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Lokales Vorsorge gegen überflutete Keller - Stadtentwässerung misst in ganz Dresden die Regenmenge, um bei Bedarf die Kanalisation auszubauen
Dresden Lokales Vorsorge gegen überflutete Keller - Stadtentwässerung misst in ganz Dresden die Regenmenge, um bei Bedarf die Kanalisation auszubauen
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23:08 09.09.2015
Die Niederschlagsmesser der Stadtentwässerung (im Bild Kanalnetzbetriebsleiter Frank Männig) haben im gesamten Stadtgebiet 20 Messstationen aufgebaut, die alle fünf Minuten dokumentieren, ob es Regen gibt und wie viel. Quelle: Dietrich Flechtner

Von Stephan Hönigschmid

Herausgefunden haben dies die Niederschlagsmesser der Dresdner Stadtentwässerung. Seit 1995 haben sie im gesamten Dresdner Stadtgebiet 20 Messstationen aufgebaut, die alle fünf Minuten dokumentieren, ob es Regen gibt und wie viel. Doch warum ist das überhaupt notwendig? "Mit den Daten können wir per Computersimulation genau ermitteln, welche Ausmaße die Kanalisation haben muss, damit das Wasser problemlos abfließen kann", erklärt Kanalnetzbetriebsleiter Frank Männig. Auf diese Weise konnten in den vergangenen Jahren Engstellen ermittelt und beseitigt werden. Unter anderem wurden in Lockwitz An der Niedermühle ein größerer Kanal und ein neues Regenbecken gebaut.

Neben dem Aspekt des Kanalbaus spielen die Informationen auch bei der Schadensregulierung eine entscheidende Rolle, wenn der Keller eines Hauses mit Wasser vollgelaufen ist und der Hausbesitzer die Stadtentwässerung verantwortlich machen möchte. "In diesen Fällen ist vor dem Hintergrund von Versicherungsansprüchen zu klären, ob das Netz überlastet war oder ob die Rohre zwar von der Größe her ausreichend waren, sie aber nicht funktionieren konnten, weil sie zum Beispiel verstopft waren", so Männig. Eine Dresdner Institution, die ebenfalls gern auf die Regendaten der Stadtentwässerung zurückgreift, ist das Umweltamt. Mit Hilfe von Langzeitsimulationen werden hier die Abflussmengen von kleineren Flüssen berechnet, was nicht zuletzt für den Hochwasserschutz eine wichtige Rolle spielt.

Obwohl die Regenmessung in Dresden mit der ersten Messstation in Dresden Klotzsche 1995 wieder aufgenommen wurde, reicht ihre Tradition viel weiter in die Geschichte zurück. Bereits 1885 begann der städtische Bauhof mit Regenbeobachtungen. Entscheidend war in den darauffolgenden Jahren der 17. August 1887. An diesem Tag gab es einen Starkregen, bei dem in einer Stunde im Schnitt 18 Liter pro Quadratmeter niedergingen. Weil es sich dabei um einen Extremwert handelte, der bis 1900 nur noch ein weiteres Mal gemessen wurde, legte die Stadt Dresden nach Informationen der Stadtentwässerung diese Regenmenge beim Bau der Dresdner Kanalisation als Maßstab zugrunde.

Ein Pionier der Dresdner Regenmessung war Stadtbauamtsrat Friedrich Reinhold, der 1934 seine Dissertation über das Thema schrieb. Sein Datenmaterial war bereits sehr vielfältig und umfasste den Zeitraum von 1901 bis 1934. Allein konnte er die Daten nicht aufarbeiten: "Erst die Möglichkeit, beschäftigungslose Diplomingenieure als sogenannte Wohlfahrtsarbeiter einzustellen, bot Gelegenheit, die Auswertung vorzunehmen", stellte Reinhold damals fest. In der DDR wurde der Regenmessung keine Beachtung mehr geschenkt. Daten von Niederschlägen gab es zwischen 1950 und 1981 nur vom Wetterdienst in Dresden-Klotzsche und das auch nur bei frostfreier Witterung, weil es keine beheizbaren Messgeräte gab.

Heute bestehen die Geräte aus einem Trichter und einer darunter gelegener Wippe, die einen elektrischen Impuls auslöst. Der Betrieb aller 20 Geräte, die pro Stück etwa 1500 Euro kosten, schlägt jährlich mit 30 000 Euro zu Buche. Ein auffälliges Phänomen, das seit 1995 festgestellt werden konnte, ist vor allem die Zunahme des Starkregens. "Der Regen ist viel extremer geworden. So hatten wir beispielsweise 2009 drei Mal einen Regen mit 135 Litern pro Quadratmeter in der Stunde, wie er sonst eigentlich nur einmal alle 100 Jahre vorkommt", berichtet Frank Männig.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.08.2012

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