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Lokales Vor 125 Jahren fuhr die erste elektrische Straßenbahn
Dresden Lokales Vor 125 Jahren fuhr die erste elektrische Straßenbahn
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18:31 05.07.2018
Vier Meter unter dem Postplatz steht DVB-Vorstand Lars Seiffert an einem Schaltschrank des dortigen Gleichrichterunterwerks. Quelle: Jürgen-M. Schulter
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Dresden

Für Dresdner sind sie längst eine Selbstverständlichkeit: Die Straßenbahnen der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB), die heute auf zwölf Linien durch die Stadt rollen. Als die erste elektrische Straßenbahn vor genau 125 Jahren vom Schlossplatz bis zum Körnerplatz fuhr, war das eine kleine Sensation. Schon in diesen Anfangstagen gab es Diskussionen darüber, was das Rückgrat der „Elektrischen“ darstellt, wie DVB-Vorstand Lars Seiffert sagt: „Oberleitung und Stadtbild, das war schon damals ein Thema.“ Heute hätten sich diese Debatten beruhigt. „Die Dresdner machen sich kaum noch Gedanken darüber, was für eine Infrastruktur zum Straßenbahnbetrieb gehört“, sagt Seiffert.

Vor 125 Jahren fuhr die erste elektrische Straßenbahn durch Dresden.

Dabei ist das allerhand, womit nicht nur das 134 Kilometer lange Streckennetz gemeint ist. 317 Kilometer Fahrleitung hängen an reichlich 7000 Masten und 725 Wandbefestigungen. Allein die Fahrleitung – ein Kupferdraht – bringt rund 300 Tonnen Gewicht auf die Waage. Hinzu kommen 495 Kilometer Bahnstromkabel und 53 Gleichrichterunterwerke im Stadtgebiet, von denen sieben unterirdisch verlegt sind. Dort wird der von der Drewag gelieferte Strom mit zehn oder 20 Kilovolt Wechselspannung in die für den Straßenbahnbetrieb benötigten 600 Volt Gleichspannung umgewandelt.

20 Gigawattstunden eingespart

Gerade an diesem Stromnetz hat es in den letzten Jahren weitgehend unbeobachtet wichtige Entwicklungen gegeben. Seit 2009 sind alle Abschnitte des Netzes, die von einem bestimmten Gleichrichterunterwerk versorgt werden, zu einer Gesamtheit zusammengeschlossen. Das hat mehrere Vorteile, wie Jens Thiede sagt. Er ist Instandhaltungsbereichsleiter Bahnstromversorgung bei den DVB und damit für eine Abteilung mit 56 Mitarbeitern verantwortlich. „Wenn heute ein Gleichrichterunterwerk ausfällt, merken die Fahrgäste nichts davon“, sagt er. Die benachbarten Werke übernehmen die Stromversorgung, bis der Schaden repariert ist. Gab es früher im Kraftwerk Mitte ein großes Werk, das das gesamte Streckennetz der Altstadt versorgte, sind dort heute drei Gleichrichterunterwerke aktiv: Eines an der Bauhofstraße und zwei unterirdische an der Jahnstraße und auf dem Postplatz. Dort lassen sich Mitarbeiter nur blicken, wenn es eine Havarie gibt. Geregelt wird der ganze Betrieb von der Zentrale im Betriebshof Trachenberge.

Das Verbinden der Speisebezirke hat weitere Vorteile. So geben die Stadtbahnwagen Bremsenergie an die Oberleitung zurück. Diese kann anderswo eine anfahrende Straßenbahn nutzen. Für die DVB ergibt sich dadurch eine Stromersparnis von 20 Gigawattstunden Fahrstrom pro Jahr. Trotz wachsendem Streckennetz und dichteren Taktzahlen konnte der Stromverbrauch in den letzten zehn Jahren um zwölf Prozent gesenkt werden. 50,1 Gigawattstunden beträgt er derzeit, das entspricht in etwa dem jährlichen Energieverbrauch von 9100 vierköpfigen Familien.

