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Lokales Vor Primark-Eröffnung in Dresden: Umweltschützer prangern Umweltbelastung und Arbeitsbedingungen an
Dresden Lokales Vor Primark-Eröffnung in Dresden: Umweltschützer prangern Umweltbelastung und Arbeitsbedingungen an
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17:18 09.09.2015
Die Primark-Filiale in Dresden Quelle: Dominik Brüggemann

„Mehr als 90 Prozent unserer Kleidung stammen aus Asien, insbesondere aus China, Bangladesch oder Indien – und verursachen dort gewaltige Umweltschäden. Die Textilindustrie vergiftet Flüsse und Trinkwasser, die Bevölkerung Chinas ist eine der schlimmsten Wasserverschmutzungen weltweit ausgesetzt“, kritisiert die Umweltschutzorganisation Greenpeace.

Dabei profitiert die Textilindustrie nach Angaben der Umweltschützer von den mangelhaften Umweltschutzauflagen der Produktionsländer in Asien   und Mittel- und Südamerika. Die Chemikalien werden meist ungefiltert in die Gewässer geleitet oder sprengen die Kapazitäten der Kläranlagen. Die Umweltbelastung durch die Primark-Textilien sei hoch, so Greenpeace-Sprecherin Kirsten Brodde. In Kinderkleidung von Primark habe Greenpeace in einem Test jüngst jede Menge schädliche Chemikalien gefunden – hormonell wirksame Weichmacher oder Fluorchemie, die das Immunsystem, die Schilddrüse oder die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können. „Und dies sind nur Rückstände – in der Produktion wird ein Vielfaches davon eingesetzt und gelangt oft ungeklärt in Flüsse und Seen“, empört sich Brodde.

Kurz nach Bekanntwerden der Testergebnisse habe sich der irische Textilriese allerdings verpflichtet, bis 2020 zu entgiften. Greenpeace erwartet nun nach eigenen Angaben, dass die ersten Chemikalien aus der Produktion in den nächsten zwei Jahren verschwinden. Neben der Umweltbelastung kritisiert die Greenpeace-Sprecherin auch die schlechte Qualität der Primark-Produkte. „Die Qualität ist natürlich schlecht – kein Wunder bei einem T-Shirt für 2,99 Euro. Das Problem ist aber, dass auch die Konsumenten nichts anderes erwarten. Denn wenn das Teil nach der ersten Wäsche kaputt geht, kaufen sie morgen zum Preis von einem Cappuccino-to-go ein neues“, ärgert sich die Greenpeace-Vertreterin.

In Einkaufsnetze groß wie Fischreusen stopfen die Kunden Tops und Schuhe gleich zu Dutzenden. Dieser überbordende Konsum verursacht ein gewaltiges Umweltproblem – vom Chemikalieneinsatz über den Rohstoff- und Wasserverbrauch bis hin zu gewaltig steigenden Transportwegen. Wünschen würden sich die Greenpeace-Aktivisiten ein Umdenken der Gesellschaft. „Einzelne gute Kleidungsstücke kaufen statt vieler billiger, tauschen statt kaufen, reparieren statt wegschmeißen. Auf Label wie IVN Best oder GOTS achten, die grüne Mode garantieren. Dann hätte sich das Geschäft mit der Massenware zweifelhafter Herkunft erledigt“, so Brodde.

Immer wieder in der Kritik steht der irische Textilriese wegen seiner Arbeitsbedingungen, auch der Vorwurf der Kinderarbeit steht regelmäßig im Raum. Die „Kampagne für saubere Kleidung“ unterstützt u.a. von der IG Metall und Terre de Femmes setzt sich für eine Verbesserung der Bedingungen ein. Zuletzt hat die Kampagne 50 führende Bekleidungsfirmen unter die Lupe genommen und geprüft, ob die Unternehmen für existenzsichernde Löhne sorgen. Primark schneidet dort im Mittelfeld ab, immerhin sei die Firma bereit, sich für das Thema zu engagieren. „Primark hat einen Verhaltenskodex, der sich eindeutig gegen Kinderarbeit ausspricht. Außerdem ist das Unternehmen Mitglied bei ETI, der Ethical Trading Initiative. Dennoch kam es in der Vergangenheit wiederholt zu Vorwürfen“, so Nikoletta Pagiati, Sprecherin von EarthLink e.V. dennoch soll Primark von mindestens einem Subunternehmer beliefert worden sein, der minderjährige Mädchen unter fast sklavenähnlichen Bedingungen in Textilfabriken ausbeutet, so die NGO Earthlink. Der Verein setzt sich mit seiner Kampagne „Aktiv gegen Kinderarbeit“ gegen die Beschäftigung von Kindern unter ausbeuterischen Bedingungen ein.

Nikoletta Pagiati betont jedoch, dass sogenannte Billiganbieter wie Primark oder H&M häufig keinesfalls schlechtere Arbeitsbedingungen in den Zulieferunternehmen haben als hochpreisige. Das Gegenteil kann der Fall sein. „In der gesamten Textilindustrie wird die Sozialverantwortlichkeit erschwert - aufgrund der komplexen und unübersichtlichen Wertschöpfungskette. Ein Problem ist auch der Rohstoff Baumwolle, der fast immer aus Regionen bezogen wird, in denen Kinderarbeit an der Tagesordnung ist. Ein Beispiel ist Usbekistan“, sagt Pagiati.

jv

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