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Auto & Verkehr Von Immergrün zur Altbaulandschaft

DNN-Sommerserie: Wir bringen Sie auf Linie Von Immergrün zur Altbaulandschaft

Wer sitzt eigentlich in Dresdens Straßenbahnen und auf welchen Linien kann die Stadt besonders gut erkundet werden? In unserer Sommerserie „Auf Linie“ stellen wir zweimal wöchentlich eine Straßenbahnlinie mit ihren Besonderheiten vor. Heute geht es mit der "12" von Leutewitz nach Striesen.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. „Gartenanlage Immergrün“. Der Name ist Programm an der Gleisschleife Leutewitz. Hier haben sich Laubenpieper ein florales Paradies geschaffen. Und hier geht die Linie 12 auf die Reise durch die Stadt. 14,5 Kilometer wird sie bis nach Striesen zurücklegen – zunächst mit rund einem Dutzend Passagiere.

Freitag ab 1, macht jeder seins. Das wird auch an diesem letzten Arbeitstag der Woche in der „12“ ersichtlich. Arbeitskleidung und Käppis bestimmen das Bild. Das nahe gelegene Sächsische Umschulungs- und Fortbildungswerk (SUFW) lässt grüßen. Ansonsten herrscht Stille. Keine Unterhaltungen, die Köpfe sind starr geradeaus gerichtet. Es geht durch Cotta und Löbtau, die Kesselsdorfer Straße entlang. Die Bahn wird voller, auch durch Studenten auf dem Weg zur Uni.

Die Linie 12 verbindet in 50 Minuten Leutewitz und Striesen. wir sind mitgefahren.

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Einer meidet die Linie 12 eigentlich, wie er sagt. Die komme immer zu spät. Dem kann auch Elisabeth Wandtke zustimmen. Nur selten sei die Bahn in Richtung Leutewitz pünktlich. „Aber das macht die lange Strecke. Da können die Dresdner Verkehrsbetriebe nichts dafür“, findet sie.

Freitag ist Markttag

Freitags bestimmen Händler seit Jahrzehnten das Bild an der Lingnerallee.

Obst, Gemüse, heiße Würste: Freitags bestimmen Händler seit Jahrzehnten das Bild an der Lingnerallee. Der Sachsenmarkt nahe dem Deutschen Hygiene-Museum ist Dresdens größter Wochenmarkt. Von 8 bis 16.30 Uhr bietet er seiner zahlreichen Kundschaft insbesondere Frischwaren, aber auch Produkte aller Art vorrangig aus Sachsen an. Hervorgegangen ist der Markt aus dem sogenannten Forum-Markt. Dieser wurde nach der deutschen Wiedervereinigung von der Bürgerbewegung „Neues Forum“ ins Leben gerufen, um regionalen Produkten zu einer fairen Chance im gesamtdeutschen Markt zu verhelfen. Und mit vollen Tüten geht es dann bequem mit der „12“ nach Hause.

So langsam kommt Schwung in die Truppe. Zwei ältere Damen schwatzen, was das Zeug hält. Ein junger Mann bekommt davon freilich nichts mit. Seine Kopfhörer zeugen nicht gerade von Understatement. Und so überhört er auch Erika Spindler, die so gerne ein Fenster geöffnet hätte. Kein Problem, ich springe ein. Die Rentnerin wohnt in der Magdeburger Straße in einem betreuten Wohnen, ist aber ständig mit Bus und Bahn unterwegs. „Man muss ja in Bewegung bleiben“, findet sie.

Diese Meinung teilt auch Dietmar Peters, der die „12“ oft nutzt, weil sie direkt vor seiner Haustür liegt. Der Senior hat sich gar eine Jahreskarte besorgt, um mobil zu sein. Jetzt, in der Ferienzeit, müsse man schon etwas länger auf die Bahnen warten. „Aber ich bin Rentner, ich habe doch Zeit. Ich bin auf jeden Fall zufrieden mit den Verkehrsbetrieben“, sagt er.

Das kann Ingrid Rothmeier nur unterschreiben. Die sehbehinderte Frau nutzt gerade das Angebot, sich von einer Servicebegleiterin sicher zur Physiotherapie bringen zu lassen. Das übernimmt an diesem Tag Elvira Petzold. Über den Mose-Begleitdienst kann Ingrid Rothmeier einen Helfer bestellen. „Das ist sehr hilfreich und klappt eigentlich fast immer“, erklärt sie.

Vorbei geht es am World Trade Center und der neuen Schwimmhalle am Freiberger Platz, am Postplatz – Fahrer- und Fahrgastwechsel – und an der Prager Straße, am Pirnaischen Platz und am Hygiene-Museum. Der allwöchentliche Markt entlässt seine Kunden mit vollen Tüten. Während Gläserne Manufaktur, das Krankenhaus St. Joseph-Stift und der Fetscherplatz am Fenster vorbeiziehen, beweist die Jugend ihr Kommunikationstalent. Zumindest lässt das das ständige Piepen ihrer Smartphones vermuten. Monoton und kakophonisch.

Ein weiteres Jugendphänomen: Es existieren offenbar keine Vornamen mehr. Da machen sich Mama und Papa monatelang Gedanken, wie sie ihren Sprössling denn nun nennen könnten, und am Ende wird es immer ein „Digger“. Oder ein „Alter“. Digger 1 also zu Digger 2: „Du weißt, wie es läuft.“ Na dann.

Einen Überblick verschafft sich auch gerade die Dame neben mir, die Gewissenhaft eine Tageszeitung studiert. Um welche genau es sich handelt, muss hier nicht erwähnt werden. Nur soviel sei gesagt: Es handelte sich um die Ausgabe mit einer Sonderseite zur Hanf-Problematik. Ob es am Haschisch gelegen haben mag, ist nicht bekannt, aber ein Mann in Jogginghose zwei Reihen hinter mir macht auf jeden Fall deutlich, dass die Einnahme spezieller Substanzen nicht anzuraten ist. Mit starrem Blick murmelt er immer wieder Schimpfwörter vor sich hin, die nicht wiederholt werden sollen. An wen sich seine verbalen Ausbrüche richten, bleibt offen. Am Uniklinikum steigt er aus (gute Entscheidung), läuft dann aber daran vorbei (so knapp).

Während sich die Umgebung langsam in die typische Striesener Altbaulandschaft verwandelt, lästern nebenan zwei ältere Damen – frisch frisiert, kettenbehangen, die Tasche auf den Knien fest umschlungen – über die Feiergewohnheiten einer Bekannten. Frauen unter sich. Das ändert sich wohl nie. Am Schillerplatz steigt das Duo aus, wie beinahe alle Fahrgäste. Die „12“ geht auf ihre letzten Meter. Links ziehen das Blaue Wunder und der Schillergarten vorbei, bis zur Ankunft sind es nur noch vier Haltestellen. Mit einem Dutzend Passagiere ging die Fahrt los, mit einem Dutzend endet sie auch.

STeckbrief Linie 12

Linienverlauf : Striesen – Ludwig-Hartmann-Straße – Schillerplatz (Blaues Wunder) – Straßburger Platz – Prager Straße – Postplatz (Zwinger) – Löbtau – Leutewitz
Linienlänge : 14,5 Kilometer
Fahrzeit : 50 Minuten
Haltestellen : 33
Fahrgastzahlen : 31 000 Fahrgäste pro Werktag (2016)

Christin Grödel

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