Fahrstrom der Zukunft soll 750 Volt betragen

Für die Verkehrsbetriebe sind das wichtige Werte, weil sie die Bedeutung der Straßenbahn als umweltfreundliches Verkehrsmittel belegen. Beim derzeitigen Strommix der Drewag verursache jeder Straßenbahnfahrgast pro Kilometer einen Ausstoß von 33 Gramm Kohlendioxid. Im Dieselbus seien es pro Fahrgast 66 Gramm, im Auto für jeden Mitfahrer mindestens 100 Gramm.

Die Stromersparnis rechnet sich aber auch für das Unternehmen. Auch das ist ein Grund, an dieser Schraube weiter zu drehen. „Wir überlegen, in Zukunft die Fahrspannung von 600 Volt auf 750 Volt zu erhöhen“, sagt Seiffert. Dadurch würden Widerstände und Übertragungsverluste sinken, was den Stromverbrauch um weitere acht Prozent senken könnte. Es würden jedoch Investitionen in Gleichrichterunterwerke und Stadtbahnen nötig. „Die größten Sorgenkinder sind unsere Museumsbahnen, da müssten wir dann echt überlegen, ob das noch lohnt und wie das geht“, sagt er. Die neuen Stadtbahnwagen, von denen die ersten in fünf Jahren über Dresdens Straßen rollen sollen, können dagegen bereits von Haus aus mit 750 Volt fahren.

125 Jahre „Elektrische“ in Dresden

Am 6. Juli 1893 – genau vor 125 Jahren – fuhr die erste mit elektrischem Strom angetriebene Straßenbahn vom Schlossplatz nach Blasewitz. Die fast sechs Kilometer lange Strecke der späteren Linie 18 führte über das Terrassenufer, die Sachsenallee und die Pfotenhauerstraße zum Schillerplatz. Wenige Tage später wurde die Strecke mit der Fertigstellung des Blauen Wunders das erste Mal verlängert. Am 15. Juli 1893 rollte die „Elektrische“ bis zum Körnerplatz. Es waren zwölf Triebwagen im Einsatz.

Viele Dresdner sahen der Eröffnung mit Neugier, aber auch mit gewissen Ängsten entgegen. War doch die Nutzung der Elektrizität damals noch weitestgehend unbekannt. Die Elektrifizierung der Stadtbeleuchtung zum Beispiel nahm erst ein Jahr später ihren Anfang – die Straßenbahn war Pioniertechnik in Dresden. Bis zur vollständigen Umrüstung des Straßenbahnnetzes mit 16 Linien dauerte es dennoch nur sieben Jahre. Am 25. August 1900 rückte die letzte Dresdner Pferdebahn ins Trachenberger Depot ein. Der elektrische Antrieb hatte sich als leistungsfähiger, zuverlässiger und kostengünstiger durchgesetzt.

Am 6. Juli 1893 wurde am Tatzberg in der Johannstadt ein Betriebshof für elektrische Straßenbahnen mit Wagenhalle sowie Kessel- und Maschinenhaus zur Stromerzeugung eröffnet. Die beiden damals mit Kohle betriebenen Dampfmaschinen waren an Generatoren gekoppelt, die zunächst eine Leistung von jeweils 120 Pferdestärken hatten. Nach einem Jahr ging das Kraftwerk an die Stadt Dresden über, die damit auch die öffentliche Beleuchtung betrieb.

Es gab in der Anfangszeit einige Versuche, die Oberleitung durch andere Systeme zu ersetzen. So wurde mit einer unterirdischen Stromzuführung und Akkumulator-Triebwagen experimentiert. Nach wenigen Jahren wurden diese Versuche wieder eingestellt. Ab 1907 wurde das gesamte Dresdner Netz über Oberleitungen versorgt.

Von Uwe Hofmann

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