zurückgehende Waldorfpädagogik geht von der Dreigliederung des Menschen in Geist, Seele und Leib aus und setzt in der Ausbildung daher auf die Förderung von Denken, Fühlen und Wollen.

Schon jetzt beschäftigen sich die Schüler unter anderem mit der Aufzucht von Tieren. Hühner, Meerschweinchen und ein Hund gehören zur Schule. Sie werden auch an Sonn- und Feiertagen sowie in den Ferien von Eltern, Kindern und Lehrern versorgt. An der Schule ist eine Tierpädagogin angestellt. In Klassenstufe 5 beginnt für die Kinder der Gartenunterricht.

Berufsorientierung geplant

Außerdem sind immer mehr Projekt zur Berufsorientierung geplant. „Wir wollen praxisorientierte Angebote schaffen“, erklärt Schulleiterin Milena Rentsch. Bundesweit gebe es dazu schon Kontakte zwischen dem Handwerk und den Waldorfschulen. Dem Profil der Schule entsprechend stehen hier zunächst beispielsweise Berufe mit Holzverarbeitung wie Tischler im Fokus. Perspektivisch können aber auch sozialtherapeutische Berufe oder die Altenpflege hinzukommen.

Das Gelände in Niedersedlitz soll neben einem Grünbereich mit „wilder Natur“ auch Platz für psychotherapeutische und heilpädagogische Angebote bieten, das korrespondiert auch mit dem Schwerpunkt Inklusion im Schulleben. Unter anderem eine Kita und die geplante Sporthalle sollen für Interessenten außerhalb der Schule offenstehen und somit die Verbindung ins Umfeld vertiefen. Es sei eine bewusste Entscheidung gewesen, „gerade in diesen Stadtteil zu gehen“, betont Stellmacher. Der Vorstand fügt hinzu: „Wir wollen ausdrücklich nicht elitär sein.“

Von Ingolf Pleil

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